https://www.faz.net/-gzg-7y6jy

Jahresrückblick : Das war 2015

Frankfurts Kulturpalast: Die Europäische Zentralbank will mehr sein als eine große Geldverteilungsmaschine. Bild: dpa

Das Jahr ist jung, doch sei’s drum: Unser Jahresrückblick für die Rhein-Main-Region, 362 Tage zu früh und - Achtung - nicht so ernst gemeint.

          Januar

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          14. Die neue Wertstofftonne in Wiesbaden ist von Anfang an ein voller Erfolg. Die Bürger der Landeshauptstadt nehmen das Angebot, auch rostige Gießkannen oder Plastikeimer auf diese Weise zu entsorgen, gerne und fleißig an. Allerdings bildet sich schnell eine Bürgerinitiative, die verlangt, angesichts der hohen Einnahmen, die man mit dem Verkauf dieses Abfalls erziele, müssten die Müllgebühren gesenkt werden.

          18. Die Bilanzen zu einem Jahr Schwarz-Grün in Hessen überraschen durch Ehrlichkeit und Selbstkritik. Die Regierungsparteien räumen neben der Begeisterung, wie gut ihr Modell funktioniere, ein, dass man etwa bei der Energiewende noch nicht so weit sei, wie man es sich vorgestellt habe. Die Opposition gibt im Gegenzug zu, dass sie sich so viel Harmonie zwischen CDU und Grünen nicht hätte vorstellen können und die Koalition zumindest auf dem richtigen Weg zur Schuldenbremse sei.

          Februar

          16. Alles überstrahlendes Motiv beim Rosenmontagsumzug in Mainz sind Merkel und Putin, Seit’ an Seit’ beim Kasatschok. Der Bundeskanzlerin ist es erst einige Tage zuvor gelungen, den russischen Präsidenten im Konflikt mit der Ukraine zum Einlenken zu bewegen. Die Wagenbauer haben drei Nachtschichten hintereinander eingelegt, um diese Wendung in der Weltpolitik in Pappmaché zu formen.

          28. Die Inbetriebnahme des Windparks in Heidenheim gerät zum Volksfest. Auch Mitglieder von Bürgerinitiativen aus Kommunen, in denen die Windräder höchst umstritten sind, laben sich an Wein und Grillwürsten. Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) kündigt an, sein Haus werde Bustouren nach Heidenheim organisieren, damit Menschen, die skeptisch gegenüber dieser Form der regenerativen Energie sind, sich anschauen könnten, wie harmonisch sich die Mühlen ins Landschaftsbild schmiegten.

          März

          6. Zum Erstrundenspiel im Daviscup in der Ballsporthalle ist wieder Boris Becker zu Gast. Schließlich habe er in Frankfurt einige seiner schönsten Erfolge gefeiert, lässt er wissen und verrät schon einmal den Arbeitstitel seiner dritten Autobiographie. Nach „Augenblick, verweile doch“ und „Das Leben ist kein Spiel“ soll sie heißen, „So jung, wie man sich fühlt“. Oder so.

          15. Zur Feier des 200-jährigen Bestehens der Frankfurter Städel-Stiftung wird eine Spende von zehn Millionen Euro bekannt, um den Bestand alter Meister des Kontinents zu komplettieren. Der Mäzen soll vorerst geheim bleiben. „In drei Tagen wissen Sie vielleicht mehr“, deutet Museumsdirektor Max Hollein mysteriös an.

          18. Die Eröffnung des Neubaus der Europäischen Zentralbank verläuft friedlicher als befürchtet, Ausschreitungen von Autonomen während der Demonstration des Blockupy-Bündnisses bleiben aus. Am Ende bildet sich eine Lichterkette um den Komplex. Am Abend gibt EZB-Präsident Mario Draghi bekannt, sein Institut werde sich noch stärker für die Kultur am Sitz der Notenbank engagieren.

          April

          1. Die geplante Eröffnung des Stadthauses in der restaurierten Frankfurter Altstadt wird abgesagt. Unbestätigt bleibt, dass die Planer plumpe Anspielungen am „Tag des Scherzes“ vermeiden wollten.

          28. Nun rumort es doch in der schwarz-grünen Koalition: Wirtschaftsminister Al-Wazir hat den fünfzigsten Jahrestag des „großen Hessenplans“ des damaligen Ministerpräsidenten Georg August Zinn (SPD) zum Anlass genommen, einen „grünen Hessenplan“ vorzulegen. Aus Sicht nicht weniger in der CDU liest die Agenda sich so, als sehe sich der Juniorpartner schon für die nächsten Jahrzehnte als Regierungspartei – in welcher Konstellation auch immer.

          Weitere Themen

          Syrischer Flüchtling kehrt heim Video-Seite öffnen

          Von Berlin in den Krieg : Syrischer Flüchtling kehrt heim

          2015 kam Mohammed al-Naimi über die Balkanroute nach Deutschland, der junge Syrer baute sich in Deutschland ein neues Leben auf. Doch der Krieg in seiner Heimat ließ ihn nicht los, gegen der Rat seiner Familie kehrte er zurück und schloss sich einer ehemals von Amerika unterstützten Widerstandsgruppe an.

          Topmeldungen

          Spahns Notfallplan : Fast schon verdächtig viel Zustimmung

          Der Gesundheitsminister will Kassenärzte und Krankenhäuser zur Zusammenarbeit zwingen – und erhält dafür Lob von allen Seiten. Doch bei der Umsetzung sperren sich die Verantwortlichen noch.
          Hat sich zum Zwei-Prozent-Ziel der Nato-Staaten bekannt: Annegret Kramp-Karrenbauer

          Akks Wehretat : Der Streit schwelt weiter

          Die neue Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer bekräftigt das Ziel der Nato, dass die Verteidigungsausgaben steigen sollen. Das provoziert Widerstand – in der Opposition und selbst beim Koalitionspartner.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.