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Stadt stellt Fuhrpark um : Wiesbadener E-Auto-Offensive und ein Armutszeugnis

  • -Aktualisiert am

Stromer: Der Wiesbadener Verkehrsdezernent Andreas Kowol rollert nicht nur elektrisch, sondern treibt auch die Umstellung des städtischen Fuhrparks voran Bild: Cornelia Sick

Die Landeshauptstadt Wiesbaden zeigt mit der Beschaffung der elektrisch angetriebenen Dienstwagen, dass sie ihren eigenen Luftreinhalteplan ernst nimmt. Doch welche Folgen für die Umwelt hat das eigentlich?

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          Die Gewinner sind Nissan und Renault. In die Taschen des japanischen und des französischen Autoherstellers fließt der Löwenanteil der zwei Millionen Euro, die Wiesbaden für eine erste Tranche elektrisch angetriebener Dienstwagen ausgegeben hat. Die weißlackierte Dienstwagenflotte, die vor dem Wiesbadener Rathaus präsentiert wurde, war insofern auch ein blechernes Armutszeugnis der deutschen Automobilindustrie.

          Die fast völlige Abwesenheit heimischer Autohersteller war am Dienstag derart augenfällig, dass Umweltdezernent Andreas Kowol auf eine scharfe Attacke auf die deutschen Automobilbauer verzichtete, wie er sie gemeinsam mit Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir vor wenigen Tagen bei der Eröffnung einer Wasserstofftankstelle für Busse noch vehement vorgetragen hatte. Al-Wazir ging sogar so weit, die Bestellung chinesischer Fahrzeuge nicht auszuschließen, um die heimische Industrie anzutreiben.

          Gewollte Umstellung kommunaler Fuhrparks

          Dass sich Wiesbaden von einem privaten Busunternehmen einen Wasserstoffbus ausleihen muss, um die millionenteure Tankstelle wenigstens hin und wieder nutzen zu können, zeigt die großen Schwierigkeiten bei der politisch gewollten Umstellung kommunaler Fuhrparks. Vom ersten elektrischen Müllauto ist Wiesbaden noch weit entfernt.

          Anders als bei den Batteriebussen, von denen Wiesbaden bis zum Jahresende 56 in Dienst stellen will, hatte der Bund bei den E-Dienstautos kein Veto gegen asiatische und französische Produkte eingelegt. Die Bedeutung für die mäßige Luftqualität in Wiesbaden ist allerdings vorrangig symbolischer Natur. Anders als bei den 280 Stadtbussen haben die Dienstwagen und Poolfahrzeuge der Ämter kaum Einfluss auf die Belastung mit Stickoxiden und mit Kohlendioxid.

          Die Landeshauptstadt Wiesbaden zeigt mit der Beschaffung der elektrisch angetriebenen Dienstwagen, dass sie ihren eigenen Luftreinhalteplan ernst nimmt und dass sie der Deutschen Umwelthilfe keinen Anlass geben will, die Klage wiederaufzunehmen. Der Oberbürgermeister will für seine Stadt zudem mit gutem Beispiel vorangehen, wenn es um den kommunalen Klimaschutz geht. Das ist löblich, auch wenn die Wirkungen überschaubar bleiben werden.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

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