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Kloster Eberbach : Übergangsjahr wird Krisenjahr

Es geht voran: Die Gerüste im Kloster Eberbach können bald abgeschlagen werden. Bild: Marcus Kaufhold

Corona nimmt dem Kloster Eberbach im Rheingau seine Anziehungskraft als Tagungsstätte. Das hat gravierende wirtschaftliche Folgen. Immerhin beschleunigt die Pandemie die Sanierung.

          4 Min.

          Für das ehemalige Zisterzienserkloster Eberbach sollte 2020 ein Übergangsjahr werden. Tatsächlich liegt hinter dem Kloster ein kaum vorstellbares Krisenjahr mit gravierenden wirtschaftlichen Folgen. Dabei hatte Stiftungsvorstand Martin Blach im Dezember 2019 dem neuen Jahr hoffnungsfroh entgegengesehen. Denn mit dem Wechsel des langjährigen Gastronomiepartners wurde die Klosterstiftung gleichzeitig zum Hotelier. Die Vermarktung der 28 Hotelzimmer im Gästehaus sollte künftig in eigener Regie erfolgen, und die Stiftung erhoffte sich davon einen höheren finanziellen Ertrag als durch die Verpachtung. Doch das Coronavirus durchkreuzte diese Pläne. Die gute Buchungslage zum Jahresbeginn erwies sich als trügerische Hoffnung.

          Oliver Bock
          (obo.), Rhein-Main-Zeitung

          Während des ersten Lockdowns im März wurde Eberbach wie andere Publikumsmagnete im Rheingau sogar regelrecht abgeriegelt, um Ausflügler abzuschrecken.

          Trotz der Absperrung aber blieben die Handwerker nicht untätig. Die Sanierung der mittelalterlichen Klosteranlage, deren Gründung auf das Jahr 1136 zurückgeht, ging ungeachtet der Pandemie weiter. Die Klosterzufahrt wurde neu gestaltet. Die langwierige Sanierung der Klostermauer bog in diesem Jahr auf die Zielgerade ein. Dank großzügiger Spenden wurde der neue Kinderspielplatz Hortus Ludi fertig. Die drei Millionen Euro teure Sanierung der Orangerie im Klostergarten nahm nach einiger Verzögerung endlich Fahrt auf. Sie soll 2022 fertiggestellt sein und kann dann für Veranstaltungen gemietet werden.

          Noch nicht konkretisiert

          Im Hinblick auf die Klostersanierung zeigte die Pandemie ihre positive Seite: Denn weil die Stiftung bei der acht Millionen Euro teuren Innensanierung der imposanten Basilika ungeplant keine Rücksicht auf ihre Großkunden, vor allem das Rheingau Musik Festival, nehmen musste, konnte sie die Arbeiten in der profanierten Kirche deutlich beschleunigen. Die Innensanierung wird nun sogar schon Ende 2022 und damit rund ein Jahr früher als geplant fertig. Derzeit sind die Handwerker noch mit dem neuen Boden beschäftigt, die Decke ist schon weitgehend abgeschlossen, das Gerüst kann bald abgebaut werden.

          Auf den Zeitplan der schon 1986 begonnenen Generalsanierung hat dieser Fortschritt allerdings wenig Einfluss. Die Vorsitzende des Kuratoriums der Klosterstiftung, Umweltministerin Priska Hinz (Die Grünen), verkündete vielmehr im Sommer vergangenen Jahres in einem Nebensatz die überraschende Nachricht, dass die auf 130 Millionen Euro taxierte Sanierung wohl doch nicht 2024 beendet sein wird, wie es vom Land jahrelang verkündet worden war. Die abermalige Verschiebung des Sanierungsendes wurde vom Ministerium aber bislang noch immer nicht konkretisiert.

          Der zügige Fortgang und vor allem das Ende der Sanierung ist nicht die einzige Entwicklung, auf die im Rheingau gewartet wird. Noch immer ist die Frage nicht beantwortet, wie die Klosterstiftung nach dem Sanierungsende in die Lage versetzt wird, aus eigener Kraft die 14 Hektar große Anlage zu unterhalten. Die Wiedervereinigung mit dem ebenfalls im Kloster residierenden, landeseigenen „Weingut Kloster Eberbach“ ist als eine der durchgespielten Varianten offenbar vom Tisch. Wenn die Stiftung aber nicht dauerhaft vom Tropf des Landes abhängig sein soll, dann müssen andere Lösungen her. Einige Hoffnungen setzt die 1998 gegründete Stiftung auf eine größere Erweiterung des bestehenden Klosterhotels, die derzeit untersucht wird.

          Den letzten Sanierungsbrocken im Angriff

          Inzwischen ist das Preisgericht für den Wettbewerb besetzt, der im Januar gestartet wird. Bis Ende März sollen Architekten und Planer ihre Vorstellungen vorlegen, und bis zum Herbst erwartet sich Blach Erkenntnisse, ob und wie ein größerer Bettenbau in der Verlängerung des bestehenden Gästehauses verwirklicht werden kann. Denkbar ist, dass dafür die „Alte Schule“ niedergelegt wird.

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