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Aus für Karstadt in Mainz : Kein Grund zum Weinen

  • -Aktualisiert am

Abschied: Das Karstadt-Kaufhaus ist am 16. Oktober 2020 geschlossen worden. Bild: Markus Schug

Den gekündigten 60 Mitarbeitern von Karstadt in Mainz hilft es nichts, falls dort schon in drei Jahren die ersten neuen Läden und Restaurants eröffnen. Die Mainzer dürfen sich fürs Erste jedoch darüber freuen, dass in ihrer City keine Bauruine stehen wird.

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          Den letzten Wunsch der Beschäftigten haben die Kunden erfüllt. Die Schließung der Mainzer Karstadt-Filiale und die damit einhergehende Leerung aller Regale war für die Betroffenen zwar eine trostlose und traurige Angelegenheit. Alles in allem ging die Sache aber doch mit Respekt und der gebotenen Zurückhaltung, in Würde und ohne Panikkäufe, über die Bühne. Ganz am Ende schauten dann immer öfter Bürger im einstigen Hertie- und späteren Karstadt-Haus vorbei, um sich von einem Ort zu verabschieden, der über fast sechs Jahrzehnte hinweg seinen festen Platz in der Mainzer Innenstadt hatte.

          Den von der Kündigung betroffenen 60 Mitarbeitern hilft es nichts, dass nach einer grundlegenden Umstrukturierung des Areals womöglich schon in drei Jahren die ersten neuen Läden und Restaurants an der kurz „Lu“ genannten Einkaufsstraße eröffnen werden. Denn sie müssen sich jetzt, mitten in der Corona-Krise, nach einer anderen Stelle umsehen. Wichtig und richtig wäre es deshalb, wenn sie möglichst lange in der eigens für die Umbruchzeit gegründeten Transfergesellschaft bleiben könnten. Und Unternehmen, die demnächst Personal suchen, sollten sich vielleicht auch einmal für jene Älteren entscheiden, die sich an ihrem bisherigen Arbeitsplatz tatsächlich bis zum allerletzten Tag als loyal und verlässlich erwiesen haben.

          Ein gutes Händchen wünschen

          Für die Kunden gilt dagegen, dass jedem Abschied immer auch ein neuer Anfang innewohnt. Dem maroden Kaufhaus mit seinem bis heute fast unverändert erhaltenen Sechziger-Jahre-Charme muss man keine Träne nachweinen. Baulich kann es nur besser werden. Und die vom neuen Eigentümer, der Boulevard Lu GmbH, vorgesehene Mischung aus Kultur, Gastronomie, Hotel und Einkaufen scheint deutlich besser in eine vom Online-Handel dominierte Einkaufswelt zu passen als das bisherige Kaufhaus-Konzept. Selbst wenn man unterstellt, dass es bei der Umsetzung der Pläne bestimmt noch etliche Diskussionen geben wird und am Ende vermutlich auch nicht jedes Detail gelungen sein wird.

          Fürs Erste dürfen sich die Mainzer jedoch darüber freuen, dass in ihrer City keine Bauruine stehen wird, weil das Haus für rund eineinhalb Jahre als Experimentierfeld für Künstler, Gastronomen und Händler genutzt werden darf und soll. Der Initiative „Lulu“ ist ein gutes Händchen zu wünschen. Denn ein schwierigerer Starttermin als mitten in der „zweiten Corona-Welle“ hätte sich für ihr Kreativprojekt kaum finden lassen.

          Markus Schug

          Korrespondent Rhein-Main-Süd.

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