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Hochschule Rhein-Main : Juristin mit Hang zum Brückenbauen

Eva Waller kommt gebürtig aus Krefeld und ist seit Anfang des Jahres die neue Präsidentin der Hochschule Rhein-Main. Bild: Lukas Palik

Eva Waller ist seit Anfang des Jahres Präsidentin der Hochschule Rhein-Main. Die Juristin strebt mehr Zusammenarbeit zwischen den Fachbereichen an. Geplant ist, diese auf dem Hauptgelände am Kurt-Schumacher-Ring zusammenzuführen.

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          Brücken, sagt Eva Waller, seien ihre Lieblingsbauwerke. Das meint sie metaphorisch – schließlich ist sie keine Ingenieurin, sondern Juristin. Aber an ihrer jetzigen Wirkungsstätte im übertragenen Sinne Brücken zu bauen, etwa zwischen Konstrukteuren und Ökonomen, das kann sie sich gut vorstellen. An der Hochschule Bochum, wo Waller zuletzt Vizepräsidentin war, wird der Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen von vier Fachbereichen gemeinsam organisiert. Auch die Hochschule Rhein-Main bietet das Fach an, aber dort ist es nur den Ingenieurwissenschaften zugeordnet.

          Sascha Zoske

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Engere Bande zwischen den verschiedenen Disziplinen zu knüpfen, sieht Waller als einen Auftrag an, der sich aus ihrem neuen Amt ergibt. Seit Anfang des Jahres ist die gebürtige Krefelderin Präsidentin der Hochschule Rhein-Main mit Sitzen in Wiesbaden und Rüsselsheim. Den an beiden Standorten teils auch räumlich recht weit voneinander entfernten Abteilungen will sie mehr Zusammenarbeit nahelegen, aber nicht verordnen – so wie sie auch andere ihrer Ideen erst einmal nur zur Diskussion stellen möchte. Die anfängliche Zurückhaltung ist verständlich, da Waller von auswärts an die Hochschule kam und als einzige Beziehung zu Hessen den Großvater anführen kann, der aus der Gegend von Limburg stammte.

          Personalentwicklung an der Hochschule fördern

          Aber auch wenn sie sich eingearbeitet hat, dürfte die 1964 geborene Professorin keine Abkehr von den Grundlinien anstreben, die ihr Vorgänger Detlev Reymann gezogen hat. Wie er hebt sie die Bedeutung der Hochschule für „Studienpioniere“ hervor – also für Menschen, die als Erste ihrer Familie einen akademischen Grad anstreben. In gewisser Weise ist Waller selbst solch eine Pionierin. Ihr Vater hatte eine Fachhochschule besucht, sie selbst entschied sich für Jura, während ihre Geschwister Berufsausbildungen wählten. „Als ich anfing zu studieren, haben sie mich gefragt: Was tust du eigentlich den ganzen Tag?“

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          Als Mitarbeiterin einer Anwaltskanzlei und Personalleiterin eines Unternehmens hat Waller auch andere Lebenswelten kennengelernt als die der Wissenschaft. Die Personalentwicklung an der Hochschule zu fördern, sieht die Präsidentin als weitere wichtige Aufgabe für ihre sechsjährige Amtszeit – wobei Waller lieber von „Kompetenzerweiterung“ spricht. Nachwuchsforschern, aber auch aus der Wirtschaft rekrutierten Professoren will sie es leichter machen, sich an der Hochschule zurechtzufinden, etwa durch Neuberufenen-Tage oder Schulungen zum Verfassen von Forschungsanträgen.

          Da die Forschung an den Hochschulen für angewandte Wissenschaften stark an Bedeutung gewonnen hat, wird Waller auch auf diesem Gebiet Akzente setzen müssen. Einer davon könnte auf dem Begriff Nachhaltigkeit liegen. Die Präsidentin sieht darin ein Großthema der Gegenwart, zu dem die Hochschule Rhein-Main Wertvolles beitragen könne – etwa, indem sie zeige, was Nachhaltigkeit in der Sozialen Arbeit oder der Ingenieurpraxis bedeuten könne.

          Ziel: Bauherrenrecht vom Land erhalten

          Was das Bauen angeht, so könnte die Hochschule manchen von ihren Wissenschaftlern entwickelten Gedanken auf eigenem Territorium in der Realität erproben. Vor allem dann, wenn es ihr gelänge, vom Land das Bauherrenrecht zu erhalten. Dieses Ziel, das Reymann vergeblich anstrebte, will Waller möglichst bald erreichen.

          Denn vor allem in Wiesbaden möchte die Hochschule einiges an Beton und Erde bewegen: Geplant ist, innerhalb von ungefähr zehn Jahren die verschiedenen Fachbereiche auf dem Hauptgelände am Kurt-Schumacher-Ring zusammenzuführen. Das würde laut Waller auch den Abschied vom Mediencampus Unter den Eichen bedeuten, wo die Präsidentin derzeit ihr Büro hat – und die Hochschule beträchtliche Summen für Gebäudemieten ausgibt.

          Dass ihr Dienstsitz direkt am Taunusrand liegt, dürfte die Naturfreundin Waller zu schätzen wissen. Und angesichts des Tempos, in dem sich die Verlagerung von Hochschulstandorten gewöhnlich vollzieht, dürfte ihr die Möglichkeit eines kleinen Waldspaziergangs in der Mittagspause so schnell nicht verlorengehen.

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