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Energiewende und Landschaft : Ästhetische Relevanz der Heimatliebe

  • -Aktualisiert am

Für die einen verspargeln sie die Landschaft, andere mögen sie: Windräder Bild: Wolfgang Eilmes

Die Aussage einer Studie ist für Regionalpolitiker nicht schmeichelhaft: Die Schönheit einer Landschaft wird bisher bei der Planung und Zulassung von Energieanlagen nicht hinreichend berücksichtigt.

          Auf die Mitglieder der Regionalversammlung Südhessen kommt Arbeit zu. Sie werden sich Ende des Jahres nicht nur mit den 25 000 Einwendungen zum „Teilplan Erneuerbare Energie“ befassen müssen, mit dem die Vorranggebiete für den Bau von Windrädern festgeschrieben werden sollen. Bis zur abschließenden Beschlussfassung im Dezember wäre ihnen auch anzuraten, die gut 500 Seiten starke Studie „Landschaftsbild und Energiewende“ zu studieren. Diese Untersuchung der Technischen Universität Dresden führt Politikern und Planern ein großes Defizit der Energiewende vor Augen.

          Der Befund ist alles andere als schmeichelhaft. Die Schönheit einer Landschaft wird bisher, so sagt es die Leiterin des Forscherteams, bei der Planung und Zulassung von Energieanlagen nicht hinreichend berücksichtigt. Es existiert bis heute nicht einmal eine einheitliche Bewertungsmethode, um den ästhetischen Wert zum Beispiel einer Mittelgebirgslandschaft zu ermitteln, auf deren Hügeln Energieversorger Windräder installieren wollen. Zwar zerbrechen sich darüber kluge Köpfe schon seit einem halben Jahrhundert die Köpfe. Aber anders als in anderen europäischen Ländern hat sich kein verbindliches Verfahren etabliert. Es wird, wenn überhaupt, mit den unterschiedlichsten Methoden laboriert.

          Die Folgen für die politische Kommunikation sind erheblich und lassen sich nicht nur an den vielen Einwendungen, sondern auch an der Zahl der örtlichen Bürgerinitiativen ablesen. Die sind meist gespeist von einer Heimatverbundenheit, mit der sich Politiker schwertun. Deshalb führt diese so wichtige emotionale Bindung auf Bürgerversammlungen schnell zu Konfrontationen. Die sich leider selten auflösen lassen, weil die wortreich vorgetragene Kritik am störenden Windpark vor der eigenen Haustüre für Bürgermeister nur subjektive Befindlichkeiten darstellt, die in Planungsprozessen keine Relevanz haben (dürfen).

          Das aber, so sagt es jetzt die TU Dresden, ist falsch und politisch töricht. „Lokales Landschaftswissen“ identifizieren die Wissenschaftler als ein Element lokaler Identität und eines gesunden Heimatgefühls, das fachlich gefördert und nicht disqualifiziert werden sollte. Ihre Studie enthält zahlreiche Vorschläge, wie das geschehen kann. Es sind Anregungen, die gerade noch zur rechten Zeit auf den Tisch der Regionalversammlung kommen.

          Rainer Hein

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Darmstadt.

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