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Kommentar : Heiliger Ernst

Mit den Spielereien ist endgültig Schluss. Zynische Kommentare der Kunst sind unerwünscht. Seltsam ironiefrei und witzresistent mutet diese „documenta“ an. Und wie ein einziger großer Workshop.

          Mit den Spielereien ist endgültig Schluss. Zynische Kommentare der Kunst sind unerwünscht. Seltsam ironiefrei und witzresistent mutet diese „documenta“ an. Und wie ein einziger großer Workshop. Die Stimmung ähnelt jener auf Kirchentagen. Der „Aue-Pavillon“, wohin sich der Mittelpunkt der „documenta“ bei dieser Ausgabe der Weltkunstschau verlagert hat, ist eine Art Kommunikationsbörse.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Mitten im Grünen wird diskutiert, kann man eine Kunst studieren, die nicht so sehr Behauptungen aufstellt als Materialien liefert. Zum Verhältnis zwischen Kunst und Natur, zwischen der Welt des Nordens und der des Südens, zwischen Gesundheit und Krankheit. Eine offene Situation. Mit vielen Sitzgelegenheiten. Die „Neue Galerie“ dagegen ist der Ort eines heiligen Ernstes, abgedunkelt, mit lauter Andachtsnischen. Wobei die Religion immer Kunst heißt.

          Leicht macht es diese „documenta“ niemandem, es gibt viel zu denken. Alles hängt, wird suggeriert, mit allem zusammen. Nicht nur scheint man uns sagen zu wollen, dass diese Welt eine einzige ist und wir mit jedem Erdteil mehr zu tun haben, als unsere Provinzperspektive oft vermuten lässt. Sondern wir sollen wohl auch begreifen, dass die Kunstwelt mittlerweile ein globales Phänomen und die West-Kunst, die seit den frühen Avantgarde-Bewegungen zu Beginn des vorigen Jahrhunderts die Märkte dominiert hat, nur noch von marginaler Bedeutung ist. Zumindest in hochsubventionierten Ausstellungen.

          In den achtziger und neunziger Jahren war der Vorwurf schnell zur Hand, die „documenta“ verkomme zur Unterhaltung, es gehe nur um den Knalleffekt, das Spektakuläre stehe im Vordergrund. Catherine David dagegen wurde 1997 vorgehalten, eine viel zu spröde Veranstaltung auf die Beine gestellt zu haben. Und auch Okwui Enwezors „documenta 11“ vor fünf Jahren hob für manche Kritiker zu stark auf politische, soziale, künstlerische Theorien ab.

          Beide betrieben die Öffnung für außereuropäische und außeramerikanische Kunst mit Nachdruck. Roger M. Buergel und seine Mitstreiter haben sie vollendet. Und sich der Formlosigkeit verschrieben. Anders könne man eine so große Ausstellung wie die „documenta“ nicht machen, sagte deren Leiter im Vorfeld immer wieder. Das hätte ihn jedoch nicht daran hindern müssen, aus lauter Furcht vor einer Leitkultur-Debatte auf klare Formen und deutliche ästhetische Positionen so gut wie ganz zu verzichten.

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