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Strafzölle treffen Winzer : Riesling als Geisel

  • -Aktualisiert am

Trotz verteuerten Absatzmarktes: Der hessische Wein wächst munter weiter. Bild: dpa

Trumps Unmut über die deutsch-französische Airbus-Kooperation wird auf dem Rücken deutscher Winzer ausgetragen. Nun sollten diese vor allem auf den Heimatmarkt setzen.

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          Deutscher Riesling als Geisel im globalen Handelskonflikt zwischen Europa und den Vereinigten Staaten? Diese bedeutsame Rolle hätte dem international auf eine Nische beschränkten Wein heimatlicher Provenienz kaum jemand zugetraut. Doch Donald Trump schreckt trotz seiner Pfälzer Wurzeln bekanntlich vor nichts zurück. Auch nicht davor, den Durst seiner Landsleute auf Riesling und Burgunder von Rheingau, Pfalz, Mosel und den übrigen deutschen Weinregionen über Strafzölle gehörig zu dämpfen.

          Das fällt dem bekennenden Abstinenzler und seiner rigiden Administration vermutlich schon deshalb besonders leicht, weil sich über die höheren Weinpreise die vornehmlich demokratisch wählenden Eliten in den noblen Restaurants der großen Städte an der West- und der Ostküste sehr viel mehr ärgern werden als der biertrinkende Arbeiter im mittleren Westen. Die Auswahl der von Strafzöllen betroffenen Güter und Herkunftsländer ist aus europäischer Sicht so unlogisch wie inkonsequent. Dass in Amerika französische und deutsche Weine deutlich teurer werden sollen, österreichische und italienische aber nicht, lässt sich nur mit der üblichen Willkür erklären, die in vielen Fällen Trumps die bestimmende politische Leitlinie scheint. Trump zielt offenbar auf die Regierungen, die maßgeblich hinter den Subventionen für den Flugzeughersteller Airbus stehen, an denen die Welthandelsorganisation WTO Anstoß genommen hat.

          Nun darf Trump Strafzölle mit dem Segen der WTO auf Importe im Volumen von 7,5 Milliarden Dollar erheben. Sinnvoll ist das nicht. Auch Airbus-Konkurrent Boeing erhält aus Sicht der WTO illegale finanzielle Unterstützung. Über diese Praktiken wird erst 2020 entschieden. Dass danach womöglich der Import von Chardonnay aus Kalifornien und von Pinot Noir aus Oregon verteuert wird, kann ebenfalls niemand wollen.

          Jammern hilft freilich wenig, und der Ruf einiger Winzer nach dem Staat sollte ungehört bleiben. Wer seine „Werkstatt“ in der launischen Natur hat und beim Export ohnehin mit Währungsrisiken zu kämpfen hat, der sollte auch politische Unwägbarkeiten ins Kalkül ziehen. Schließlich sind Handelskonflikte, Strafzölle und Boykotte keine neue Erfahrung. Statt in fruchtlose Proteste sollten die deutschen Winzer noch mehr Energie in den Heimatmarkt stecken. Wäre der Wein-Patriotismus der Deutschen nur so ausgeprägt wie jener der Franzosen, dann würde im globalen Weinimportland Nummer eins die Erntemenge nicht reichen, den Weindurst zu stillen. Und Trump mit seiner Vorliebe für Cola light könnte den Winzern gestohlen bleiben.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

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