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Jennifer Braun und der „Contest“ : Von der Schulbank zum Popstar

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Jennifer Braun in ihrer Klasse in der Dr. Obermayr Europaschule in Wiesbaden-Erbenheim Bild: Michael Kretzer

Jennifer Braun aus Eltville hat sich viel vorgenommen: Gute Noten in der Schule, beim Casting eine Runde weiter kommen, sich selbst nicht verändern. Die Schülerin bewirbt sich als deutsche Kandidatin für den „Eurovision Song Contest“. Unter den letzten Sechs ist sie schon.

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          Jennifer Braun aus Eltville hat sich viel vorgenommen: Gute Noten in der Schule, beim Casting eine Runde weiter kommen, sich selbst nicht verändern. Jennifer ist unter den letzten sechs Kandidaten der Castingshow „Unser Star für Oslo“ und damit eine mögliche Kandidatin für den deutschen Beitrag zum Schlagerfestival „Eurovision Song Contest 2010“. Der Alltag des 18 Jahre alten Show-Kükens steht seit drei Wochen Kopf.

          Seit Sonntag Abend probt und schläft Jennifer schon wieder in Köln. Heute Abend folgt dann der vierte große Auftritt vor einem Fernseh-Millionenpublikum. Nur donnerstags und freitags geht sie derzeit noch in die Schule.

          Alles um sie herum habe sich von jetzt auf gleich verändert. „Manchmal ist es schon ein bisschen komisch. Da schauen mich fremde Menschen sekundenlang an und sagen nichts. Dann lächle ich einfach nett und die lächeln dann zurück“, sagt Jennifer. Nicht nur in ihrem Heimatort Eltville würde sie erkannt werden, auch die Mitschüler der Obermayr Europa-Schule in Wiesbaden wüssten ganz genau, wer mit ihnen zusammen die Schulbank drückt. „Ich wollt dir nur sagen, dass du ganz toll gesungen hast am letzten Dienstag“, sagt ein kleiner Junge im Foyer der Schule zu Jennifer, und sie bedankt sich höflich.

          So haben Fernsehzuschauer die Eltviller Schülerin auf der Bühne gesehen

          Rheingauerin bleibt bodenständig

          Die Vermutung liegt nicht fern, dass ein junges Mädchen abhebt, wenn es ein paar gute Kritiken einheimst oder wenn Achtzigerjahre-Ikone Nena gesteht „ich bin ein Jennifer-Fan.“ Doch die Rheingauerin bleibt bodenständig. „Ich fühle mich an dieser Schule sehr wohl und ich weiß, dass ich das Vertrauen zurückzahlen muss.“

          Für die Zeit des Wettbewerbs ist Jennifer an drei Tagen der Woche vom Unterricht befreit. „Die Schule sagte sofort, mach dir keinen Stress, wir unterstützend dich. Das fand ich toll“, erzählt Jennifer. Das ginge nur weil ihre Leistungen bisher „gestimmt“ hätten und es für die Privatschule grundsätzlich wichtig sei die Begabungen der Schüler zu fördern, sagt die stellvertretende Schulleiterin Lore Brendel.

          Möglichst geringe Auswirkungen auf den Schulbetrieb

          „Im Kollegium verfolgen viele die Show. Selbst Kollegen, die Jennifer gar nicht im Unterricht haben“, sagt Brendel. Allerdings seien alle darauf bedacht, das Thema „unten“ zu halten, wie es heißt. Der Schulbetrieb müsse mit wenigen Ausnahmen so weiter gehen wie bisher. Aber das sei auch kein Problem, da Jennifer kein großes Aufhebens um sich mache, sagt Brendel.

          Eine Ausnahme werde aber gemacht, wenn Jennifer das Casting gewinne. Dann müsse sie sicherlich ein Ständchen in der Mensa singen, mehr aber nicht, sagt Brendel. Einige Kollegen aus dem Lehrerzimmer hätten allerdings nicht so lange warten wollen und sicherten sich acht Karten für die Castingshow.

          Bis zum Finale ist es noch ein weiter Weg. Die Teilnahme an der Vorauswahl zum „Eurovision Song Contest 2010“ ist für Jennifer schon jetzt einen riesen Erfolg. Im Alter von 13 Jahren stand sie mit ihrer Band das erste Mal auf der Bühne - mit Zahnspange und roter Lederhose. 50 Zuschauer hörten ihr damals zu. Heute sind es mehrere Millionen.

          „Ich bin ein lauter, lustiger Mensch“

          Positiv komisch, unwirklich und cool. So fühlt es sich für Jennifers Freunde an, wenn sie ihre Klassenkameradin zum Auftritt nach Köln begleiten oder die Show am Fernseher verfolgen. Eine andere Person als ihre Jenny sehen sie allerdings nicht. „Sie ist auf der Bühne genauso wie auch im wahren Leben“, sagt ihre Freundin Lisa. Untereinander würden sie gar nicht so viel über die Castingshow reden. „Allerdings fragen mich hin und wieder auch die Lehrer nach Jenny“, sagt Lisa und manchmal sei der letzte Auftritt der Mitschülerin dann doch Thema im Unterricht. Zumindest unter den Jugendlichen.

          Neider gebe es bisher keine. Zumindest kenne Jennifer keine. Ihre größte Sorge ist, dass die Mitschüler sie im Falle des Ausscheidens beleidigen oder auslachen würden. Aber auch damit müsse man klar kommen, sagt Jennifer. Hauptsache sie wisse sicher, dass sie sich die große Mühe gegeben hätte und den Wettbewerb ernst genommen sich nichts selbst vorzuwerfen hätte. Bisher würde sie jedoch von allen Seiten unterstützt werden. „Ich bin ein lauter, lustiger Mensch und verändern will ich mich auf gar keinen Fall.“

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