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Juli-Vergnügen : Umzug zur Fastnacht

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500 Jahre Fastnacht: der aktuelle Karnevalsorden des Dieburger Karnevalsvereins Bild: dpa

Warme Sonnenstrahlen statt Eiseskälte, leichte Kostüme statt dicker Verkleidungen und kalte Getränke statt Glühwein: In Dieburg steigt zum 500-jährigen Jubiläum der Fastnacht in der Stadt eine Karnevalsparade - mitten im Sommer.

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          Warme Sonnenstrahlen statt Eiseskälte, leichte Kostüme statt dicker Verkleidungen und kalte Getränke statt Glühwein zum Aufwärmen: Während sich in den übrigen Städten Deutschlands die Narren von der letzten Kampagne noch erholen, steigt in Dieburg mitten im Sommer ein Karnevalsparade. Weil die Fastnacht nun schon 500 Jahre in der 15.000 Einwohner großen Stadt existiert, veranstaltet der „Karnevalverein Dieburg 1838“ morgen parallel zum städtischen Schlossgartenfest einen Jubiläumsumzug mit 111 Zugnummern und fast karibischem Flair.

          „Das ist eine absolute Ausnahme, normalerweise halten wir uns an den allgemeinen Kampagnenzeitraum“, sagt Friedel Enders, Vorsitzender des „Karnevalvereins Dieburg 1838“. Aber für die 500-Jahr-Feier hätten sich die rund 70 Fastnachtsgruppen, die jedes Jahr den regulären Umzug mit bunten Kostümen begleiten, eine Sommerparade gewünscht. „Das gibt ihnen die Möglichkeit, sich etwas andere Kostüme auszudenken“, sagt der Vorsitzende des Karnevalvereins. Im Winter müsse man sich so dick einpacken.

          „Bei uns wird man mit dem Fastnachtsruf geboren“

          Wer in Dieburg wohnt, kann dem Karneval nicht entkommen. „Bei uns wird man schon mit dem Fastnachtsruf geboren“, berichtet Enders. Im Gegensatz zu anderen Kleinkindern, die als erstes Mama oder Papa sagen, sei in Dieburg das erstgesprochene Wort „Äla“, das während der närrischen Tage immer wieder über die Stadt schallt.

          Dass die Fastnacht in Dieburg schon vor 500 Jahren gefeiert wurde, hat Stadtarchivar Valentin Karst erst in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg zufällig entdeckt. „Er fand Rechnungen von 1508, auf denen aufgeführt ist, dass es damals an Aschermittwoch eine Verköstigung für die Oberen der Stadt gegeben hatte, um die davor liegenden Festtage abzuschließen“, berichtet Enders. Weil es in dem alten Schriftstück heiße „wie seit alters her“, könne man sogar annehmen, dass der Brauchtum der Dieburger Fastnacht sogar noch älter sei.

          Geschminkt zum Gottesdienst

          Neben der langen Tradition gibt es in Dieburg noch weitere Besonderheiten an den närrischen Tagen: „Im Gegensatz zu anderen Gemeinden wird bei uns das Prinzenpaar von einem siebenköpfigen Komitee ausgewählt“, sagt Enders. Eine mündlich überlieferte Regel besage, dass der Prinzenanwärter verheiratet und die Prinzessin ledig sein müsse. Während in anderen Städten zur Fastnacht „Helau“ oder „Alaaf“ gerufen wird, lassen die Dieburger ihr „Äla“ erschallen. „Der Ruf ist auf die Gänsemägde von früher zurückzuführen, die damit ihre Tiere zusammengetrieben haben“, erklärt Enders. Vor zwei Jahren sei eine weitere Besonderheit in der katholisch geprägten Stadt hinzugekommen: „Unser neuer Pfarrer hat einen Fastnachtsgottesdienst ins Leben gerufen, zu dem alle geschminkt und verkleidet erscheinen.“

          Zu den alljährlichen Umzügen kommen jeweils 35.000 bis 50.000 Besucher von außerhalb in der Stadt.

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