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Atomkraft : Koch denkt über neue Kernkraftwerke nach

  • -Aktualisiert am

Raus aus der Atomkraft? Roland Koch würde Biblis gerne am Netz lassen Bild: dpa

Roland Koch hat den Ausstieg aus der Atomenergie in Frage gestellt. Er könne sich auch den Bau eines neuen Kraftwerks in Hessen vorstellen. Doch wo es errichtet werden sollen, sagte der Ministerpräsident nicht.

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          Mit seiner Forderung, den Bau neuer Kernkraftwerke in Deutschland vom Jahr 2010 an zu prüfen, hat Ministerpräsident Roland Koch (CDU) eine Diskussion über den Standort eines weiteren Atommeilers in Hessen ausgelöst. Die Grünen im Landtag forderten den Regierungschef auf, seine Vorstellungen zu präzisieren.

          Ralf Euler
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Wenn Roland Koch neue Atomkraftwerke haben will, soll er sagen, wo diese gebaut werden sollen“, äußerte der Fraktionsvorsitzende Tarek Al-Wazir. „Wir werden ihm nicht durchgehen lassen, dass er ständig den Gesundbeter der Atomkraft gibt, aber kneift, wenn es konkret wird.“ Koch hatte in einem Interview mit der Zeitung „Bild am Sonntag“ abermals den geplanten Ausstieg aus der Atomenergie in Frage gestellt und für „Anfang des nächsten Jahrzehnts“ eine Entscheidung über den Bau neuer Kernkraftanlagen verlangt.

          Entscheidung „Anfang des nächsten Jahrzehnts“

          Der hohe Sicherheitsstandard deutscher Kraftwerke – auch desjenigen im südhessischen Biblis – macht es nach Ansicht des Regierungschefs möglich, die derzeit betriebenen Atommeiler „noch eine ganze Weile“ am Netz zu lassen. Wenn jedoch Japan, Russland, China, Großbritannien und andere über neue Projekte nachdächten, dürfe Deutschland bei diesem Thema nicht zum „Geisterfahrer auf der Autobahn“ werden.

          Knapp sieben Monate vor der Landtagswahl und angesichts der Tatsache, dass laut Umfragen knapp zwei Drittel der Deutschen den Ausstieg aus der Nuklearenergie befürworten, erwartet Al-Wazir natürlich nicht ernsthaft eine Antwort auf seine Frage nach einem vorstellbaren Kraftwerksstandort. Regierungssprecher Dirk Metz (CDU) reagierte auf das Ansinnen des Grünen-Politikers denn auch lapidar mit dem Hinweis auf die Äußerung Kochs vom Wochenende:

          Eine solche Entscheidung stehe „erst Anfang des nächsten Jahrzehnts“ an. Mehr gebe es derzeit nicht zu sagen. Auch die umweltpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Elisabeth Apel, hielt sich wohlweislich bedeckt. Sie wies jedoch darauf hin, dass die anspruchsvollen Klimaschutzziele der Bundesregierung „nur im Energiemix mit der Kernenergie“ zu erreichen seien.

          Steilvorlage für den Wahlkampf

          Mit seinem Bekenntnis zur Atomenergie hat Koch der rot-grünen Opposition im Landtag eine Steilvorlage für den Wahlkampf gegeben. Die Grünen, so Al-Wazir, hätten mit ihrem Energiekonzept gezeigt, wie die Stromerzeugung in Hessen bis zum Jahr 2028 durch Einsparungen, Effizienzsteigerung und erneuerbare Energien unabhängig von der „Hochrisikotechnologie“ Atomkraft und fossilen Brennstoffen werden könne. Die jüngsten Einlassungen des Ministerpräsidenten machten klar, „dass Grün an morgen denkt, Roland Koch aber noch nicht einmal im Heute angekommen ist“.

          Die Sozialdemokraten im Landtag reagierten auf das Interview des Regierungschefs mit einer Einladung zu einer Pressekonferenz. Am Mittwoch wollen SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti und der in ihrem „Zukunftsteam“ als Wirtschafts- und Umweltminister vorgesehene Hermann Scheer über „Klima- und Wirtschaftsrisiken der Atomenergie“ informieren.

          Kochs Gedankenspiele, so heißt es bei Sozialdemokraten wie Grünen, kämen angesichts des gerade beginnenden Landtagswahlkampfs wie gerufen. Die Frage „Wo in Hessen soll ein neues Atomkraftwerk denn gebaut werden?“ wird dem Ministerpräsidenten und der CDU in den nächsten Monaten garantiert noch öfter entgegenschallen.

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