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Kennenlernen im Internet : Beziehung 2.0: Vernetzt, verlobt, verheiratet

  • -Aktualisiert am

Veranstaltungskauffrau Sarah Marquardt suchte einen Schulkameraden - und lernte den Sportstudenten Jonas Thiele kennen Bild: Daniel Nauck

Auf der Internetplattform StudiVZ tauschen sich Hochschüler nicht nur über den Uni-Alltag aus. Manch einer findet dort auch die große Liebe - und sei es per Zufall.

          Vier kurze Klicks, dann schnell die Änderungen speichern, und schon ist Veit Kassel verlobt. Strenggenommen war er das schon vorher, aber jetzt steht es im StudiVZ. Denn dort hat er gerade seinen Beziehungsstatus aktualisiert. Für Freunde, Verwandte, Bekannte und alle Leute, die der Theaterregiestudent irgendwann einmal zu seiner Freundesliste hinzugefügt hat, ist nun Rot auf Weiß zu lesen, dass Veit Kassel bald heiraten wird. Doch der lebhafte junge Mann mit dem Drei-Tage-Bart nutzt die Online-Plattform nicht nur, um seine Hochzeit anzukündigen; in gewisser Weise verdankt er sie ihr auch. Denn der 27 Jahre alte Frankfurter hat seine Verlobte vor knapp zwei Jahren im StudiVZ kennengelernt.

          Es gibt dort unzählige Gruppen, in denen sich Studenten und Nichtstudenten dazu bekennen, ihre große Liebe in dem Online-Netzwerk gefunden zu haben. Addiert man die Zahl der Mitglieder dieser Gruppen, kommt man schnell auf einige hundert StudiVZ-Paare. Wie viele es genau sind, lässt sich kaum ermitteln. Medienwissenschaftler wie Jan-Hinrik Schmidt vom Hans-Bredow-Institut in Hamburg wissen zwar, dass das StudiVZ eine große Rolle spielt, wenn es darum geht, Kontakte zu knüpfen oder zu pflegen. Das Flirt-Verhalten der Nutzer haben sie aber bisher nicht erforscht. Wissenschaftliche Erkenntnisse dazu kommen aus der Psychologie. Christiane Eichenberg von der Universität Köln, die das Thema Liebe und Sex im Internet seit Jahren erforscht, sagt: „Das Internet spielt eine immer größere Rolle bei der Partnersuche. Dabei nutzen die Menschen nicht nur Datingbörsen, sondern alle verfügbaren Angebote.“

          „,...dann gebe ich euch eben das Internet'“

          Anders als bei den Datingportalen sind die Menschen, die im StudiVZ ihren Partner finden, aber nicht immer auf der Suche nach Zweisamkeit. Viele Beziehungen ergeben sich zufällig. Verwechslungen, fehlgeleitete Freundschaftseinladungen oder kontroverse Diskussionen in Gruppenforen nennen die, die sich im StudiVZ verliebt haben, als Gründe für die Kontaktaufnahme. Die wenigsten von ihnen wollen gezielt gesucht haben.

          Der Zufall brachte auch Veit Kassel und seine Verlobte zusammen: Es ist der 10. Oktober 2007. Veit hat gerade ein dreimonatiges Praktikum in Wien begonnen. Er kennt niemanden in der Stadt, und so verbringt er seine ersten Abende allein vorm Computer. Er beginnt aus lauter Langeweile nach alten Bekannten im StudiVZ zu suchen. An den Nachnamen einer alten Schulfreundin kann er sich nicht mehr erinnern, also tippt er nur den Vornamen ein: „Clara“. Dann schaut er die Trefferliste durch. Seine Klassenkameradin ist nicht dabei. Dafür fällt ihm das Foto einer anderen jungen Frau auf: Clara Ohms, 23 Jahre, Pädagogikstudentin aus Frankfurt. „Die gefällt mir so gut, die schreib' ich an“, denkt er sich. Die beiden tauschen Nachrichten aus und chatten, dann wird telefoniert. Schließlich steigt sie in den Zug und besucht ihn. „Es ist, als habe der liebe Gott gesagt: ,Wenn ihr es nicht schafft, euch auf normalem Wege kennenzulernen, dann gebe ich euch eben das Internet'“, sagt Veit.

          Gleich bei der ersten Begegnung wurden sie ein Paar

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