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Neuer Wiesbadener Stadtteil : Hubschrauber als Risiko

  • -Aktualisiert am

Pläne konkretisiert: Hier soll das künftige Wiesbadener Stadtquartier namens Ostfeld entstehen. Bild: Cornelia Sick

Der Bau des neuen Wiesbadener Stadtteils ist ein kühner Wurf der Stadt. Wiesbaden nimmt jedoch politischen und juristischen Ärger in Kauf, um in Zukunft bezahlbaren Wohnraum schaffen zu können.

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          Auch wenn in diesem Land selbst von der Kanzlerin – und völlig zu Recht – die überlangen Planungs- und Genehmigungszeiträume kritisiert werden: Beim geplanten Wiesbadener Stadtteil Ostfeld darf es nicht auf einige Wochen mehr oder weniger ankommen, um zu einer tragfähigen Entscheidung zu kommen. Denn diese wird weitreichende Konsequenzen für die Landeshauptstadt haben. „Bauen, bauen, bauen“, das sind die drei Strategien im Land, um das ungebrochene Wachstum der großen Städte bewältigen zu können.

          Wer nach bezahlbarem Wohnraum für breite Schichten der Stadtbevölkerung ruft, der kann nicht gleichzeitig gegen eine Versiegelung des Bodens zu Felde ziehen und allein den lokalen Klimaschutz zum Maßstab seines politischen Handelns ausrufen. Das Ostfeld ist ein kühner politischer Wurf, für den Wiesbaden wegen der absehbaren Enteignung von Grundbesitzern bereit ist, einigen politischen und juristischen Ärger in Kauf zu nehmen. Dass das Vorhaben bei Bauern, Grundeigentümern und Anwohnern heftigen Widerstand auslösen würde, ist keine Überraschung. Kommunalpolitiker und Verwaltung müssen solchen Gegenwind aber aushalten können.

          Die Standortwahl erweist sich wegen der Nähe zum amerikanischen Militärflughafen gleichwohl zunehmend als Belastung – und vielleicht sogar als Sollbruchstelle. Die amerikanischen Streitkräfte wollen ihren Erbenheimer Flugplatz stärken und dort die Zahl ihrer Kampfhubschrauber verdoppeln. Wenn der Flughafen grundlegend erweitert wird, gelten womöglich strengere Lärmschutzgrenzen. Und das, obwohl das künftige Ostfeld teilweise schon jetzt einigen Fluglärm aushalten muss.

          In jedem Fall erscheint es notwendig, ein umfassendes Lärmgutachten vorzulegen, das auch die Pläne der Amerikaner einbezieht. Auf eine Unterscheidung zwischen militärischem und zivilem Fluglärm, wie es das Fluglärmgesetz ermöglicht, sollte sich Wiesbaden gar nicht erst einlassen. Schließlich geht es um einen ökologisch-mustergültigen Stadtteil, dessen Bürger sich dort wohl fühlen sollen. Eine lärmbelastete, vom ÖPNV abgehängte Trabantenstadt, die Anlass zu wiederkehrenden Konflikten gibt, kann nicht im Sinne Wiesbadens sein. Diese Gefahr muss eine sorgsame, vorausschauende Stadtplanung in jedem Fall zu verhindern wissen.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

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