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Kassel : „100 Millionen Euro plus x“ vom Land für die Museen

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Die Bürger in Nordhessen machen eine neue Erfahrung: Die Landespolitik hält Wort. Nachdem der Nationalpark verwirklicht und die Planungsvorbereitung für den Ausbau des Flughafens Kassel-Calden entschlossen ...

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          Die Bürger in Nordhessen machen eine neue Erfahrung: Die Landespolitik hält Wort. Nachdem der Nationalpark verwirklicht und die Planungsvorbereitung für den Ausbau des Flughafens Kassel-Calden entschlossen begonnen wurde, stehen nun auch an Landesmitteln "100 Millionen Euro plus x" für die Sanierung und Neustrukturierung der Museumslandschaft in Kassel und auf der Wilhelmshöhe in dieser Legislaturperiode zur Verfügung. Das hat Wissenschaftsminister Udo Corts (CDU) in Kassel zugesagt. In zehn Jahren, wenn der Um- und Ausbau entlang dem Masterplan des Frankfurter Büros Albert Speer und Partner (ASP) abgeschlossen ist, könnten allein aus Landesmitteln 200 Millionen Euro in den Museumsstandort geflossen sein. Weitere kommunale Mittel, vor allem aber private Investitionen werden wohl hinzukommen.

          Auf der Kasseler Wilhelmshöhe sprach Corts von einem der drei größten Museumsprojekte in Deutschland neben Dresden und Berlin. Er verglich die Bedeutung der Kulturstadt Kassel abermals mit jener der Partnerstadt Florenz. Wenn Kassel sich bei der Bewerbung um den Titel der Kulturhauptstadt 2010 durchsetze, sagte Corts, werde die Investition verdichtet. Mit der Neupräsentation der vorhandenen Kasseler Kunstschätze soll die Zahl der Besucher in den Staatlichen Museen Kassel von 350000 auf 850000 im Jahr steigen. Dieter Bogner von ASP sagte, es gehe nicht nur um eine Pinakothek inmitten einer Stadt oder um die Gestaltung einer Museumsinsel, sondern um ein Konzept für eine ganze Kulturstadt.

          Den Plänen zufolge wird der Herkules für 21 Millionen Euro saniert und während der Arbeiten geöffnet bleiben. Westlich des Oktogons entsteht ein Besucherzentrum mit Gastronomie, Informationen, Shop und Parkplätzen. Die Besucher werden den Park von Westen her kommend durch den Herkules betreten. Der Individualverkehr wird aus dem Park herausgenommen, statt dessen ein Busverkehr eingerichtet. Die Löwenburg, die seit dem Zweiten Weltkrieg zum Teil in Trümmern liegt, wird nun endlich wieder errichtet (19,5 Millionen Euro). Schloß Wilhelmshöhe, dessen Mitteltrakt schon saniert wurde, wird weiter instand gesetzt. Mit dem Weißensteinflügel, der auch die Wohnräume des ehemaligen Landesherrn birgt, beginnt man (24 Millionen Euro). Schließlich wird das ganze Schloß mit 10000 Quadratmetern als Ausstellungsfläche zur Verfügung stehen. Darin sollen die fürstlichen Sammlungen neu geordnet werden. Verwaltung und Depots werden aus- und vermutlich in einen Neubau am Wirtschaftstrakt im Westen der Schloßanlage umziehen. Der Marstall wird belebt werden. Auch ein neues Hotel entsteht auf der Wilhelmshöhe. Das Ballhaus neben dem Schloß saniert man für 3,1 Millionen Euro und die Endstation der Straßenbahnlinie 1 in Wilhelmshöhe für 1,4 Millionen Euro. Später soll auch hier ein eigenes Besucherzentrum errichtet werden. Innerhalb der Wendeschleife der Bahn werden Parkplätze entstehen, darauf kann ein neuer Museumsbau - etwa für die Tapetensammlung - erwachsen. In der Innenstadt, die essentieller Bestandteil des Konzeptes ist, soll zunächst die Neue Galerie bis zum documenta-Jahr 2007 saniert werden (16 Millionen Euro). Daneben will die Stadt das Grimm-Museum ausbauen. Für die davorliegende "Schöne Aussicht" regt ASP einen Kunstparcours an. Das Hessische Landesmuseum an der Wilhelmshöher Allee wird in einem ersten Bauabschnitt saniert. Später kann es mit der Torwache baulich verbunden werden. Es soll sich der Vor- und Frühgeschichte widmen. Zwischen Schöner Aussicht am Auehang, dem Museum für Sepulkralkultur am Weinberg und dem Landesmuseum kann ein innerstädtischer Museumspark entstehen. Der Weinberg bietet sich auch nach Auffassung der Planer mit seinen Katakomben und Gewölben als Erlebniswelt in Ergänzung des Grimm-Museums an. Auf dem Weinberg könnte ein Hotel errichtet werden.

          Das Kunsthaus Dock 4 mit dem documenta Archiv soll ebenfalls saniert werden. Mit der Rückseite des benachbarten Museum Fridericianum kann es durch einen neu zu schaffenden Platz verbunden werden. Die documenta-Halle wird sich, so der Plan, dem Archiv öffnen und kann aus dem Archiv wie ein documenta-Museum bespielt werden. Das Museum für Technik und Astronomiegeschichte bleibt zunächst in der Orangerie in der Karlsaue.

          Corts zeigt sich zuversichtlich, private Investoren für die Planungen begeistern zu können und Kassel als Heimstatt für Privatsammlungen anzubieten. Wenn die Privaten sehen, daß der Staat investiere, zeigten auch sie Interesse an den Projekten. cpm.

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