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Kommentar : Rhein-Main Zukunftsnebel

Dass letztlich keiner der Vorschläge aus Darmstadt, Frankfurt und Mainz als Modelle für „Eliteuniversitäten“ die Jury überzeugt hat, mag unterschiedliche Gründe haben. Allen Entwürfen gemein war aber eine gewisse Nebulosität, die den Außenstehenden ratlos zurückließ. Ein Kommentar von Sascha Zoske.

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          Der erste Eindruck ist der stärkste - auch professionelle Gutachter sind nicht immer immun gegen seine Macht. Vielleicht wäre das Zukunftskonzept, das die Technische Universität Darmstadt zum Exzellenzwettbewerb eingereicht hat, in die engere Wahl gekommen, hätte es nicht diese groteske Überschrift getragen: „Researcher friendly University“ - forscherfreundliche Universität. Von der sprachlichen Freveltat einmal abgesehen, muss sich jeder Juror, der die Antragsskizze in die Hand bekommen hat, sogleich gefragt haben, ob die TU bis dato eine forscherunfreundliche Hochschule war.

          Sascha Zoske
          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dass letztlich keiner der Vorschläge aus Darmstadt, Frankfurt und Mainz für die dritte Förderlinie - vulgo Modelle für „Eliteuniversitäten“ - die Jury überzeugt hat, mag ganz unterschiedliche Gründe haben. Allen Entwürfen gemein war aber eine gewisse Nebulosität, die den Außenstehenden ratlos zurückließ. Was mag sich hinter der Idee von einem „Gutenberg Research College“ verborgen haben?

          Erstklassige Wissenschaft in Rhein-Main

          Eine Zusammenfassung der Anträge, die von der Mainzer Universität eingereicht worden waren, schweigt sich darüber aus. Woraus bestand das Zukunftskonzept der Uni Frankfurt, das irgendwie einen Zusammenhang zum Hundert-Jahre-Jubiläum der Hochschule herstellen sollte? In der Pressemitteilung, die das Uni-Präsidium herausgab, taucht nicht einmal sein Titel auf.

          Umso umfangreicher sind dafür die Erläuterungen zu den Graduiertenschulen und „Exzellenzclustern“, für die die ausgewählten Hochschulen nun um Geld werben dürfen. Mit gutem Grund: Hier geht es um Projekte, die auf bereits erbrachten Leistungen aufbauen. Erstklassige Wissenschaft, wie sie das Milliardenprogramm des Bundes und der Länder honorieren soll, hat immer eine - mitunter jahrzehntelange - Vorgeschichte. Die Endresultate der ersten und das Zwischenergebnis der zweiten Wettbewerbsrunde zeigen, dass es solche Traditionen an den Universitäten des Rhein-Main-Gebietes gibt. Auch an der TU, die nach ihrem Scheitern in Durchgang eins nun immerhin mit drei Graduiertenschulen und einem „Exzellenzcluster“ weitergekommen ist. Allzu forscherunfreundlich kann es in Darmstadt also nicht zugehen.

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