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Krankenhäuser/Justiz : Verbände halten Ermittlungen an Gießener Uniklinik für Ausnahme

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Die Ermittlungen wegen der angeblichen Abweisung teurer Risikopatienten am Gießener Uniklinikum halten Patienten- und Krankenhausvertreter für eine Ausnahme.

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          Die Ermittlungen wegen der angeblichen Abweisung teurer Risikopatienten am Gießener Uniklinikum halten Patienten- und Krankenhausvertreter für eine Ausnahme. Die Hessische Krankenhausgesellschaft sieht die Gefahr, daß Kliniken solche Patienten aus finanziellen Gründen nicht aufnehmen, als „unbegründet“ an. „Uns sind ähnliche Fälle bisher nicht bekannt geworden“, sagte der Präsident des Allgemeinen Patienten-Verbandes, Christian Zimmermann, am Donnerstag in Marburg.

          Der Ärztliche Direktor des Klinikums soll die Mitarbeiter einer Abteilung aufgefordert haben, bestimmte Patienten nicht zu behandeln, für die besonders teure Operationen notwendig wären. Der Medizinprofessor Klaus Knorpp weist die Vorwürfe scharf zurück. Dem hessischen Wissenschaftsministerium liege eine eidesstattliche Erklärung vor, in der Knorpp die Anschuldigungen bestreite, sagte Sprecherin Adrienne Lochte. Staatssekretär Prof. Joachim-Felix Leonhard ist Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikums. Der Anwalt eines Klinikarztes hatte die Ermittlungen wegen versuchter Anstiftung zu einem Verbrechen mit einem Schreiben an die Anklagebehörde in Gang gebracht. Nach ersten Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft hat es in Gießen keinen Fall gegeben, in dem Risikopatienten abgewiesen wurde.

          Fallpauschalen als Knackpunkt

          Die Einführung der so genannten Fallpauschalen für Krankenhausbehandlungen führe allerdings dazu, daß Krankenhäuser „ein finanzielles Interesse daran haben, gewisse Patienten nicht aufzunehmen oder rasch zu entlassen“, sagte Verbandspräsident Zimmermann. Eine ausgelastete Klinik könne zwar Risikopatienten an ein „vergleichbares Haus“ überweisen. „Wenn aber Betten und Kapazität frei sind, kann man nicht sagen, wir nehmen Patienten aus finanziellen Gründen nicht auf. Gegen diese Rosinenpickerei wehren wir uns - man kann nicht nur Patienten aufnehmen, die Profit versprechen.“

          Auf Grund der klammen Kassen müßten Kliniken die Behandlung von Patienten „steuern“ und etwa geplante, aber nicht dringende Eingriffe in ein anderes Quartal verschieben, sagte der Sprecher der Krankenhausgesellschaft, Hans Ditzel. „Wenn Behandlungen von Patienten das Budget sprengen, werden die Krankenhäuser finanziell bestraft.“ Aus finanziellen Gründen würden Kranke aber nicht „abgeschoben“: „Wenn Patienten da sind, müssen sie behandelt werden. Ich schließe völlig aus, daß Notfälle abgewiesen werden.“

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