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Zu viel Durchgangsverkehr : Offenbacher Wilhelmsplatz wird zum Zankapfel

Von Autoposern entdeckt: der Offenbacher Wilhelmsplatz Bild: Wolfgang Eilmes

Der schönste Platz in Offenbach leidet an Markttagen unter dem Verkehr. Dass weniger Autos mehr Aufenthaltsqualität bedeuten, bestreitet keiner. Gestritten wird trotzdem.

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          Der Wilhelmsplatz ist mit seinem Wochenmarkt und der den Platz umgebenden Gastronomie ein städtebauliches Juwel, an denen das von Krieg und autofanatischen Stadtplanern schwer gezeichnete Offenbach nicht eben reich ist. Seine Anziehungskraft reicht weit über die Stadt hinaus. Für Gäste, Gastwirte, Geschäftsleute und Flaneure gleichermaßen ärgerlich ist allerdings der bisweilen dichte Autoverkehr auf den schmalen Straßen im Osten und Westen zwischen dem Platz selbst und den ihn umgebenden Häusern – zumal die Gastronomie teilweise auch noch jenseits dieser Straßen bewirtet.

          Jochen Remmert
          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Ganz besonders ärgerlich ist es für alle Beteiligten, dass das besonders bei schönem Wetter abends und am Wochenende stark frequentierte Areal auch von mehr oder weniger exklusiv motorisierten Autoposern längst entdeckt worden ist. Die Stadtverordneten haben jetzt mit der Mehrheit der Koalition aus CDU, Grünen, FDP und Freien Wählern den Magistrat beauftragt, diese Straßen testweise für drei Monate an Markttagen zwischen 8 und 16 Uhr für den Durchgangsverkehr zu sperren. Ausgenommen sind die Fahrzeuge der Marktbeschicker und der Anwohner. Beginnen soll der Test wohl im August, eine Bestätigung der Stadt war am Freitag nicht zu erhalten.

          Bürger nicht hinreichend beteiligt

          Da es auch unter Anwohnern, Gastronomen, Einzelhändlern, Marktbeschickern und Gästen unterschiedliche Ansichten über eine mögliche Sperrung gibt, sollen diese unmittelbar vor, während und nach der Testphase schriftlich befragt werden. Ein entsprechender Auftrag an die Verwaltung, an deren Spitze Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) steht, ist im Beschluss des Stadtparlaments ebenfalls enthalten. Schwenke hatte sich nach eigenem Bekunden umgehend auf die Suche nach einem für diese Befragung geeigneten Umfrageinstitut begeben und ist fündig geworden. Er hat sich auch selbst für die probeweise Sperrung der Seitenstraßen ausgesprochen.

          Allerdings ist er der Ansicht, dass man alle Beteiligten so zeitig vor dem Beginn des Praxistests hätte befragen müssen, dass deren Ideen, Wünsche und Erfahrungen in die Praxis der probeweisen Sperrung hätten eingearbeitet werden können. So aber sieht Schwenke die Offenbacher Bürger nicht hinreichend beteiligt, sondern lediglich den Anschein einer echten Beteiligung erweckt. Diese Kritik hat wiederum die CDU-Fraktion im Stadtparlament „mit Befremden zur Kenntnis genommen“. Da es sich um einen Test handle, der Erkenntnisse liefern solle, auf deren Basis erst eine längerfristige Entscheidung gefällt werden solle, sei Schwenkes Forderung nicht sinnvoll und auch vom Stadtverordnetenbeschluss nicht gedeckt.

          Die CDU findet es fragwürdig, dass Schwenke nicht die Verwaltung für die Befragungen nutze, sondern ein externes Institut beauftrage, was Zeit und Geld koste. Alle Beteiligten sollten persönliche Befindlichkeiten außen vor lassen und eine schnelle Entscheidung im Sinne der durch die Pandemie schwer belasteten Gastronomen, Geschäftsleute und Marktbeschicker und ihrer Kunden zu ermöglichen, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Roland Walter.

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