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Enttäuschte Wähler : Grüne Konkurrenz für die Grünen

Freie Wahl: Der gewohnte Straßenwahlkampf mag ausfallen müssen in der Pandemie, doch die Plakate stehen und hängen wie immer. Bild: Frank Röth

Auch die Grünen in Darmstadt ereilt das Schicksal anderer etablierter Parteien. Enttäuschte Wähler bilden Bündnisse und fordern sie heraus. Die Chancen auf eine neuerlich grün-schwarze Mehrheit werden dadurch nicht größer.

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          Wenn sich die Parteifreundinnen und -freunde der Darmstädter Grünen, die in Offenbach Politik machen, im aktuellen Kommunalwahlkampf so richtig in Hochstimmung versetzen wollen, schauen sie sich das Ergebnis der Europawahl von 2019 an. Denn da lagen sie in ihrer Stadt mit 25,8 Prozent satte 9,5 Prozentpunkte vor der SPD und 5,4 vor der CDU. Bislang schafften es die Offenbacher Grünen allerdings nur bei der Europawahl zur stärksten politischen Kraft in ihrer Stadt. Die Selbstermutigung für die Wahlen am 14. März funktioniert bei den Darmstädter Grünen noch sehr viel besser: Nicht nur, dass sie bei ebenjener Europawahl mit 33,6 Prozent jeweils mehr als doppelt so viele Stimmen wie CDU (16,3 Prozent) und SPD (15,2) eingefahren haben. Die Partei dominiert auch die Darmstädter Kommunalpolitik seit 2011 als stärkste Kraft. Ganz abgesehen davon, dass der Grüne Jochen Partsch vor zehn Jahren den Sozialdemokraten Walter Hoffmann mit einem deutlichen Ergebnis von 69,1 zu 30,9 Prozent im Amt des Oberbürgermeisters ablöste und so eine Folge von sechs Sozialdemokraten in diesem Amt beendete. Der einzige grüne Oberbürgermeister in Hessen konnte sich also erst einmal auf eine stabile grün-schwarze Mehrheit stützen.

          Jochen Remmert

          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Bei den Kommunalwahlen 2016 haben die Grünen in Darmstadt allerdings ein Minus von 3,2 Prozentpunkten hinnehmen müssen. Mit 29,7 Prozent blieben sie zwar mit Abstand stärkste Kraft, der Koalitionspartner CDU büßte mit 6,6 Punkten sehr viel mehr ein. Die Christdemokraten waren zwar mit 18,2 Prozent knapp vor der SPD zweitstärkste Partei, aber es reichte erst einmal nicht mehr für eine grün-schwarze Mehrheit der Sitze. Die Grünen hatten noch 21 statt 23 der insgesamt 71 Sitze in der Stadtverordnetenversammlung, die CDU noch 13 statt 18. Zunächst half eine Zusammenarbeit mit den Stadtverordneten der Uffbasse-Fraktion, bis dann zwei Stadtverordnete zu den Grünen wechselten und so 36 von 71 Sitzen in der Stadtverordnetenversammlung auf Grün-Schwarz entfielen.

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