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Vergabe von Impfterminen : Ärmel hoch!

Wer hätte das gedacht: Trotz zwingender Querdenker-Argumente dagegen lassen sich Menschen freiwillig impfen. Bild: dpa

Die Vergabe von Impfterminen wird für viele Menschen zu einer Geduldsprobe. Eine einmalige Chance wurde vertan.

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          Der Impfkampagne der Bundesregierung kann sich kaum jemand entziehen. „Deutschland krempelt die Ärmel hoch – für die Corona-Schutzimpfung“ heißt es da, untermalt von pathetischer Musik. Und auch in Hessen wollen viele Menschen genau das tun. Ärmel hochkrempeln. Sich impfen lassen. Die einen, weil sie mit gutem Beispiel vorangehen wollen. Die anderen, weil sie Angst um ihr Leben haben.

          Wenig überraschend also, dass am ersten Tag, an dem es möglich war, sich einen Impftermin zu sichern, die Leitungen heiß liefen, zeitweise kein Durchkommen mehr war. Auch die Online-Terminvergabe brach zusammen. Der Grund: Überlastung. Wen wundert es? Immerhin sind rund 400.000 Hessen, die achtzig Jahre alt sind und älter, in den vergangenen Tagen angeschrieben und aufgefordert worden, sich für einen Impftermin zu registrieren.

          Innenministerium hätte besser vorbereitet sein müssen

          Dass viele genau das so schnell wie möglich tun wollten, ist eigentlich löblich. Aber diese positive Meldung ist in den Hintergrund geraten. Denn die Impfterminvergabe am Dienstag ist zur Geduldsprobe für viele Impfwillige oder deren Angehörige geworden. Klar, das Argument, dass die logistischen Herausforderungen, eine solche Terminvergabe zu organisieren, groß seien, geht irgendwie immer. Aber eben auch nur „irgendwie“. Ein Blick in andere Bundesländer, die schon im Dezember erste Termine vergeben haben, hätte ausgereicht, um zu wissen, wie stark das Interesse besonders der älteren Bevölkerung an einer Schutzimpfung ist.

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          Im Saarland beispielsweise wurde am 24. Dezember die Terminvergabe freigeschaltet. Nicht um acht Uhr morgens, sondern zur Mittagszeit. Auch dort brach das System zusammen – obwohl der ein oder andere sicher noch am Mittagstisch statt vor dem Rechner oder am Telefon saß. Wieso also hätte es in Hessen anders laufen sollen? Zumal sich die Corona-Lage in den vergangenen Wochen weiter zugespitzt hat, das öffentliche Leben immer weiter eingeschränkt worden ist, die Menschen immer besser aufgeklärt sind, wenn es um das Thema Impfung geht – auch weil die Bundesregierung Kampagnen schaltet.

          Das für die Terminvergabe zuständige Innenministerium hätte besser vorbereitet sein müssen. Es wurde die große und in diesem Maße einmalige Chance vertan, zu demonstrieren, dass das Thema „Impfen“ höchste Priorität hat und dass jeder Einzelne, der bereit ist, die Ärmel hochzukrempeln, einen wichtigen Beitrag leistet, eine Rückkehr in die Normalität zu ermöglichen.

          Marie Lisa Kehler

          Stellvertretende Ressortleiterin des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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