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Gefahr durch Cyber-Angriffe : Staatlicher Schutz vor digitalen Einbrüchen

Attacke: 99 Tage vergehen im Mittel, bis ein Cyber-Angriff entdeckt wird Bild: dpa

Wie man seine Wohnung vor Einbrechern schützen kann, so lassen sich auch Computer sichern, um Hacker abzuschrecken. Das ist für Betriebe wie Krankenhäuser und Energieversorger noch wichtiger als für Privatleute.

          Niemand kann sich vorstellen, dass ein Dieb sich 99 Tage in der Wohnung aufhält, in die er eingebrochen ist. Aber so lange dauert es im Durchschnitt, bis ein erfolgreicher Cyberangriff aufgeklärt und beendet wird. Indem hessische IT-Spezialisten solche Vorgänge miteinander vergleichen, veranschaulichen sie eine neue Form der Bedrohung. Man tut sich schwer, sie in all ihren Dimensionen nachzuvollziehen. Aber das klassische Gegenmittel bleibt dasselbe: die Prävention.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Wie man seine Wohnung vor Einbrechern schützen kann, so lassen sich auch Computer sichern, um Hacker abzuschrecken. Das ist für Betriebe wie Krankenhäuser und Energieversorger noch wichtiger als für einzelne Privatleute. Denn ein Anschlag auf kritische Infrastrukturen wiegt schwerer als ein geknacktes Girokonto. Dass die Landesregierung die Herausforderung annimmt, mutet wie eine Selbstverständlichkeit an.

          Computerstrafrecht nicht zeitgemäß?

          Tatsächlich aber werden in puncto Cybersicherheit zwischen Bund und Ländern erstaunliche Auseinandersetzungen geführt. So meint die hessische Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU), dass das geltende Computerstrafrecht längst nicht mehr zeitgemäß sei. Es betreffe nämlich nur das Ausspähen solcher Daten, die durch eine besondere Zugangssicherung geschützt seien, welche der Täter überwinden müsse.

          In Kühne-Hörmanns Beispiel gibt das Opfer in einem Zugabteil in sein Smartphone einen Pin-Code zur Entsperrung ein und wird dabei beobachtet. Der Täter merkt sich die Zahl und entsperrt das Gerät, das sein Besitzer in der Tasche seines Jacketts im Abteil zurücklässt, während er die Toilette aufsucht. Er liest private und auch geschäftliche Daten und betrachtet Fotos. Danach steckt der Täter das Smartphone zurück in die Jackentasche des Opfers.

          Im gegenwärtigen Strafrecht bleibt eine solche Tat ohne Folgen. Aber so wie die Gesellschaft sich vor Einbruchdiebstahl in der realen Welt schützt, muss sie sich auch gegen Angriffe im Internet wehren. Kühne-Hörmann und ihre Kollegen in den Ländern wollen daher den „digitalen Hausfriedensbruch“ mit hohen Haftstrafen bedroht sehen. Die sozialdemokratische Bundesjustizministerin Katarina Barley aber hat sich jahrelang dagegen gesperrt. Jetzt nimmt sich der Innenminister Horst Seehofer (CSU) der Sache an. Man muss ihm Erfolg wünschen.

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