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Kollekte in den Kirchen : So schlecht ist Corona für den Klingelbeutel

  • -Aktualisiert am

Ebbe im Klingelbeutel: Corona hat viele Kollekten ausfallen lassen. Bild: dpa

Evangelische und katholische Gemeinden in Hessen sammeln in der Pandemie weniger Geld. Darunter leiden vor allem alle wohltätigen Einrichtungen, die bisher von der Großzügigkeit der Gottesdienstbesucher profitierten.

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          Das Diakonische Werk Hessen hofft auf den 22. November. An diesem Datum, dem Ewigkeitssonntag, gehen besonders viele evangelische Christen zum Gottesdienst. Also landet auch mehr Geld als sonst in der Kollekte. Bisher konnte das Diakonische Werk an diesem Tag für die Arbeit der Stiftung Diadem, die sich um Demenzkranke kümmert, regelmäßig mit rund 200.000 Euro rechnen. Diese Summe wird im Corona-Jahr 2020 höchstwahrscheinlich nicht erreicht werden. Auch bei den anderen Kollekten, die dem Diakonischen Werk zugutekommen, etwa für die medizinische Arbeit der Tafeln und die Betreuung Obdachloser, ist mit Ausfall zu rechnen. Das gilt für fast alle Gottesdienste seit dem Lockdown Mitte März. Und für alle wohltätigen Einrichtungen, die bisher von der Großzügigkeit der Gottesdienstbesucher profitierten.

          In der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau ist das Erheben von Kollekten mit deutscher Gründlichkeit geregelt. Es gibt drei Arten von Kollekten: verbindliche, empfohlene („vorrangige“) und freigestellte. Die verbindlichen werden für zwei Jahre festgelegt, und zwar vom obersten Beschlussgremium der Landeskirche, der Synode, dem Kirchenparlament. Eine Unterart der verbindlichen Sammlung ist die „Wahlpflichtkollekte“. Hier hat der Kirchenvorstand die Möglichkeit, eines von zwei festgelegten Zielen zu unterstützen. So etwa am 23. August, als das Geld aus dem Klingelbeutel entweder dem Frankfurter Diakonissenhaus oder der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler zugutekam.

          Der Kollektenplan 2020 sieht eine breite Fülle kirchlicher Sonderaufgaben vor. Gefördert werden keine rein regionalen Projekte und auch keine Aufgaben, die von der evangelischen Landeskirche sowieso unterstützt werden. Die acht Pflichtkollekten dienen so unterschiedlichen Zwecken wie den Jugendmigrationsdiensten, der christlich-jüdischen Zusammenarbeit, der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, der Kirchenmusik, der Weltmission, der Arbeit des Ökumenischen Rats der Kirchen – und zweimal im Jahr der Aktion „Brot für die Welt“, beim Erntedankfest im Oktober und am Heiligen Abend. Vor allem am 24. Dezember kommen aus allen rund 11.000 Gemeinden der nassauischen Landeskirche schon einmal 200.000 Euro zusammen.

          Deutlich mehr scheine knistern

          Die durchschnittlichen Einnahmen, die im Klingelbeutel landen, der durch die Bankreihen gereicht wird, oder im Korb, den die Kirchenvorsteher am Ausgang den Gottesdienstbesuchern hinhalten, ist in Nicht-Corona-Zeiten nicht vorhersehbar. Er schwankt je Sonntag meist zwischen 50.000 und 120.000 Euro. Auch regionale Einkommensverhältnisse spielen eine Rolle. In einem Konfirmations-Gottesdienst in einer Gemeinde in Kronberg und Königstein im Taunus können deutlich mehr Scheine knistern als an einem Novembersonntag in Kleingladenbach im Landkreis Marburg-Biedenkopf.

          Längst hat die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau bemerkt, dass die Gnade der früh im Jahr einem bestimmten Zweck gewidmeten Kollekte 2020 zu Ungerechtigkeiten führt: Während in den ersten zweieinhalb Monaten die Einnahmen noch regulär verbucht werden konnten und beispielsweise Bibelwerk und Jugendmigrationsdienste noch profitierten, kamen nach dem vorübergehenden Aus für öffentliche Gottesdienste weder die Trauerseelsorge noch das Posaunenwerk in den Genuss des Geldes.

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