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Gärtnerin Schwester Christa : Hohepriesterin des Komposts

Auf dem Teeboden unter dem Dach

Das Leben im Kloster ist anstrengend. Fünf Stundengebete strukturieren den Tag. Dazwischen fallen die „Dienste“ an: in der Küche, der Krankenpflege, der Bibliothek. Schwester Christa dient im Garten. Dabei helfen ihr eine junge Frau, die ein freiwilliges ökologisches Jahr ableistet, und Schwester Fidelis, die auf dem Teeboden unter dem Dach die Kräuter trocknet. Gerade beugt sie sich in blauer Arbeitsschürze und weißem Schleier über den Lavendel, den Schwester Gertrud in Duftkissen näht. Da kommt Michèle. Die Schulpraktikantin hat beim Baldrianpflücken geholfen, den klosterinternen Friedhof gepflegt und die „Domstadt Fulda“-Rose von ihren vertrockneten Blüten befreit. Karmesinrot lodert diese Züchtung zum 1250. Fuldaer Stadtjubiläum 1994 an den Rändern der Obstbaumwiese mit ihren Apfel- und Holunderbäumen, einer Aprikose, Weinbergpfirsichen und einer uralten Birne.

Schwester Christa geht hinüber zu den vier Hochbeeten. Hier kultiviert sie mediterrane Kräuter, Tee- und Duftkräuter, wilde Heilkräuter wie Spitzwegerich und Küchenkräuter. Borretsch und Andorn haben sich dazwischen selbst ausgesät. Sie streicht über den Fenchel: „Die Pflanzen spüren, wenn man sie pflegt und sich an ihnen freut“, sagt sie, und: „Seit zwei Jahren haben wir keine Schwalbenschwanzraupe mehr am Fenchel.“ Auch die Schmetterlinge machen sich rar. Nach dem Mondkalender, wie früher Schwester Agatha, gärtnert die Gartenbau-Ingenieurin nicht mehr: „Es gibt zu wenig handfeste Belege dafür, dass das hilft.“ Dann zeigt sie noch einmal hinüber zur Obstbaumwiese, die eher ein Rasen ist: Dort stehen seit diesem Frühjahr vier Bienenvölker, die ein Imker pflegt. Die Gartenklausur ist relativ: „Wer mithilft, ist willkommen.“

Einmal um die Ecke und man steht vor den Gemüsebeeten; langen Reihen von Möhren und Dill, Spitzkohl und Salat, Gurken und Basilikum, Tomaten und Petersilie, Roter Bete und Buschbohnen, Tagetes zwischen jungem Lauch – Mischkulturen, damit sich die Pflanzen wechselseitig fördern und bei Schädlingsbefall nicht alle auf einmal eingehen. Zwischen den Reihen liegt eine dünne Mulchschicht aus angetrocknetem Grasschnitt und hält den Boden feucht. Nach der Radieschenernte klettern hier Stangenbohnen empor. Dazwischen wachsen Zucchini auf Minikomposthäufchen. Was wie ein heilloses Durcheinander aussieht, ist wohldurchdacht. Der Rhabarber etwa wird nicht nur für das leckere Gelee geerntet, das Schwester Michaela herstellt, seine Blätter liefern auch die Grundlage für eine Jauche gegen Blattläuse.

Wasserschläuche einer Tropfbewässerung versorgen die Pflanzen abends direkt an den Wurzeln. Das kostbare Nass sammeln zwei Zisternen und riesige Regenwassertonnen. Auf dem Kompostplatz, dem Allerheiligsten dieses Gartens, stehen 17 Kompostbehälter aus grünem Plastik. In ihnen ist das „Humofix“ am Werk. „Alles Frische kommt aus dem Garten, aber eine Vorratshaltung wie früher gibt es nicht mehr“, sagt Schwester Christa. Sie meint das Einsanden von Kartoffeln und Möhren. Bei einer guten Ernte werden aber die Rote Bete, Gurken und Zucchini eingemacht, die Bohnen eingefroren und die Tomaten zu Püree und Suppe verarbeitet. Die ersten Kohlrabiknollen sind schon geerntet. Und der sterile Rasen? Sogar einen Rasenmäher haben sich die Nonnen inzwischen angeschafft. „Wir haben noch Sensen“, sagt Schwester Christa schmunzelnd, „aber ich kann nicht damit umgehen.“

Klostertouren

Klostertouren Der Klostergarten in Fulda kann von Mai bis September samstags von 14 bis 16 Uhr besichtigt werden. Schwester Christa Weinrich bietet Führungen am 28. Juli, 18. August und 15. September jeweils um 14 Uhr, 14.45 und 15.30 Uhr an. Zugang durch den Klosterladen. Dort gibt es am 28. Juli., 1. September und 29. September jeweils von 14.30 bis 16 Uhr auch Gartentipps. Eine Gartensprechstunde am Telefon wird montags und mittwochs von 13 bis 14 Uhr angeboten. Weitere Informationen unter www.abtei-fulda.de im Internet. (c.s.)

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