https://www.faz.net/-gzg-a4l6y

Karstadt-Immobilie in Mainz : Neue Läden erst in drei Jahren

Aus für Karstadt: Am Freitag ist das Kaufhaus zum letzten Mal geöffnet gewesen. Bild: Markus Schug

Kaum geschlossen, steht ein Zwischennutzer für die Karstadt-Immobilie an der Ludwigsstraße in Mainz bereit. Im alten Kaufhaus will die Initiative „Lulu“ Märkte ausrichten und typische Mainzer Produkte anbieten – auch Närrisches.

          2 Min.

          Ein paar Klarsichthüllen, Krach machende Tröten für Fußballfans und anderen Krimskrams: Mehr hat das Mainzer Karstadt-Kaufhaus am späten Freitagnachmittag, also wenige Stunden vor dem endgültigen Ladenschluss, seinen Kunden nicht mehr zu bieten. Nach wochenlangem „Rausverkauf“ waren fast alle Kleiderständer, Vitrinen und Regale in dem fünfgeschossigen Gebäude an der Ludwigsstraße geleert. Seit Montag wird ausgeräumt, und für Ende Oktober ist die Schlüsselübergabe an den neuen Besitzer, die Boulevard Lu GmbH, angekündigt.

          Markus Schug

          Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          So kommt das Aus für die 60 Mainzer Karstadt-Mitarbeiter, die übergangsweise in einer Transfergesellschaft unterkommen sollen, noch früher als gedacht. Viele der Betroffenen waren über Jahrzehnte hinweg in dem 1963 eröffneten Hertie-Haus beschäftigt, dessen längst überfällige Modernisierung und Neuausrichtung später auch vom Karstadt-Konzern vergessen wurde.

          Bis zu drei Jahre, in denen intensiv geplant und umgebaut werden soll, dürfte es dauern, bis sich an der kurz „Lu“ genannten Einkaufsstraße die ersten Ladentüren wieder öffnen. Kunden will man in naher Zukunft mit einer Mischung aus Kultur, Gastronomie, Hotel und Einkaufen locken. Aktuell werden die im Wettbewerb siegreichen Entwürfe der Mainzer Bürogemeinschaft Faerber-Architekten, der Landschaftsarchitekten Bierbaum.Aichele und der Stadtplaner von Jestaedt + Partner überarbeitet und verfeinert, sagte Tim Gemünden, einer der Boulevard-Lu-Geschäftsführer, am Dienstag dieser Zeitung. Dass die geplanten Neubauten, aber auch das um ein aufgesetztes Hotel erweiterte Parkhaus einen „grünen, gastronomisch zu nutzenden Park auf dem Dach“ erhalten sollen, gehört zu den hervorstechenden Merkmalen des Projekts, das schätzungsweise 100 Millionen Euro kosten dürfte.

          Auf lange Sicht aufgewertet werden

          Verschiedene Gestaltungsoptionen für das Karstadt-Areal lassen sich noch immer im Schaufenster des ehemaligen Deutsche-Bank-Pavillons an der Ludwigsstraße in Mainz studieren. Und ein paar Häuser weiter, im „Lux“-Pavillon am Schillerplatz, zeigen Studenten der Hochschule Mainz noch bis Freitag, wie sich das Klima in einer verdichteten Innenstadt durch Dach- und Fassadenbegrünung verbessern ließe. Bis dato seien gerade einmal zehn Prozent der in Mainz dafür in Frage kommenden Flachdächer entsprechend gestaltet, erklärte der für das Projekt zuständige Professor, Thomas Giel, bei der Eröffnung der Schau, die wiederum vom rheinhessischen Familienunternehmen Gemünden unterstützt und gefördert wurde.

          Während sich Studenten und Städteplaner derzeit vor allem damit beschäftigen, wie die Innenstadt auf lange Sicht aufgewertet werden könnte, hat sich schon ein Zwischennutzer für das bisherige Kaufhaus gefunden. Die Initiative „Lulu“, ein Kreis von Geschäftsleuten, die vorerst unerkannt bleiben möchten, will möglichst von Mitte November an für eine Belebung des verlassenen Platzes sorgen.

          Gemeinsam mit Künstlern und Chören, Gastronomen und Vereinen, Winzern, Ladenbetreibern, Tanzschulen und Theaterleuten sollen die einzelnen Etagen nach und nach in attraktive und anziehende Aufenthaltsorte verwandelt werden – dies bei aller gebotenen Vorsicht gerade auch in Corona-Zeiten. Vielleicht könne man schon in der Vorweihnachtszeit einen Kreativ- und Spezialitätenmarkt auf die Beine stellen, so einer der „Lulu“-Verantwortlichen.

          Und zu Beginn des Jahres 2021 könnte man dann auch den Fastnachtsvereinen einen passenden Raum geben, um ihre närrischen Botschaften notfalls für ein auf Abstand zu haltendes Netz-Publikum aufzuzeichnen.

          Weitere Themen

          Freude und Enttäuschung in der CDU

          Das sagen hessische Politiker : Freude und Enttäuschung in der CDU

          Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier wurde als CDU-Vize wiedergewählt. In Sachen Bundesvorsitz sieht er sich in seinem Pro-Laschet-Kurs bestätigt. Die frühere Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth kritisiert Armin Laschets Rede.

          Topmeldungen

          Panne bei CDU-Parteitag : „Das Mikro stand auf Grün“

          Hans-Werner Adams war der heimliche Star des CDU-Parteitags – obwohl er gar nichts gesagt hat. Im Interview spricht der CDU-Delegierte über Probleme mit der Technik, Fassbier – und seine Meinung zum Ausgang der Wahl zum Vorsitzenden.

          Nach Niederlage : Merz will Wirtschaftsminister werden

          Die Wahl um den CDU-Parteivorsitz hat Friedrich Merz verloren. Dem Sieger Armin Laschet hat er nun angeboten, als Wirtschaftsminister in die Bundesregierung einzutreten – und zwar in die jetzige. Die Kanzlerin will ihr Kabinett allerdings nicht umbilden.
          „Das Sterben beenden“: Soldaten vor dem Einsatz im Gesundheitsamt in Dortmund – künftig sollen sie auch in Pflegeheimen zeitlich befristet helfen.

          Bundeswehr im Pflegeheim : Bis jemandem der Kragen platzte

          Warum Soldaten Pflegeheime beim Schutz vor dem Virus unterstützen – und nicht Freiwillige, die nur darauf gewartet hatten, zu helfen. Eine Rekonstruktion.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.