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Zum Strecken-Verbot im Taunus : Auszeit zum Nachdenken für Biker und Politiker

Riskant: Waghalsige Manöver in der sogenannten Applauskurve Oberursel und dem Sandplacken Bild: Michael Kretzer

Mit der versuchsweisen Sperrung von Hochtaunus-Strecken für zweimal neun Tage werden alle Motorradfahrer für die Sünden weniger Biker bestraft. Eine dauerhafte Sperrung kann nicht im Interesse des Hochtaunuskreises sein.

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          Gerüttelt, tempobeschränkt, herausgewinkt und kontrolliert: Über Mangel an Aufmerksamkeit haben sich Motorradfahrer auf den Strecken im Taunus in den vergangenen Jahren nicht beklagen können. Vor allem die Kanonenstraße mit ihrem kurvenreichen Anstieg hinter der Oberurseler Hohemark bis zum Sandplacken hat es Zweiradfreunden angetan. Den Reiz macht allerdings auch eine fahrerische Herausforderung aus, die nicht jeder meistert.

          Weil er in unmittelbarer Nähe einer Großstadt liegt, ist der Taunus für Bergtouren besonders beliebt. Nicht nur Motorradfahrer, auch unzählige Radfahrer schrauben sich nach Büroschluss und erst recht an den Wochenenden nach oben und sausen anschließend hinunter. Autofahrer und querende Wanderer hinzugenommen, entsteht eine gefährliche Konstellation. Wer hier stolz im Internet dokumentiert, wie er mit 200 Stundenkilometern auf der mit Tempo 80 ausgeschilderten Strecke unterwegs war, nimmt schwerste Unfälle billigend in Kauf.

          Ohne Motorräder keine Motorradunfälle

          Es stimmt schon: Mit der versuchsweisen Sperrung für zweimal neun Tage werden alle Motorradfahrer für die Sünden weniger Biker bestraft. Aber das ist bei bengalischen Leuchtfackeln im Fußballstadion nicht anders, wie der Schmittener Bürgermeister Marcus Kinkel (parteilos) richtig angemerkt hat. Für die betreffenden Straßen steht das Ergebnis fest: ohne Motorräder keine Motorradunfälle. Die Frage ist höchstens, wie viel Verkehr sich auf die Alternativrouten verlagert.

          Eine dauerhafte Sperrung der aus Motorradfahrersicht schönsten Strecke kann nicht im Interesse des Hochtaunuskreises sein. Sie beginnt gleich hinter dem Taunus-Informationszentrum, wo die Mitarbeiter der Taunus-Touristik um Gäste werben. Aber die Verantwortlichen können auch nicht tatenlos zusehen, wie es regelmäßig zu schweren Unfällen kommt. Der Verkehrsversuch ist ein Eingeständnis, dass Rasern mit extra lautem Auspuff anders nicht beizukommen ist, weil sich Kontrollen im Smartphone-Zeitalter blitzschnell herumsprechen und wirkungslos werden. Im besten Fall wird die Sperrung als Warnung verstanden, wozu die Regellosigkeit einiger weniger dauerhaft führen kann.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

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