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Joachim Böger : Ein Querdenker setzt sich zur Ruhe

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Joachim Böger, Chef der Stadtwerke Offenbach Holding, hat dem Unternehmen seinen Stempel aufgedrückt Bild: Rainer Wohlfahrt

Vom „Sponti“ zum Manager in der Kommunalwirtschaft: Joachim Böger, der Geschäftsführer der Stadtwerke Offenbach, räumt seinen Posten.

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          Querdenker wie den Dichter und Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger mag Joachim Böger. „Das ist einer, der eine eigene Haltung hat“, sagt der sechzig Jahre alte Geschäftsführer der Stadtwerke Offenbach Holding (SOH) GmbH, der Ende des Monats auf eigenen Wunsch in den Ruhestand geht. Böger schätzt Enzensberger als Autor wie als politisch Denkenden. Politisch denkt auch Böger. Er versteht darunter etwas, das mit der Verantwortung des Einzelnen für die Gesellschaft zu tun hat. Ob an der Spitze des Ausbildungsbetriebs, der Entsorgungs- und Busunternehmen: In den vergangenen fünfundzwanzig Jahren hat Böger als Manager die Offenbacher Kommunalwirtschaft nicht nur entscheidend mitgeformt, sondern als zuletzt alleiniger SOH-Geschäftsführer auch eine der einflussreichsten Positionen im Machtgefüge der Stadt erklommen und instinktsicher ausgefüllt.

          Jüngster Beleg für die Bedeutung dieses Chefpostens ist der monatelange Machtkampf um die Berufung eines Nachfolgers für Böger, ein Machtkampf, der die Ampelkoalition an den Rand des Zusammenbruchs trieb. Die SOH, vor neun Jahren auf Betreiben des damaligen Oberbürgermeisters Gerhard Grandke (SPD) als „steuernde Finanzholding“ im „Stadtkonzern Offenbach“ gebildet, hat sich zum zentralen Instrument der Stadtentwicklung gewandelt.

          „Besser leben in Offenbach“

          Was die mit fast einer halben Milliarde Euro verschuldete Stadt aus eigener Kraft nicht mehr schafft, hat die Holding zu bewerkstelligen. So soll sich unter SOH-Regie der frühere Offenbacher Hafen, seit mehr als einem Jahrzehnt eine Industriebrache, in ein modernes, ökologisch vorbildhaftes Stadtviertel am Main verwandeln. Auf dem Bieberer Berg hat für 25 Millionen Euro ein neues Stadion zu erstehen, Heimstätte des in der dritten Bundesliga spielenden Fußballklubs Kickers Offenbach. Mittlerweile ist die Holding für sechs Tochtergesellschaften – von der Müllabfuhr über den Wohnungsbau bis zum Busbetrieb – verantwortlich, die zusammen 800 Mitarbeiter beschäftigen.

          Dass die SOH zur Stadtentwicklungsgesellschaft geworden ist, ist nicht nur der städtischen Finanznot geschuldet – es ist auch das Werk Bögers. Die städtischen Gesellschaften hat er auf Wettbewerb mit der Privatwirtschaft getrimmt und für die Beteiligung von Privaten geöffnet. Mit Leidenschaft sorgte er dafür, dass aus den ehemaligen städtischen Ämtern und Eigenbetrieben bürgernahe Wirtschaftsunternehmen werden. Die Kampagne „Besser leben in Offenbach“ ist hiervon ein Ausdruck. Unter dem Stichwort „Die SOH als Werttreiber für Offenbach“ fasste Böger in einem „Strategiepapier“ seine Erfahrungen in der Kommunalwirtschaft und vor allem der SOH zusammen. Sein Vorstoß mündet in einer Konzentration strategischer Aufgaben bei der SOH, ob es um die Steuerung der städtischen Beteiligungen oder die Erschließung neuer Geschäftsfelder, etwa auf dem Energiegebiet, und die Befugnisse gegenüber den Tochtergesellschaften geht.

          Beruflicher Werdegang

          Bögers „Strategiepapier“ ist umstritten – im SOH-Aufsichtsrat nicht minder als in der Ampelkoalition. Doch mit dieser kommunalpolitisch bedeutsamen Hinterlassenschaft hat Böger auch den Maßstab für seinen mittlerweile bestellten Nachfolger aufgerichtet, Peter Walther, Geschäftsführer der Eso Dienstleistungsgesellschaft.

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