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„Jugend forscht“ : Einige „Eliteschulen“ sind längst gute Bekannte

Am Strompreis sparen: Die Leuchtdioden sollen zeigen, wann der Strom günstig ist Bild: dpa

Wie kann man die Stromkosten reduzieren? Und wie lässt sich aus Joghurt Energie erzeugen? „Jugend forscht“ zeigt 34 Arbeiten mit praktischem Nutzen. Schwerpunkt ist diesmal die Energie.

          Nicht ausgeschlossen, dass der diesjährige Landeswettbewerb von „Jugend forscht“ Jürgen Banzer (CDU) zusätzliche Arbeit bescheren wird. Denn eines der 34 Projekte, die Hessens Jungforscher beim Pharma- und Chemieunternehmen Merck präsentieren, wird sicherlich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft interessieren. Christina Gottwein und Chahinez Abdellaoui von der Wöhlerschule in Frankfurt haben durch Messungen herausgefunden, dass es während des Unterrichts bis zu 85 Dezibel in den Klassen laut wird. Für Fabrikarbeiter ist bei solchen Werten Gehörschutz vorgeschrieben. Gut möglich, dass Gewerkschaftsvertreter Hessens Interims-Kultusminister auffordern, für Abhilfe zu sorgen.

          Rainer Hein

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Darmstadt.

          Der Beitrag der 14 und 16 Jahre alten Schülerinnen ist typisch für den Praxisbezug, der viele der in diesem Jahr ausgewählten Arbeiten auszeichnet. „Die Forschung der Schüler ist anwendungsorientierter geworden“, stellt Christiane Gräf fest, die den Landeswettbewerb Hessen bei „Jugend forscht“ leitet. Etliche Projekte befassen sich zum Beispiel mit Energieeinsparung – für Barbara Hoffmann, Patentbeauftragte für „Jugend forscht“ bei Merck, ein Hinweis auf das zunehmende Umweltbewusstsein der Jugendlichen. Merck hat sich deshalb entschlossen, für die beste Arbeit zum Thema Energieeinsatz erstmals den „Merck Energy Award“ zu vergeben, der mit einem Praktikum in der Firma verbunden ist.

          Bundeswettbewerb in Bremerhaven

          Auf diesen Preis können sich eine ganze Reihe der angehenden Wissenschaftler Hoffnung machen, die ausgiebig an ihren Ständen in der Merck-Turnhalle der Jury Rede und Antwort standen. Markus Peier und Florian Loch von der Lichtenbergschule in Darmstadt zum Beispiel haben sich mit der energetischen Sanierung ihres Schulgebäudes beschäftigt. Ihre Mitschülerin Ricarda Rust visualisierte den Strompreis im Tages- und Nachtverlauf, um so zu einem „Super Spar Tarif“ zu animieren. Sebastian Spohner und Alexej Grjasnow aus Frankfurt stellten Untersuchungen zur biologischen Brennstoffzelle vor, die zeigen, dass man mit Joghurt ausreichend Energie zum Betrieb eines kleinen Propellers erzeugen kann.

          Drei Schüler der Grimmelshausenschule in Gelnhausen wiederum warteten mit dem „Low-Cost-Handy-Detektor“ auf. Mit ihm lässt sich überprüfen, ob in einem (Schul-)Raum noch Mobiltelefone eingeschaltet sind. Mit jeweils sechs Arbeiten haben in diesem Jahr die Sparten Technik, Physik und Mathematik/Informatik die Nase beim Landesentscheid vorne, dicht gefolgt von Biologie und Arbeitswelt. Vier Projekte befassen sich mit chemischen Phänomenen, zwei mit Geo- und Raumwissenschaften. Am Dienstag um 15 Uhr wird die Wettbewerbsjury mitteilen, welche der Projekte sich für den Bundeswettbewerb qualifiziert haben, der vom 22. bis 25. Mai in Bremerhaven stattfindet.

          Gräf hat in diesem Jahr über die Teilnahme in Darmstadt nicht klagen können. Die Anmeldezahlen schnellten um 42 Prozent nach oben. Etwa 80 Prozent der 64 Teilnehmer sind erstmals dabei, gleichwohl gibt es für die Wettbewerbsleiterin gute „alte Bekannte“. Ob nun die Lichtenbergschule aus Darmstadt, die Diltheyschule aus Wiesbaden, die Main-Taunus-Schule aus Hofheim oder die Grimmelshausenschule – Schüler von dort haben es ebenso wie Mitglieder des „Physikclubs Kassel“ Jahr für Jahr bis zum Landeswettbewerb geschafft und manche anschließend bis zum Bundesentscheid.

          Party im Physikclub in Kassel

          Für Gräf sind solche Erfolge besonderen Strukturen an diesen „Eliteschulen“ geschuldet, die der Forschungsbegeisterung und Kreativität junger Menschen entgegenkommen. Dazu zählt sie ausgedehnte Wahlpflichtbereiche, das Angebot an Arbeitsgemeinschaften, „rührige Betreuungslehrer“ sowie Schulleitungen, die bereit seien, Lehrern auch Entlastungsstunden zu gewähren. „Man muss es wollen und organisatorisch möglich machen, dann entwickelt sich auch etwas“, sagt Gräf, die in den meisten Jungforschern Teamarbeiter erkennt, die vom „innovativen Spiel“ und vom Gemeinschaftsgefühl fasziniert sind:

          „Der Physikclub in Kassel hat heute 70 Mitglieder. Wenn die sich freitag abends treffen, dann ist das so, als gingen sie auf eine Party. Manche Lehrer fahren die Schüler erst nachts zurück.“ Ein ähnliches Phänomen gebe es an der Lichtenbergschule mit dem „Weird Science Club“. In diesem Jahr beteilige sich das Darmstädter Gymnasium gleich mit fünf Projekten.

          Die 64 Teilnehmer am diesjährigen Landeswettbewerb decken für Gräf keineswegs das Potential an wissenschaftlichem Nachwuchs in Hessen ab. Dies zeige sich schon an den 25 Prozent jener angemeldeten Arbeiten, die am Ende nicht eingereicht worden seien, vermutlich weil die Zeit nicht ausgereicht habe. Deshalb will die Wettbewerbsleiterin die Basis weiter stärken: Nachdem mit Nordhessen ein fünfter Regionalwettbewerb eingeführt wurde, denkt Gräf an einen weiteren im Wiesbadener Raum. „Es gibt noch viel mehr Projekte an den Schulen, aber manche wissen noch immer nichts von ,Jugend forscht‘ oder trauen sich nicht, sich anzumelden.“

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