https://www.faz.net/-gzg-9d63k

Keramik-Museum : Druckplatten, Skizzen und Dekorbücher

Kunstvolles Design: Das Hamburger Teeservice aus dem Jahr 1908. Bild: Wonge Bergmann

Die Waechtersbacher Keramik gehörte einst zu den künstlerisch bedeutendsten Keramikherstellern Deutschlands. Jetzt muss der Kreis den Erhalt des historischen Archivs sichern.

          2 Min.

          Der Main-Kinzig-Kreis hat das Firmenarchiv der „Waechtersbacher Keramik“ aus dem Besitz des Porzellanherstellers Könitz-Gruppe erworben, um die Geschichte der traditionsreichen Manufaktur in Brachttal-Schlierbach zu bewahren. Das einst weltbekannte Unternehmen sei ein herausragendes Beispiel der wirtschaftlichen Entwicklung zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts. Es sei eine wichtige Aufgabe, dieses Kapitel der Industriekultur zu bewahren, begründete Landrat Thorsten Stolz (SPD) das Engagement des Main-Kinzig-Kreises.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Die Keramikmanufaktur war früher der wichtigste Arbeitgeber der Region mit rund 1000 Beschäftigten. Gegründet wurde sie von Graf Adolf II. zu Ysenburg-Wächtersbach im Jahr 1832 im Wächtersbacher Schloss, von 1834 an war das nahe gelegene Schlierbach, heute Ortsteil von Brachttal, die Produktionsstätte. Um die Jahrhundertwende bis zum Anfang der dreißiger Jahre gehörte die Manufaktur zu den künstlerisch bedeutendsten Keramikherstellern in Deutschland. Eine Glanzzeit war vor allem der „Wächtersbacher Jugendstil“, in der die von 1903 bis 1921 von Christian Neureuther geleitete Kunstabteilung den intensiven Austausch mit den Künstlern der Darmstädter Mathildenhöhe pflegte.

          Museum und Forschungsstätte

          In der Nachkriegszeit machte sich die Fabrik mit der Herstellung hochwertiger Gebrauchskeramik einen Namen, bis das Unternehmen 2005 Insolvenz anmeldete. Der Kauf durch die Könitz-Gruppe unter Leitung von Turpin Rosenthal schien die Produktion zunächst zu sichern, doch dann wurde sie sechs Jahre später doch noch eingestellt.

          Das Gelände mit seinen historischen Gebäuden in Schlierbach steht teilweise zum Verkauf. Geblieben sind dort ein kleiner Werksverkauf und eine Schaumanufaktur, in der kleine, künstlerisch anspruchsvolle Produktionsreihen, teilweise nach historischem Vorbild, hergestellt werden. Unterstützt unter anderem vom Kreis und der Gemeinde Brachttal bemüht sich ein Arbeitskreis um die Einrichtung eines „Keramikums“, das sowohl als Museum als auch als Forschungsstätte und Anbieter von Workshops genutzt werden könnte. Dafür würde das Firmenarchiv eine wichtige Grundlage bieten. Den Kaufpreis von rund 20.000 Euro stellte vor einigen Wochen der Kreis zur Verfügung.

          Das Brachttal-Museum in der Außenansicht.
          Das Brachttal-Museum in der Außenansicht. : Bild: Wonge Bergmann

          „Nach Einschätzung von Fachleuten sowie des kreiseigenen Zentrums für Regionalgeschichte war dieser Schritt notwendig, um eine Auflösung der einzigartigen Sammlung zu verhindern“, wie Stolz erläuterte. Christine Raedler, Leiterin des Zentrums für Regionalgeschichte, sichtete das vorhandene Material und bereitete den Kauf vor. Die Sammlung umfasst nach ihren Angaben das Papierarchiv mit zahlreichen Skizzen- und Dekorbüchern, etwa 3000 Kupfer- und Metalldruckplatten, die Keramiksammlung der ehemaligen Produktion, wertvolle Modelle und Prototypen, die umfangreiche Glasplattensammlung sowie Negative, Produktionsformen für Keramik, Entwurfszeichnungen und weitere Stücke. Außerdem wurden Kataloge, Baupläne, geschäftliche Korrespondenz und handschriftliche Protokolle übernommen.

          Das historische Material soll inventarisiert und für die öffentliche Nutzung zugänglich gemacht werden. Ehrenamtliche ordneten inzwischen wesentliche Teile des Archivs, verpackten sie und transportierten sie in ein neues Depot in Gelnhausen. Die Gemeinde Brachttal will zudem eine Lagermöglichkeit für weitere Archivbestandteile wie die Keramiksammlung der Produktion zur Verfügung stellen. Weiteren Lagerraum für die Sammlung historischer Produktionsformen aus Gips gibt es in einer Hochregallagerhalle auf dem alten Werksgelände.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          In Zeiten der Pandemie: Testen für den Unterricht

          Beschlussvorlage : Mit Selbsttests zurück ins Klassenzimmer

          Schnell- und Selbsttests sollen den Präsenzunterricht in Schulen in der Corona-Pandemie ermöglichen. Doch Ärzte für Kinder und Jugendliche warnen vor den Folgen möglicher falscher Ergebnisse.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.