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Verwahrlosung in Hanau : Frühzeitig hinschauen

Ein Viertel im Wandel: Häuser im Stadtgebiet Nordwest in Hanau Bild: Sandra Schildwächter

Hanau hat schon lange mit den Folgen von Immobilienspekulation zu kämpfen. Jetzt scheint der Nordwesten immer mehr zu verwahrlosen. Obwohl die Stadt nun interveniert, ist klar: Rückgängig gemacht werden kann nichts.

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          Was skrupellose Immobilienbesitzer anrichten können, damit hat Hanau Erfahrung. Viele Jahre lang wurde zugeschaut, als sich in der Daimlerstraße am Hauptbahnhof ein sozialer Brennpunkt entwickelte. Möglicherweise bis zu 1000 Frauen, Männer und Kinder, überwiegend aus Südosteuropa, wurden für hohe Mieten in die rund 100 Wohnungen zu erbärmlichen Bedingungen einquartiert. Kakerlaken, Ratten und anderes Ungeziefer waren nicht mehr zu bekämpfen. In und um die Häuser stapelte sich der Müll.

          Am Ende wusste niemand mehr, wie viele Menschen in den sogenannten Rumänenhäusern wohnten, denn auch die Kellerräume waren mit schäbigen Matratzenlagern belegt. Die Stadt oder das Kreisgesundheitsamt wollten oder konnten kaum intervenieren, Sozialarbeit wirkte wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Erst als ein privater Investor die Häuser erwarb, unter großem Aufwand die Müllberge entfernen ließ und die Wohnungen renovierte, hatte das Trauerspiel ein Ende.

          Zusehender Zerfall

          Wo die einstigen Bewohner geblieben sind, das ist nicht bekannt. Die meisten gingen wahrscheinlich zurück in ihre Heimatländer. Wie es in der Daimlerstraße so weit kommen konnte, würden bis heute viele Hanauer gerne wissen. Die Frage ist aktueller denn je. Denn ein ähnliches Szenario droht sich im Kinzigheimer Weg zu wiederholen. Die einst attraktive Siedlung mit rund 150 Wohnungen verfällt zusehends.

          Zwar hat die Stadt mit ihrem Vorkaufsrecht der jahrelangen Spekulation von windigen Investoren mit den Immobilien ein Ende gesetzt, doch jetzt blockiert ein Gerichtsprozess die Entwicklung des Wohngebiets. Einst war die Anlage im Besitz der städtischen Baugesellschaft, die sie wegen des hohen Sanierungsbedarfs verkaufte. Das war ein Fehler, zumal seinerzeit offenbar versäumt wurde, die Verträge „wasserdicht“ zu gestalten. Die Siedlung verfällt weiter.

          Jetzt ist das Wohngebiet am Fallbach im Hanauer Nordwesten an der Reihe. Die Stadt reagiert entschieden mit dem Erlass einer Vorkaufssatzung auf den Erwerb von Häusern durch mutmaßliche Spekulanten. Doch hoffentlich ist es nicht schon zu spät für das Viertel. Rückgängig gemacht werden kann nämlich nichts. Am Ende sind die Leidtragenden wieder die Menschen, seien es die Anwohner im Quartier Nordwest oder die Rumänen, die dort zu überteuerten Mietpreisen auf engem Raum leben und wahrscheinlich vergebens auf ein besseres Leben hoffen.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

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