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Zu Fahrrad-Klimatest des ADFC : Radler mit Ansprüchen

Zwiespältig: Wiesbaden gilt nicht als fahrradfreundlich, aber gleichzeitig als „Aufholstadt“ in Sachen Radverkehr Bild: Frank Röth

Auch wenn der Fahrrad-Klimatest des ADFC nur subjektive Befindlichkeiten der Radler abbildet, sollten Kommunalpolitiker ihn nicht einfach abtun. Denn die Befragten weisen durchaus auf Probleme hin, die es objektiv gibt.

          Wiesbaden hat die rote Laterne an Bad Homburg abgegeben. Trotzdem ist der zweitletzte Platz unter den hessischen Städten beim ADFC-Fahrrad-Klimatest kein Ruhmesblatt für die Landeshauptstadt. Paradoxerweise ist Wiesbaden gleichzeitig bundesweit die beste „Aufholerstadt“ unter den Städten zwischen 200.000 und 500.000 Einwohnern, denn es hat seine Gesamtnote gegenüber 2016 um 0,19 Notenpunkte verbessert.

          Man darf freilich aus dem Klimatest nicht zu viel herauslesen. Beurteilt wurden die Kommunen nämlich nicht nach objektiven Kriterien wie Ausbau der Radwege um soundso viele Kilometer, der Zahl der Radunfälle oder dem Anteil der Radler am gesamten Verkehrsaufkommen einer Stadt. Vielmehr bewerteten die 170.000 Teilnehmer, in ihrer überwiegenden Zahl vermutlich geübte Radfahrer, die Verhältnisse in ihrer Stadt ganz subjektiv.

          „Wollen stärker beachtet werden“

          Die Noten für Frankfurt etwa haben sich verschlechtert, wiewohl die Mainmetropole in den vergangenen zwei Jahren ihr Radnetz weiter ausgebaut und etwa die Beschilderung vorangetrieben hat. Man kann aus dem Test deshalb herauslesen, dass mit der gewachsenen Bedeutung des Radverkehrs auch die Ansprüche der Radfahrer an die Sicherheit und die Infrastruktur gewachsen sind. Ihre Botschaft an die Kommunen lautet denn auch: „Wir wollen in der Verkehrspolitik stärker beachtet werden und fordern eine bessere Aufteilung der Verkehrswege zugunsten der Radler.“

          Auch wenn der Klimatest nur subjektive Befindlichkeiten der Radler abbildet, sollten die Kommunalpolitiker ihn nicht einfach abtun. Denn die Befragten weisen durchaus auf Probleme hin, die es objektiv gibt. Zum Beispiel auf die häufig von Paketfahrern und Lieferanten zugeparkten Radwege in den größeren Städten. Oder auf die Gefahren, die Radlern drohen, wenn sie von Autofahrern überholt werden.

          Die Initiativen für einen Radentscheid in Darmstadt, Kassel und Frankfurt, mögen sie auch aus rechtlichen Gründen gescheitert sein, zeigen deutlich, dass viele Bürger einen besseren und vor allem einen sichereren Radverkehr wünschen. Jetzt möchte der ADFC ein Volksbegehren für besseren Radverkehr in Hessen auf den Weg bringen. Man darf ihm durchaus zutrauen, die etwa 90 000 Unterschriften von Wahlberechtigten dafür zusammenzubringen.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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