https://www.faz.net/-gzg-6kbba

Koziol reagiert auf Apple-Klage : „Pott“ fürs Ei statt „ei-Pott“

Das Streitobjekt, das nun seinen Namen ändern muss Bild: dpa

Das Erbacher Familienunternehmen Koziol nennt sein Produkt „ei-Pott“ künftig nur noch „Pott“. Es reagiert damit auf eine Einstweilige Verfügung, die der i-Pod-Hersteller Apple erwirkt hat. Doch gibt sich Koziol auch kämpferisch - und will eine grundsätzliche Klärung.

          Auf den Fluren von Koziol herrscht seit ein paar Tagen gesteigerte Betriebsamkeit. Nicht allein wegen des Auftritts der Odenwälder auf der bevorstehenden Frankfurter Herbstmesse Tendence – vielmehr führt eine erfolgreiche Klage des Unterhaltungselektronik-Konzerns Apple gegen den Hersteller von Designer- und Haushaltswaren zu Aufregung und Krisensitzungen: Das Hamburger Oberlandesgericht hat auf Antrag von Apple eine Einstweilige Verfügung erlassen, nach der Koziol sein 2009 auf den Markt gebrachtes Produkt namens „ei-Pott“ nicht mehr so nennen darf. Aus Sicht des Gerichts könnte der „ei-Pott“ mit dem i-Pod-Musikabspielgerät des amerikanischen Anbieters verwechselt werden.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dass dieses Risiko tatsächlich besteht, erscheint wenig wahrscheinlich. Ist der Namen des Odenwälder Produkts doch ganz wörtlich zu nehmen: Es handelt sich um einen Eierbecher, der jedoch dem i-Pod nicht unähnlich ist: Beim Musikabspieler ist in einem Kreis das Bedienungsmenü untergebracht, während beim Eierbecher an dieser Stelle das Ei seinen Platz hat. Falls Koziol sein Erzeugnis auch künftig unter dem alten Namen verkaufen sollte, würde ein Ordnungsgeld von 250.000 Euro fällig.

          Firmenchef hat weder i-Phone noch i-Pad

          So weit wird es Koziol aber nicht kommen lassen. Das Familienunternehmen wird das Produkt künftig schlicht „Pott“ nennen, wie eine Sprecherin auf Anfrage sagte. Dessen ungeachtet darf Koziol die Lagerbestände des „ei-Pott“ aber noch verkaufen. Und zählte er schon bisher zu den gut laufenden Artikeln des Mittelständlers, so machen ihn die Folge der Apple-Klage zum Verkaufsschlager: „Die Bestellungen rattern hier nur so ’rein“, wie es am Firmensitz in Erbach heißt, wo man die Niederlage von Hamburg nicht so einfach auf sich sitzen lassen will. Koziol gedenkt, ein Hauptsacheverfahren anzustrengen und prüfen zu lassen, ob die von Apple angemeldeten Ansprüche überhaupt eine sachliche Grundlage haben.

          Koziol-Chef Stephan Koziol - hier in der Produktion in Erbach - will sich mit der Einstweiligen Verfügung nicht abfinden

          Dass die Einstweilige Verfügung sich auch auf das Konsumverhalten des Firmenchefs auswirkt, ist im Übrigen unwahrscheinlich. Stephan Koziol zählte schon zuvor nicht zu den Apple-Jüngern. Bei Unterhaltungselektronik hält er es mehr mit Retro: Sein Handy ist gut zehn Jahre alt, zudem besitzt er weder einen i-Pod noch ein i-Pad.

          Weitere Themen

          Abtreibungsgegner auf Abstand

          Mahnwachen vor Beratungsstelle : Abtreibungsgegner auf Abstand

          Immer wieder demonstrieren Abtreibungsgegner vor Beratungsstellen oder Arztpraxen. Die Linke in Hessen will diesen Kundgebungen per Gesetz einen Riegel vorschieben – unklar ist, ob das mit dem Grundgesetz vereinbar ist.

          Topmeldungen

          TV-Kritik: „Maischberger“ : Gedächtnisschwäche und Meinungsbildung

          Grönland-Debatte, Fleischkonsum oder Greta Thunberg: Schaffen die Medien unsere Wirklichkeit, oder bilden sie diese nur ab? Das war das eigentliche Thema dieses Abends, der an fast vergessene Ereignisse der letzten Wochen erinnerte.

          Eintracht Frankfurt : Wie ein Achtelfinale

          Eintracht-Torhüter Kevin Trapp erwartet ein „großes“ Play-off-Hinspiel bei Racing Straßburg und misst ihm besondere Bedeutung bei. Rund um das Stadion gelten für die rund 1200 Anhänger besondere Auflagen.
          Sparen, damit man es im Alter krachen lassen kann: Haben sich womöglich die Präferenzen der Menschen verändert?

          Debatte über das Sparen : Lieber später als heute das Geld auf den Kopf hauen

          Bisher dachten Wissenschaftler, Menschen geben Geld lieber heute als später aus. Doch in einer alternden Gesellschaft könnte sich das ändern. Das würde auch das Phänomen negativer Zinsen erklären. Müssen Ökonomen ihre Lehrbücher umschreiben?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.