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Bibelturm-Kommentar : Krachend gescheitert

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So und nicht anders wird es nicht kommen: Modell des Bibelturms (links) gegenüber dem Dom zu Mainz. Bild: Stadt Mainz / DFZ Archirtekten

Die ebenso falsche wie zu einfache Formel „Bibelturm oder Marktfrühstück?“ hat ihre Wirkung nicht verfehlt. Warum das Mainzer Bauprojekt aber derart abgestürzt ist, sollte man im Rathaus aber schon noch genauer erforschen.

          Das ist ja mal ein Wort: Nein! Das haben die Mainzer zu den seit Wochen diskutierten und inzwischen ja auch schon weit vorangetriebenen Bibelturm-Plänen gesagt. Und das nicht etwa mit einem relativierenden Wenn und Aber. Das als Erweiterungsbau für das in die Jahre gekommene Gutenberg-Museum gedachte Fünf-Millionen-Euro-Projekt ist gestern, weil fast 50.000 Mainzer dagegen gestimmt haben, wie ein Kartenhaus in sich zusammengefallen.

          Es sollte, auch wenn es rechtlich nach einer Frist von drei Jahren möglich wäre, nun nicht noch einmal hervorgeholt werden. Vielmehr braucht es gänzlich neue Ideen, Entwürfe und Konzepte für das marode Weltmuseum der Druckkunst. Und bitte schön, beim nächsten Anlauf sollte das Vorhaben, das Gutenberg-Museum fit für die Zukunft zu machen, von Anfang an komplett durchdacht und durchfinanziert sein.

          Kategorie „überreagiert“

          Darüber, wer den Ausgang des ersten Mainzer Bürgerentscheids am Ende wie beeinflusst hat, wird in den nächsten Tagen noch ausgiebig gestritten werden. Rücktrittsforderungen, etwa an die Adresse des Oberbürgermeisters Michael Ebling (SPD), dürften zwar in die Kategorie „überreagiert“ gehören, warum das Turmbauprojekt derart krachend gescheitert ist, sollte man im Mainzer Rathaus jedoch schon noch genauer erforschen.

          Die ebenso falsche wie viel zu einfache Formel „Bibelturm oder Marktfrühstück?“ hat offensichtlich ihre Wirkung nicht verfehlt. Kaum vorstellbar also, dass man wegen ein paar mehr als 500 Jahre alter Bücher, die im gut 20 Meter hohen Ausstellungsturm künftig adäquat präsentiert werden sollten, den ach so beliebten Weinstand auf dem Liebfrauenplatz auch nur einige Meter verrücken könnte. Zu den negativen Begleiterscheinungen des Straßenwahlkampfs, für die beide Seiten gleichermaßen verantwortlich waren, gehörten leider Beleidigungen und Verletzungen, weil die Bürgerinitiativen, stadtbekannte Selbstdarsteller, Polterer und Krakeeler angezogen haben.

          Positiv war dagegen, dass sich in den vergangenen Wochen tatsächlich immer mehr Bürger dafür interessierten, wie es mit dem dringend zu modernisierenden Weltmuseum der Druckkunst denn weitergehen könnte. Diese Diskussion kann, nein, sie muss in den nächsten Monaten intensiv fortgesetzt werden.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz und für den Kreis Groß-Gerau.

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