https://www.faz.net/-gzg-7wry4

Katholische Kirche : Ungeduld im Bistum Limburg

  • -Aktualisiert am

Limburger Führungsduo: Der Apostolische Administrator Manfred Grothe (rechts) und sein Ständiger Vertreter Wolfgang Rösch. Bild: Fricke, Helmut

Es bewegt sich viel in der Diözese Limburg. Aber die Tebartz-Zeit wirft noch immer ihre Schatten, und ein neuer Bischof ist noch lange nicht in Sicht. Abwarten reicht manchen nicht mehr.

          4 Min.

          In einer Woche bekommen Frankfurts Katholiken hohen Besuch. Manfred Grothe macht auf seiner Rundreise durch das Bistum Limburg Station in dessen wichtigster Stadt. Der Apostolische Administrator will hören, was die Mitarbeiter und die Laienvertreter ihm zu sagen haben, die Situation der Kirche in der Metropole besser kennenlernen, erörtern, wie es weitergehen kann und soll.

          „Jetzt lernt er die Menschen hinter den Zahlen kennen“, sagt Ingeborg Schillai aus Taunusstein, Präsidentin der Diözesanversammlung, des obersten Laiengremiums im Bistum. In ihrem Bezirk war Grothe schon. Sie spielt auf den Prüfbericht mit seinen vielen Zahlen an, den er im Auftrag der Bischofskonferenz über das umstrittene, vom emeritierten Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst gebaute Bischofshaus erstellt hatte. Im März dieses Jahres wurde er dann vom Papst mit der Leitung des Bistums beauftragt.

          Strukturen ändern sich mit Grothe

          Schillai zeigt sich dankbar für die Art und Weise, in der Grothe zuzuhören versteht – mit echter, nicht mit gespielter Anteilnahme. Dieses Lob ist oft zu hören, Grothe kommt gut an in der Diözese. Genauso wie seine Entscheidung, eine Hotline für Mitarbeiter einzurichten, bei der sie sich Erfahrungen aus der Tebartz-Zeit von der Seele reden können. Bis Ende dieses Monats ist die Nummer geschaltet. Rund 100 Anrufer haben sich bisher gemeldet, wie Grothe dem Vernehmen nach jüngst im Diözesansynodalrat mitteilte. Die Quintessenz der Gespräche soll wie angekündigt veröffentlicht werden.

          Die Finanzangelegenheiten werden mit Grothe transparenter geordnet, ein weiterer Pluspunkt. Das Vermögen des Bischöflichen Stuhls wird neu sortiert, die Zusammensetzung entscheidender Gremien verändert, so dass es eine wirksamere Kontrolle geben kann. Teils waren Strukturen, an die Grothe nun herangeht, schon vor Tebartz-van Elst vorhanden. „Der Administrator möchte zeigen, wie es geht“, heißt es im Bistum. Das trifft auch für einen neuen Stellenplan zu, der auf breiter Basis von Herbst 2015 an aufgestellt werden soll. Auch die Planung der neuen Großpfarreien geht weiter. Hinzu kommen die Besuche Grothes im Bistum. Dessen Vielfalt beeindrucke ihn, versichert der Bistumssprecher. Im Advent will Grothe sich mit einem Brief an die Gläubigen wenden, Rückschau und Ausblick halten.

          Personelle Leerstellen im Domkapitel

          Es bewegt sich also einiges. Aber bewegt sich auch genug? Im Bistum ist durchaus eine gewisse Ungeduld zu spüren. Da sind zum Beispiel die beiden freien Sitze im Domkapitel, die wiederbesetzt werden müssen, damit dieses Gremium in der Lage ist, irgendwann einen neuen Bischof zu wählen. „Die Komplettierung des Kapitels steht dringend an“, mahnt etwas Christoph Hefter, der Vorsitzende der Frankfurter Stadtversammlung. Ein Kandidat wäre wohl Wolfgang Rösch, der Ständige Vertreter Grothes. Vermutet wird, dass Grothe im Frühjahr die neuen Domkapitulare bekanntgeben wird, vielleicht am 23. April, dem Tag des Schutzpatrons der Diözese, des heiligen Georg.

          Nicht ausgeschlossen ist, dass Grothe in Absprache mit dem Vatikan weitere personelle Veränderungen im Kapitel vornehmen könnte. Das Kapitel hatte zwar im Juni seine Mitschuld an der schweren Krise um Tebartz-van Elst bekannt, Folgen hatte dieses Eingeständnis aber nicht. Es wird von nicht wenigen im Bistum als „unzureichend empfunden“, wie es ein Mitglied des Diözesansynodalrats formuliert. „Ich sehe die Forderung nach personellen Konsequenzen, aber wir haben nur wenige Alternativen“, gibt Reinhold Kalteier zu bedenken, der Sprecher des Priesterrats, eines Gremiums, mit dem Grothe weiterhin in engem Kontakt steht. Wieder andere fordern die Dezernenten im Bischöflichen Ordinariat auf, Selbstkritik zu üben und sich zu ihrem Verhalten in der Zeit unter Tebartz-van Elst zu äußern.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Vorbereitung einer Infusion.

          Künstliche Antikörper : Wer bekommt Spahns Covid-Prophylaxe?

          200.000 hochgradig gefährdete Bundesbürger sollen die „passive Impfung“ erhalten, für die die Regierung viel Geld in die Hand genommen hat. Die Antikörper helfen – allerdings nur vorbeugend, wenn die Infizierten noch nicht krank sind. Wer also bekommt sie?
          Gerd Winner, No, 1983, Mischtechnik auf Leinwand

          F.A.Z. exklusiv : Huber und Dabrock gegen assistierten professionellen Suizid

          Evangelische Theologen haben für einen professionell assistierten Suizid in kirchlichen Einrichtungen plädiert. Das darf niemandem gleichgültig sein, dem an der öffentlichen Präsenz des Christentums gelegen ist. Ein Gastbeitrag.
          Wohl dem, der zu Hause ein sonniges grünes Plätzchen hat. Eine Horizonterweiterung kann, mit dem richtigen Buch, auch dort stattfinden.

          Zukunft des Tourismus : Über Leben ohne Reisen

          Was passiert mit uns, wenn wir nicht reisen? Die Zukunftsforscher Horst Opaschowski und Matthias Horx über Langeweile, Horizonterweiterung und die Frage, wie unser Urlaub nach der Pandemie aussehen wird.

          Gorman-Übersetzung für F.A.Z. : Gütig, aber mutig, wild und frei

          Ihr Gedicht bewegte nicht nur Amerikaner: Amanda Gormans „The Hill We Climb“ steht in der Tradition von amerikanischem Rap und Slam Poetry und ist schwierig zu übersetzen. Wir veröffentlichen zwei für die F.A.Z. angefertigte Übertragungen ins Deutsche.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.