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Nach Rezo-Video : Junge Union will CDU das Internet beibringen

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Twitter wird von zahlreichen Politikern genutzt. Der neue Vorsitzende der JU Hessen will den Internetauftritt der Christdemokraten verändern. (Archivbild) Bild: dpa

Der neue Vorsitzende der Jungen Union Hessen will die Kommunikation der CDU im Internet verändern. Ministerpräsident Volker Bouffier fordert Regeln für den Umgang im Netz.

          Die Junge Union Hessen will sich im Internet neu aufstellen und den Landesverband der CDU dabei unterstützen, in Zukunft wieder junge Menschen und damit potentielle Wähler zu erreichen. Das kündigte der neue Vorsitzende der christdemokratischen Jugendorganisation, Sebastian Sommer, im Gespräch mit der F.A.Z. an und reagierte damit auf die aktuelle Debatte über die Zukunftsfähigkeit der Volksparteien. „Wir müssen erst einmal anfangen, im Internet richtig zu kommunizieren“, sagte Sommer und ergänzte: „Wenn man mit einem elfseitigen Schreiben auf das Video des Youtubers Rezo reagiert, dann hat man nicht verstanden, wie das Internet funktioniert.“

          Seiner Einschätzung nach muss es die Aufgabe der Jungen Union sein, die digitale Generation im Netz so anzusprechen, dass die Inhalte christdemokratischer Politik auch bei dieser Zielgruppe wahrgenommen werden. „Dass man als Partei so hilflos dasteht, wie es nach dem Rezo-Video der Fall war, das darf uns nicht mehr passieren. Es sind alle wachgerüttelt“, sagte er. Die Junge Union werde ihre Zugehörigkeit zur digitalen Welt zeigen, zum Wohle der Partei: „Wir sind jung, wir verstehen das Netz, und wir werden die treibende Kraft sein, um das der CDU beizubringen.“

          Sommer wurde am Wochenende in Hünfeld als neuer Vorsitzender der Jungen Union gewählt. Er ist 25 Jahre alt, kommt aus Wehrheim im Hochtaunuskreis und verdient sein Geld als Standesbeamter. Sommer ist ledig und hat keine Kinder. Der neue Vorsitzende setzte sich in einer Kampfkandidatur mit 71,1 Prozent gegen den Bezirksvorsitzenden der Jugendorganisation Rhein-Main, Yannick Schwander, durch. Der bisherige Vorsitzende Stefan Heck gab sein Amt aus Altersgründen ab. Sommer steht den jungen Christdemokraten nun für die kommenden zwei Jahre vor.

          Die CDU und Social Media

          Während dieser Zeit will sich Sommer auch um den Online-Auftritt der CDU kümmern, der ohnehin gerade von einem Social-Media-Team neu gestaltet wird (F.A.Z. vom 5. Juni). „An diesem Wochenende sind Mitarbeiter des Landesverbandes bei uns und hospitieren hier“, sagte er. „Die CDU kann zwar Facebook bespielen, aber wenn eine ganze Generation auf Youtuber und Instagramm-Influencer hört, dann gibt es darauf von der CDU bisher noch keine Antwort“, schilderte er die Aufgabe. Diese Antwort besteht nach Sommers Einschätzung darin, im Netz authentischer zu werden und eine Community zu entwickeln. Dazu benötige die CDU Gesichter, um ihre Inhalte glaubwürdig zu transportieren, und müsse im Netz stärker präsent sein. „Junge Menschen informieren sich nicht mehr nur über Nachrichtenportale, sondern zunehmend in den sozialen Netzwerken. Deswegen müssen wir als Junge Union unsere Themen dort plazieren“, stellte er klar. Er verstehe es als seinen Auftrag, dieses Thema mit Nachdruck voranzutreiben.

          Der Jungen Union ist es offenbar ernst, denn schon am Wochenende waren neun Mitglieder eines eigenen Social-Media-Teams in Einsatz, die laut Sommer alle Kanäle bespielten und Live-Videos ins Netz stellten. „Wir müssen endlich wieder anfangen, Themen selbst zu setzen“, sagte Sommer, denn in den vergangenen Wochen habe die CDU nur reagiert. Der Bürger erwarte aber, dass die Partei etwas bewege. „Es kann nicht sein, dass wir uns wochenlang an politischen Eintagsfliegen festklammern. Hat ein Juso-Vorsitzender wieder mal eine abstruse Idee, dann muss man ihm eine Absage erteilen und danach wieder eigene Themen ansprechen.“

          Während des zweitägigen Landestages sprach der hessische Ministerpräsident und CDU-Landesvorsitzende Volker Bouffier zu den etwa 400 Anwesenden und forderte eine gesellschaftliche Debatte zum Umgang im Netz. „Die Würde des Menschen hört nicht im Netz auf“, sagte er zu den Delegierten. Auch im Internet müsse es Regeln geben. Hintergrund von Bouffiers Aussagen sind nach Auskunft von Sommer die Hetzkommentare im Internet zum Tod des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke. „Das ist abscheulich“, sagte Sommer dazu. Das Thema ist virulent, denn auch die CDU-Bundesvorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer hatte am Wochenende gefordert, über Regeln im Internet zu sprechen, und sich dabei auf Kommentare zum Tod Lübckes bezogen.

          Bouffier sprach in seiner Rede auch die aus CDU-Sicht enttäuschenden Ergebnisse der Europawahl an. „Natürlich haben wir auch Fehler gemacht. Einer dieser Fehler ist, dass wir nicht ausreichend über unsere Erfolge gesprochen haben“, sagte der Ministerpräsident und wies darauf hin, dass Hessen derzeit die höchsten Ausgaben für Bildung und Forschung vorweisen könne und das Land so sicher wie nie zuvor sei. Nun sei es die Aufgabe, für Überzeugungen einzustehen und das Vertrauen der Wähler zurückzugewinnen. Konkret nannte Bouffier, dass es gelingen müsse, Klimaschutz und den Erhalt des Wohlstands in Einklang zu bringen. „Weder von Kevin Kühnert noch von Robert Habeck brauchen wir daher eine Belehrung darüber, wie man ein Land zu führen hat“, rief Bouffier den Mitgliedern der Jungen Union zu.

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