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Kinzigtal : Baubeginn mit elektronischem Stellwerk

Verdoppelt: Zwischen Hanau und Gelnhausen sollen neben der bestehenden Strecke zwei zusätzliche Gleise gebaut werden. Bild: Rainer Wohlfahrt

Die Bahnstrecke durch das Kinzigtal zählt zu den Engstellen im Schienennetz der Bahn. Deshalb soll sie ausgebaut werden – und erste grundlegende Entscheidungen im Jahr 2017 fallen.

          Bis 2022 soll mit dem durchgängig vierspurigen Ausbau der Bahnstrecke Hanau–Würzburg–Fulda im Kinzigtal begonnen werden. Die Bahn will damit eine der wichtigsten Engstellen im Deutschen Schienennetz beseitigen. Gleichzeitig soll bei dem Projekt der Ausbaustrecke eine neue Form der Bürgerbeteiligung für die Planung konfliktträchtiger Projekte erprobt werden. Deshalb wurde vor zweieinhalb Jahren das „Dialogforum Hanau–Würzburg–Fulda“ für den Bahnausbau im Kinzigtal gegründet, dem rund 70 Vertreter von Kommunen sowie von Bürgerinitiativen, Behörden, Organisationen und der Politik aus Hessen und Bayern angehören. Das Gremium besitzt zwar keine Entscheidungskompetenz, seine Vorschläge sollen aber in die Planungen einfließen.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          „Wir streben ein Höchstmaß an Transparenz im Planungsprozess an und wollen Hindernisse für die Verwirklichung gemeinsam frühzeitig aus dem Weg räumen“, sagt Klaus Vornhusen, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn AG für das Land Hessen. Es werde sicherlich Einwendungen und Klagen geben, doch hoffe man auf ein wesentlich schnelleres und unkomplizierteres Verfahren aufgrund der Vorarbeit des Dialogforums, meinte Reinhard Domke, Projektleiter der DB Netz-AG für den Ausbau der Strecke Hanau–Würzburg–Fulda, bei einer Informationsveranstaltung in Rodenbach.

          In einem Jahr erfolgt die Entscheidung für eine Linienführung

          Siebenmal hat das Forum bisher getagt, außerdem gab es zahlreiche Sitzungen von Arbeitsgruppen zu Detailthemen. Eine davon befasst sich mit dem Ausbau der Strecke zwischen Hanau und Gelnhausen. Vor zwei Jahren wurde nicht nur das Dialogforum ins Leben gerufen, man teilte auch das Projekt in zwei Planungsabschnitte ein. Weil der Neubau von Gleisen zwischen Hanau und Gelnhausen direkt an der bestehenden Strecke im Kinzigtal möglich ist, wird kein Raumordnungsverfahren notwendig. Der Rest der Strecke ist wesentlich komplizierter, da nicht feststeht, wie der Verlauf aussehen soll. Viele Jahre lang war über das Projekt diskutiert worden, ein Ergebnis gab es nicht. Dann wurden die Planungen im Jahr 2002 gestoppt, bis man im Frühsommer 2014 den Neustart wagte.

          Vorgesehen ist eine Anbindung der Bahnstrecke von Gelnhausen aus an die Schnellfahrtstrecke zwischen Würzburg und Fulda. Wie der Trassenverlauf aussehen soll, steht immer noch nicht fest. Doch gemeinsam mit dem Dialogforum legte man einen Suchraum fest, in dem mittlerweile sieben Varianten für die Streckenführung ermittelt wurden. Die ins Auge gefassten Korridore mit einer Breite von jeweils etwa einem Kilometer führen durch das Kinzigtal sowie durch den Spessart, eine Trasse verläuft westlich der bestehenden Gleise nach Fulda. In etwa einem Jahr soll die Entscheidung für eine der betrachteten Linienführungen fallen (F.A.Z. vom 16. September).

          Umrüstung der Güterzüge auf leiseres Fahren geplant

          Auch wenn sich der Ausbauabschnitt Hanau–Gelnhausen noch in der „Vorplanungsphase“ befindet, wird er sich nach der Trennung der Planungsverfahren viel schneller verwirklichen lassen als seine Fortsetzung. Zwar steht die Planfeststellung noch aus, doch erste Bauarbeiten sollen schon im Jahr 2019 beginnen. Denn bevor die Gleise ausgebaut werden können, muss im Bahnhof von Gelnhausen ein neues elektronisches Stellwerk eingerichtet werden. Außerdem müssen vor der Verlegung der zusätzlichen Gleise vorhandene Bahnübergänge durch Straßenbrücken – zwei in Gelnhausen und eine in Hanau – ersetzt werden. Weitere müssen umgebaut werden. Eine wichtige Entscheidung soll im Frühjahr nächsten Jahres getroffen werden. Mittlerweile ist die Lage der neuen Gleise festgelegt, aber es steht noch nicht fest, welches die „schnellen Gleise“ sein sollen, auf denen die ICE-Züge fahren und auf welchen die Regional- und Güterzüge verkehren.

          Davon hängt ab, wie die Bahnhöfe entlang der 23 Kilometer langen Ausbaustrecke umgebaut werden müssen. Wenn die Regionalzüge auf den inneren Gleisen geführt werden, dann braucht beispielsweise der Bahnhof von Rodenbach einen neuen, in der Mitte gelegenen Bahnsteig. Rollen die ICE-Züge in der Mitte, wird der Bau von neuen Bahnsteigen links und rechts außen für die Passagiere des Nahverkehrs gebraucht.

          Von der Nutzungsart der Gleise und den damit verbundenen Umbauten hängt auch der künftige Lärmschutz ab. Bei einer mittigen Führung der ICE-Gleise müsste der Bahnhof von Rodenbach sogar vier Lärmschutzwände bekommen, zwei zur Abschirmung der ICE-Gleise und zwei außen zum Schutz vor dem Lärm von Regional- und Güterverkehr. Projektleiter Domke geht davon aus, dass die Anwohner der Strecke nach dem Ausbau weniger Lärm zu spüren bekommen werden als heute. Die Grenzen der Lärmschutzwerte seien bis dahin deutlich niedriger, außerdem sei mit einer Umrüstung der Güterzüge auf leiseres Fahren zu rechnen. Zusätzliche Mittellärmschutzwände werde es an vielen Stellen geben, etwa in Hanau-Wolfgang, Niedermittlau, Gelnhausen-Hailer und Gelnhausen-Meerholz sowie im Stadtgebiet von Gelnhausen. Außerdem würden zusätzliche passive Lärmschutzmöglichkeiten angewendet, insbesondere, um die strengen Nachtgrenzwerte einhalten zu können.

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