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Kloster Himmelthal : Der Zweck wird der jeweiligen Zeit angepasst

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Lernen unter freiem Himmel: Im Kloster Himmelthal absolvieren junge Leute auch Ausbildungen in vier handwerklichen Berufen Bild: Cornelia Sick

Der Gymnasiumsfonds wurde schon 1620 von Kurfürst und Erzbischof Johannes Schweikhardt von Kronberg zur Unterrichtung der Jugend in und um Aschaffenburg gestiftet. Heute gehört ihm das Kloster Himmelthal mit Berufsbildungsstätte und heilpädagogischem Angebot.

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          Hohe Stuckdecken, prachtvolle Wandmalereien, verwitterte Inschriften, verzierte Torbögen, Türmchen und Kopfsteinpflaster – ein Ort, um sich in die Vergangenheit zu träumen. Im ehemaligen Kloster Himmelthal spielt jedoch die Zukunft die Hauptrolle. In der Berufsbildungsstätte und in der Elsavaschule, die beide in Himmelthal untergebracht sind, leben, lernen und arbeiten lernbehinderte Jugendliche und junge Erwachsene.

          Die Klosteranlage im Elsavatal ist kein Ziel für Reisebusse. Gelegentlich besichtigen Wanderer die Barockkirche von 1753, die auch zu besonderen Anlässen wie Hochzeiten oder Sommerkonzerten geöffnet ist. Das Kloster, vier Mietshäuser, ein Weinberg und 326 Hektar „Himmelthaler Wald“ gehören zum Gymnasiumsfonds Aschaffenburg, der 1620 von Kurfürst und Erzbischof Johannes Schweikhardt von Kronberg für das Jesuitenkolleg zur Unterrichtung der Jugend in und um Aschaffenburg gestiftet wurde. Das Kolleg wurde 1773 aufgelöst, der Fonds finanzierte anschließend das Humanistische Gymnasium, das heutige Kronberggymnasium. Als dieses staatliche Schule wurde, verlagerte die Stiftung ihren Schwerpunkt auf die Berufsbildungsstätte mit Internat und die Elsavaschule.

          Ort für sogenannte benachteiligte Jugendliche

          Seit 1892 wird der Gymnasiumsfonds gemeinsam mit vier anderen Stiftungen vom Stiftungsamt in Aschaffenburg, das König Ludwig I. 1835 gegründet hat, verwaltet. Doch verwalten allein genügt Maike Schmidt-Hartig, seit August Chefin der Behörde, nicht. Wie ihre Vorgänger will die erste Frau an der Spitze des Stiftungsamts auch gestalten. Das Besondere an ihrer neuen Aufgabe sei der stetige Wandel, sagt die 46 Jahre alte Juristin. Bisher sei es immer gelungen, den Stiftungszweck der jeweiligen Zeit anzupassen. Am Gymnasiumsfonds lässt sich der Wandel besonders gut verfolgen. Als die Berufsbildungsstätte (BBS) 1974 gegründet wurde, begannen 100 männliche Jugendliche mit der berufsvorbereitenden Ausbildung. In den achtziger Jahren stieg die Teilnehmerzahl sogar über 120, vor der Jahrtausendwende waren es jedoch nur noch um die 30.

          Klaus Grein, der Leiter der Berufsbildungsstätte, sagt, Stiftungsamt und Kuratorium stellten sich dem Wandel und suchten nach Wegen, Himmelthal als Ort für sogenannte benachteiligte Jugendliche zu erhalten. Sie richteten in dem ehemaligen Kloster eine heilpädagogische Wohngruppe ein, außerdem bietet die BBS Fachwerkerausbildungen in vier Berufen an. 1993 eröffnete in Himmelthal die Elsavaschule mit heilpädagogischer Tagesstätte, in der 30 Kinder und Jugendliche auf den Hauptschulabschluss vorbereitet werden.

          Schul- und Wohltätigkeitsstiftungen

          Dem ursprünglichen Stiftungszweck entsprechend kümmert sich die Stiftung Gymnasiumsfonds zudem um die Erhaltung der denkmalgeschützten Klosteranlage und die Förderung kultureller Veranstaltungen. Schmidt-Hartig stattet der barocken Klosterkirche regelmäßig Besuche ab und informiert sich über den Zustand der kostbaren Malereien an der Decke und den Wänden, die 1754 unter der Leitung des Würzburger Gesellen Liborius Sachs geschaffen wurden. Wenn demnächst Bilder restauriert werden müssen, landet der Vorgang auf ihrem Schreibtisch, schließlich müssen diese Arbeiten ebenfalls aus dem Stiftungshaushalt finanziert werden.

          Das ehemalige Zisterzienserinnenkloster ist neben den 20 Mietshäusern, Wäldern, Wiesen und Weinbergen, die zum Vermögen der Stiftungen des Aschaffenburger Amtes gehören, eine Besonderheit. Dasselbe gilt auch für das Stiftungsamt an sich, es ist das einzige staatliche in Bayern. Die neun Mitarbeiter verwalten und gestalten die fünf Stiftungen in den Landkreisen Aschaffenburg, Miltenberg und Main-Spessart. Zu den Schul- und Wohltätigkeitsstiftungen gehören neben der Berufsbildungsstätte und der Elsavaschule Senioren- und Pflegeheime in Arnstein, Amorbach und Erlenbach. 300 Menschen sind in den Einrichtungen beschäftigt.

          Kein reiner Schreibtischjob

          Die älteste Stiftung ist die Hospitalstiftung Stadtprozelten, die 1319 von Gräfin Elisabeth von Hohenlohe ins Leben gerufen wurde. Die Hospitalstiftung betreibt das Heim in Amorbach. Studenten der Aschaffenburger Fachhochschule profitieren vom Allgemeinen Schul- und Studienfonds, den Fürstbischof Carl Theodor von Dalberg 1804 gegründet hat. Stipendien gibt es für die besten Diplome und für Auslandsaufenthalte.

          Schmidt-Hartig und ihr Team wachen darüber, dass der Stiftungszweck eingehalten wird und die Finanzen stimmen. Das ist kein reiner Schreibtischjob, die Amtsleiterin ist auch regelmäßig an Ort und Stelle anzutreffen. Demnächst ist sie im Himmelthaler Wald mit dem Förster unterwegs und informiert sich über den Waldbesitz des Gymnasiumsfonds. Der Austausch mit den Mitarbeitern der verschiedenen Einrichtungen, den Pächtern und Förstern stellt sicher, dass die jahrhundertealten Stiftungen des Aschaffenburger Amts auch noch in ferner Zukunft ihren ursprünglichen Zweck erfüllen.

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