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Pilotprojekt mit Spitzenköchen : Steinbutt am Krankenbett

Spitzenköche in der Klinik: Christian Hübner präsentiert einen Hauptgang. Bild: Marcus Kaufhold

Sterneküche für Patienten, geht das? Der Klinik-Konzern Helios beginnt einen Pilotversuch mit Spitzenköchen.

          2 Min.

          Schweinelende „Esterhazy“ und Steinbuttfilet mit Glasnudeln, geschmorte Rinderbäckchen und edle Poulardenbrust. Das klingt nicht nach Krankenhausverpflegung, doch genau diese und noch mehr Feinschmeckergerichte sollen in absehbarer Zeit den jährlich 21 Millionen Patienten der Helios-Kliniken angeboten werden. Der private Klinik-Konzern hat sechs aktuelle oder ehemalige Sterneköche engagiert, um der Patientenverpflegung neue Impulse zu geben.

          Oliver Bock
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Nach Überzeugung des Chefs der Helios-Mutter Fresenius, Stephan Sturm, erwartet der Krankenhauspatient heute „mehr als nur beste medizinische Betreuung“, sondern einen guten Service darüber hinaus. Die Mehrzahl der Patienten seien keine Notfälle, sondern Patienten, die Klinikstandort und Zeitpunkt ihrer Therapie oder Operation sorgfältig auswählen. Das Essen könne ein wichtiger Faktor sein.

          Kulinarisch auf die Teller bringen

          Helios hat auf Initiative des Beraters Carsten Rath die Küchenchefs Nils Henkel, Juan Amador, Hendrik Otto, Christoph Rüffer und Thomas Bühner sowie Deutschlands jüngste Sterneköchin Maike Menzel verpflichtet. Sie haben zwölf Mittagsgerichte kreiert, die aus ihrer Sicht krankenhaustauglich sind und eine vollwertige Ernährung garantieren. Die Rezepte der Köche hat das Boxberger Unternehmen Hofmann Menü-Manufaktur kulinarisch auf die Teller gebracht. Sehr zur Zufriedenheit der Köche, die in der Transformation kreativer Küche in „systemische Teller“ eine Herausforderung gesehen haben.

          In fünf Krankenhäusern, darunter die Horst-Schmidt-Kliniken in Wiesbaden, läuft derzeit ein Pilotversuch. Etwa jeder dritte Patient bestellt sich eines der zwölf in Boxberg vorgekochten Gerichte, was wohl auch damit zusammenhängt, dass Helios in der Testphase noch keinen Aufschlag gegenüber den auch weiterhin erhältlichen, gewohnten Krankenhausessen erhebt.

          Nur eine vage Auskunft

          Was der Patient für die kulinarische Verwöhnung am Krankenlager extra bezahlen muss, wenn Helios seine Verhandlungen mit der Hofmann Menü-Manufaktur abgeschlossen hat und der Konzern das Angebot im Herbst auf die Patienten aller Kliniken und auf die Mitarbeiter ausweiten will, darüber gibt es von Helios nur eine vage Auskunft. Die Preise sollen so kalkuliert werden, dass es sich jeder leisten könne, hieß es anlässlich einer Präsentation der Gerichte mit den beteiligten Köchen im Mensa-Rohbau des Wiesbadener Helios-Neubaus. Die ersten Erfahrungen aus der Probephase stimmen Helios jedenfalls optimistisch. Die Patienten waren laut einer Umfrage zu 86 Prozent zufrieden und vergaben die Gesamtnote 1,9. Nur zwei Prozent äußerten sich demnach unzufrieden.

          Spitzenkoch Nils Henkel zeigte sich erstaunt, wie gut die Gerichte nach seinen Rezepten gekocht seien. „Letztlich ist es ein Klinikessen, aber mit einer Sterne-Idee dahinter“, sagt der frühere Koch auf Burg Schwarzenstein im Rheingau. Auch Rüffer ist „überrascht, wie gut es funktioniert, denn wir haben keine Abstriche gemacht“. Ähnlich äußert sich Otto, der zur Vorstellung sein Gericht „mediterran gedünsteten Schellfisch mit Garnele“ bestellt hat. Allerdings sei der Fisch, so Otto, doch ein wenig trocken geworden. Da müsse nachgesteuert werden. Die Rezeptfindung sei hingegen sehr einfach gewesen. Er habe sich gefragt: „Was würde ich gerne essen, wenn ich da liegen würde.“

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