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Kommentar zu Offenbach : Es geht um bessere Luft

Innovation: Offenbach will die Luft in der Stadt nicht nur mit Pförtnerampeln verbessern, sondern auch mit E-Bussen Bild: Ricardo Wiesinger

Müssen Pförtnerampeln sein, um die Luft in einer Stadt zu verbessern? Offenbach sieht solche Ampeln vor, die IHK hält sie für ungeeignet. Und äußert gleich Zweifel am gesamten Luftreinhalteplan. Das scheint aber übertrieben.

          Man kann vielleicht darüber streiten, ob Pförtnerampeln, wie sie nun der Offenbacher Magistrat als eine von vielen Vorhaben beschlossen hat, ein zwingend notwendiges Instrument sind, wenn es darum geht, die Luft an Hauptverkehrsstraßen in Offenbach zu verbessern. Deswegen aber gleich grundsätzliche Skepsis gegenüber der gesamten Luftreinhalteplanung der Stadt zu äußern, wie es die Industrie- und Handelskammer nun tut, erscheint jedoch übertrieben.

          Im Offenbacher Masterplan Stickoxide, der sicherstellen soll, dass das festgelegte Jahresmittel von 40 Mikrogramm je Kubikmeter Luft nicht mehr überschritten wird, sind diese Pförtnerampeln, die im Bedarfsfall den Verkehr nurmehr dosiert in die Innenstadt lassen sollen, nur eine Notfalloption, um Fahrverbote abzuwenden. Das hebt der Offenbacher Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß in diesem Zusammenhang immer ausdrücklich hervor.

          Etliche Vorhaben vorgeschaltet

          Und man darf dem Freidemokraten Weiß abnehmen, dass er die Installation eines solchen Instruments nicht aus dem Grund mitträgt, weil es ihm Freude bereitet, die regionale Wirtschaft ordentlich zu kujonieren. Die Pförtnerampeln sind nur Ultima Ratio, und sie sind nur ein vergleichsweise kleiner Teil eines ganzen Pakets von Vorhaben.

          Man darf dabei nicht übersehen, dass einer möglichen Anwendung etliche Vorhaben vorgeschaltet sind, etwa die „Verflüssigung“ des Verkehrs durch grüne Wellen, eine ständig aktualisierte Routenempfehlung und ein optimiertes Parkleitsystem, nicht zu vergessen das Durchfahrtsverbot für Lastwagen, die die Offenbacher Innenstadt nur als Transitstrecke nutzen.

          Das Gesamtpaket müsste eigentlich auch für die Kammer tragbar sein. Ihre Argumentation, dass es womöglich überhaupt keine Fahrverbote geben könnte und man deshalb bei Investitionen in dieser Sache zurückhaltender sein sollte, muss erstaunen. Denn es geht nicht primär darum, irgendwelche Fahrverbote zu vermeiden, sondern es geht darum, die Qualität der Atemluft in den Städten auch an den neuralgischen Punkten zu verbessern.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

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