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Nach Kritik an Apotheken-Name : „Verbeugung vor der Fortschrittlichkeit der Mauren“

  • -Aktualisiert am

Bundesweit tragen rund 100 Apotheken den Mohr im Namen – und haben ähnliche Schwierigkeiten wie die Apotheken in Friedberg. (Symbolbild) Bild: Michael Braunschädel

Den Namen trägt die Hof-Apotheke zum Mohren in Friedberg schon seit vielen Jahren – seit einiger Zeit aber wird die Inhaberin dafür kritisiert. Nach einer Demonstration geht sie die Offensive.

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          Die Hof-Apotheke zum Mohren in Friedberg blickt auf eine lange Geschichte zurück. In dritter Generation wird sie von Apothekerin Kerstin Podszus geführt. Viele Jahre hat sich niemand am Namen gestört, jetzt wird dagegen demonstriert. So wie am Samstag vor einer Woche. Der „Mohr“ solle aus dem Namen verschwinden, forderten die Demonstranten.

          Wenn auch der Protest offenbar zum größten Teil friedlich abgelaufen sei, habe sie sich doch irgendwann so stark bedrängt gefühlt, dass sie den Notruf der Polizei angerufen habe, berichtet Podszus. Die Demonstranten forderten nicht zum ersten Mal, dass sie auf die Bezeichnung „zum Mohren“ verzichtet. Das lehnt Podszus jedoch ab. Warum sie das tut, hat sie nun in einer Pressekonferenz erläutert. Unterstützt wurde sie dabei von ihrem Rechtsbeistand Konrad Dörner.

          Den Namen trägt das Haus schon seit vielen Jahren – seit wenigen Jahren wird Podszus dafür kritisiert. Damit ist sie nicht allein, bundesweit gibt es rund 100 Apotheken mit ähnlichem Namen und entsprechend ähnlichen Schwierigkeiten. Die Gegner lehnen den „Mohren“ im Namen als diskriminierend und rassistisch ab.

          Kunden werden als Rassisten beschimpft

          Dagegen verwahrt sich die Apothekerin. Nach eigenen Worten macht es ihr zu schaffen, dass sie von den Demonstranten und Initiatoren der Proteste stigmatisiert, provoziert und diffamiert werde. In den sozialen Netzwerken würden auch ihre Kunden als Rassisten beschimpft, berichtet sie im Gespräch. Gleichwohl hält sie auch weiterhin sowohl am Namen als auch am Logo fest. Dieses zeigt eine dunkelhäutige Figur, die bei genauerem Hinsehen ein Medizinfläschchen sowie einen Äskulapstab hält. Sowohl Name als auch Logo seien aber weder abwertend noch diffamierend zu verstehen, sagt die Apothekerin.

          Und weil es hier auch um sprachwissenschaftliche Facetten geht, erläutert Dörner, wie unterschiedlich beide Seiten die Herkunft des Begriffs Mohr verstehen. Demnach leiteten die Gegner den Mohren vom griechischen Wort „moros“ ab, was so viel wie einfältig oder dumm bedeute. Einige Sprachwissenschaftler hielten allerdings dagegen, dass sich der Mohr von den Mauren ableite, zitiert Dörner. Und die seien nun einmal in Sachen Apothekerkunst schon vor 800 Jahren vorne gewesen. Deshalb sei sowohl der Name „zum Mohren“ als auch die Figur vielmehr „eine Verbeugung vor der Fortschrittlichkeit und der Innovationskraft der Mauren“, hebt Podszus hervor.

          Jetzt sammelt sie in ihrer Apotheke und auch online, wie schon vor zwei Jahren, Unterschriften von Kunden und Sympathisanten. Mit dem Initiator der Proteste habe sie E-Mail-Adressen ausgetauscht, sagt Dörner. Zu einem persönlichen Gespräch sei es bis heute aber nicht gekommen. Nach den Worten Dörners verlangten die Demonstranten, dass der Name der Apotheke zunächst geändert werde, bevor sie überhaupt bereit seien, Gespräche zu führen.

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