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Jugendbewegung „Demo“ : Beim Bier gegen Europaverdrossenheit

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Die Jugendbewegung „Demo“ will junge Leute auf die Europawahl vorbereiten. Dafür können diese anonym Fragen an Politiker stellen – auf Bierdeckeln. Bild: dpa

Die Jugendbewegung „Demo“ hat anlässlich der Europawahl ein Frage-Antwort-Spiel zwischen Politikern und Bürgern veranstaltet. Das Treffen fand in einer Kneipe statt, die Fragen gab es auf Bierdeckeln.

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          Als die Europahymne ertönt, verbreitet sich eine feierliche Stimmung in der Gaststätte 60/40 in Wiesbaden. Der Auftakt der Veranstaltung „Der Politische Bierdeckel – Europawahl Edition“ der Jugendbewegung „Demo“ wirkt zeremoniell. Doch schnell wird die Hymne von dem rockigen Antikriegssong „War“ von Edwin Starr abgelöst. Denn wenn die Veranstaltung eines nicht sein soll, dann förmlich. Vielmehr soll über die anstehende Europawahl in ungezwungener Atmosphäre bei Bier und Pizza diskutiert werden. „Wir wollen die Leute bei null abholen“, erläutert Demo-Bundesvorsitzende Jana Kühnl.

          Dazu bedient sich die Jugendbewegung eines Konzepts, das so simpel wie ausgeklügelt ist: Die Gäste können, ohne ihren Namen zu nennen, auf Bierdeckeln Fragen an Politiker von CDU, SPD, FDP, Grüne, Linke und Die Partei stellen. Ohne inhaltliche Einschränkung. Die Politiker, die für das Europaparlament kandidieren, werden auf einen Barhocker an den Tresen gebeten. Sie stellen sich zehn Minuten lang den Fragen aus dem Publikum. Den Studenten Philipp Rohe hat das Konzept neugierig gemacht: „Ich war vor ein paar Tagen auf einer Podiumsdiskussion in Mainz. Die war aber sehr akademisch und auch sehr brav. Deshalb nehme ich am politischen Bierdeckel teil.“ Auch den Freundinnen Rebeca Bueno und Karen Preuschoff kommt die Veranstaltung gelegen: „So richtig informiert habe ich mich noch nicht. Deshalb will ich einen ersten Einblick bekommen“, sagt Bueno.

          Vor allem junge Leute, die sich sonst wenig mit Politik auseinandersetzen, will Demo ansprechen. Veranstaltungen wie der Politische Bierdeckel oder Pub Quiz wollen sie für Politik sensibilisieren. Ins Leben gerufen wurde die überparteiliche Jugendbewegung 2016 von Mareike Nieberding, die auf die Wahl von Donald Trump zum amerikanischen Präsidenten reagierte. Seitdem zielt Demo darauf, dass Menschen auch außerhalb von Filterblasen ins Gespräch kommen und ein politisches Selbstbewusstsein entwickeln. Politik müsse wieder „interessant, lustig und salonfähig“, werden, findet Kühnl.

          „Man kommt näher an die Personen heran“

          Für die rund 100 Besucher in Wiesbaden stehen die Inhalte klar im Vordergrund. Per Bierdeckel wird der Linken-Politiker David Schwarzendahl gefragt: „Welche Möglichkeiten sehen Sie, um ein wirtschaftlich heterogenes Europa als Ganzes im globalen Wettbewerb stark zu machen?“ Ein anderer Teilnehmer will von dem SPD-Mann Matthias Körner wissen, ob er für eine Kohlendioxid-Steuer ist. Zudem besteht Interesse an der Motivation des FDP-Politikers Thorsten Lieb.

          Ein Teilnehmer will wissen, was er einmal seinen „Kindern hinterlassen“ will. Aus den Antworten zu diesen und anderen Fragen erfahren Gäste zum Beispiel auch, dass der Grünen-Politiker Malte Gallée ursprünglich Ornithologe werden wollte, die CDU-Politikerin Verena David Marathon läuft und Moritz Post (Die Partei) stolz auf seine Heimatstadt Frankfurt ist.

          Für den Besucher Alex Sommer ist es die Zusammenstellung aus politischen und persönlichen Fragen, die den Reiz der Veranstaltung ausmacht: „Man kommt durch das offene Fragenformat näher an die Personen heran. Dadurch kann man sich eher vorstellen, für welche Interessen sie sich in Europa einsetzen würden.“ Rohe hat das Verhältnis von lustigen und ernsten Fragen dennoch überrascht: „Ich hätte mehr lustige Fragen erwartet.“ Doch das zeigt laut Rohe auch, dass es zur Europawahl inhaltlich viel Klärungsbedarf gibt.

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