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Katholische Kirche : Ungeduld im Bistum Limburg

  • -Aktualisiert am

Suche nach Bischofskandidat noch nicht begonnen

Andere machen grundsätzlichere Bedenken geltend, zum Beispiel der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz. Er sieht nach dem Zusammenbruch der bischöflichen Autorität im Bistum Anlass zur Systemkritik. Amtsträger könnten den Gremien nicht mehr „fertiggedachte Dinge“ vorstellen und dann um Zustimmung bitten, wie es im Bistum bis heute der Fall sei, auch an dessen Spitze. Die Gläubigen müssten viel früher beteiligt werden. Eltz’ Kritik berührt die entscheidende Frage, unter welchen Bedingungen Bischöfe und andere leitende Geistliche künftig Macht ausüben können. „Die Wichtigkeit dieser Frage hat auch der Apostolische Administrator erkannt.“

Wann mit der aufwendigen Suche nach Bischofskandidaten begonnen werden kann, ist weiter offen. Koordiniert wird diese Suche vom Apostolischen Nuntius. Am Ende steht eine im Vatikan aufgestellte Liste mit drei Kandidaten, von denen das Domkapitel einen zum Bischof wählt, der dann vom Papst ernannt wird.

Ausschlaggebend ist, welchen Zeitpunkt der Vatikan für richtig hält, mit der Kandidatensuche zu beginnen. Damit ist aber so bald nicht zu rechnen, wie Grothe auch in der jüngsten Sitzung des Diözesansynodalrats betont hat. Es bleibt also weiter offen, ob das Bistum tatsächlich, wie vermutet wurde, Ende 2016 einen neuen Bischof hat. „Natürlich denkt jeder darüber nach, wer Bischof werden könnte“, sagt ein Pfarrer. Vielleicht Weihbischof Thomas Löhr, vielleicht ein Weihbischof aus einem Nachbarbistum?

Fehler der Tebartz-Zeit sollen diskutiert werden

Abwarten allein, das reicht manchen nicht, Christoph Hefter zum Beispiel. Ihm zufolge gibt es bereits eine Gruppe, die begonnen hat, ein Anforderungsprofil für einen neuen Bischof zu entwerfen. Hefter, der zu diesem Kreis gehört, hält es zum Beispiel für wichtig, dass der neue Mann an der Spitze viel Erfahrung in der Gemeindearbeit mitbringt. Und er ist nicht der Einzige, der sich einen solchen Kriterienkatalog wünscht.

Eine Orientierung hätte auch eine Diözesansynode zu Vergangenheit und Zukunft des Bistums geben können. Sie wurde auch gefordert, aber eine solche Versammlung kann ohne einen regelrechten Bischof nicht stattfinden. Stattdessen gibt es eine andere Idee. Der Schwalbacher Pfarrer Alexander Brückmann will einen Prozess initiieren, in dem sich zunächst der Diözesansynodalrat, dann aber auch andere Gruppen intensiv mit den Stärken und der Eigenart des Bistums befassen, was es heißt, Kirche für die Armen zu sein, wie Dialog und Mitbestimmung aussehen und wie Gottesdienste gut gefeiert werden können. Geht es nach Brückmann, beginnt der Synodalrat in seiner Klausurtagung im Januar damit.

Einige vermissen im Bistum ein öffentliches Forum, in dem offen über Versagen in der Tebartz-Zeit gesprochen werden kann. „Wir müssen über die Dinge ins Gespräch kommen, ohne übereinander zu Gericht sitzen zu wollen. Kaum einer war ein Held damals“, sagt Pastoralreferentin Pia Arnold-Rammé aus Frankfurt.

Wenn in einer Woche Grothe zu Gesprächen nach Frankfurt kommt, wird einer nicht dabei sein: Stadtdekan zu Eltz. Er beginnt am Samstag, wie angekündigt, eine mehrmonatige Auszeit in einem Kloster. Nicht zuletzt ihn hat der heftige Konflikt des vergangenen Jahres ziemlich mitgenommen. Arnold-Rammé will beim Gespräch mit dem Administrator ihren Mund aufmachen, wenn sie es für nötig hält. Wer versuchen sollte, über das Treffen eine „Harmoniesauce“ zu gießen, wird auf ihren Protest stoßen. Vermutlich nicht nur auf ihren.

Podiumsdiskussion in Bad Homburg

Mit dem Stand der Dinge im Bistum Limburg befasst sich eine Podiumsdiskussion am Dienstag, 2. Dezember, um 20 Uhr in Bad Homburg.

An dem Gespräch im Gemeindezentrum St. Marien, Dorotheenstraße 17, nehmen teil:

  • Wolfgang Rösch, Ständiger Vertreter des Apostolischen Administrators
  • Reinhold Kalteier, Sprecher des Priesterrats
  • Paul Freiling, Vorsitzender der Bezirksversammlung und
  • Britta Baas, Redakteurin bei „Publik Forum“

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