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Irish Travellers : „Dieses irre Wochenende ist vorüber“

  • Aktualisiert am

Liegengeblieben: Die Landfahrer verschwanden so überraschend, wie sie gekommen waren. Bild: Bernd Kammerer

Irische Landfahrer haben die Polizei und die Anwohner in Ginsheim-Gustavsburg seit vergangenem Mittwoch in Atem gehalten. Nun sind sie weitergezogen.

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          Nach mehrtägiger Aufregung und etlichen Klagen von Anwohnern haben Hunderte irische Landfahrer ihr wildes Camp in Ginsheim-Gustavsburg (Kreis Groß-Gerau) wieder verlassen. Am Montagmorgen zwischen 8 und 9 Uhr waren die bis zu 600 Männer, Frauen und Kinder plötzlich weg, wie Polizei und Stadtverwaltung mitteilten. Zuvor hatten Beschwerden abermals für einen nächtlichen Polizeieinsatz wegen Ruhestörung gesorgt. „Dieses irre Wochenende ist vorüber“, sagte Bürgermeister Thies Puttnins-von Trotha (parteilos) erleichtert. „Wir sind froh, dass sie weg sind.“

          Das neue Reiseziel der etwa 120 Gespanne war zunächst nicht bekannt. Vermutungen, dass sich die Camper in Richtung Wiesbaden aufgemacht haben können, um dort wie angekündigt an einem Gottesdienst zum katholischen Fest Mariä Himmelfahrt teilzunehmen, bestätigten sich nicht. Wie die Polizei in Wiesbaden berichtete, seien die Gespanne auf der Autobahn in Kleingruppen unterwegs nach Norden gesehen worden - „vermutlich in Richtung Heimat“.

          „Es sieht aus wie nach einem Rockfestival“

          Laut Polizei hatten Anwohner in der Nacht zum Montag nach dem Besuch einiger Camper in umliegenden Kneipen über Lärmbelästigungen geklagt. Schon in den vergangenen Tagen war die Polizei wegen der irischen „Traveller“, einer Minderheit von Landfahrern, mit einem Großaufgebot vor Ort. Seit Mittwoch lagerten die Camper auf der zwischen Rhein und Main gelegenen Ochsenwiese sowie im Burgpark. Seitdem gab es Beschwerden von Anwohnern über Lärm und Müll. Auch Diebstahl und Sachbeschädigungen und Streitigkeiten mit Anwohnern wurden gemeldet. Die Polizei hatte am Wochenende deshalb ihre Kräfte dort verstärkt.

          Die Stadt Ginsheim-Gustavsburg hat nun mit den Hinterlassenschaften der ungebetenen Gäste zu kämpfen: viel Müll, ein ausrangiertes Fahrrad und ein alter Stuhl, unzählige leere Flachen und Bierkisten. „Es sieht aus wie nach einem Rockfestival“, berichtet der Bürgermeister. Nachdem viele Bürger ihre Hilfe angeboten haben, hatte die Verwaltung für den Nachmittag alle Freiwilligen eingeladen, selbst mit Hand anzulegen, um den Dreck möglichst schnell zu beseitigen. In drei Wochen, so hofft man in der rund 16 000 Einwohner zählenden Stadt vor den Toren von Mainz und Wiesbaden, wird von dem nicht genehmigten Lager nicht mehr viel zu sehen sein.

          Schon der zweite Besuch der Landfahrer in Wiesbaden

          „Das ist ein deutschlandweites Phänomen - und das braucht keine Stadt“, sagt Puttnins-von Trotha mit Blick auf das „Traveller“-Camp. Gemeinsam mit anderen Vertretern der Stadt und der Polizei will er sich nun überlegen, wie ein neuerlicher Besuch der Landfahrer verhindert werden kann. „Wenn sie da sind, wird man sie nicht mehr so leicht los“, sagt der Bürgermeister, der nun die wohl größte Herausforderung in seiner erst zweimonatigen Amtszeit überstanden hat. „Ich habe gelernt: Wir haben zu wenig kleine Müllcontainer zum Aufstellen direkt vor den Wohnwagen ausgeteilt.“ Die aufgestellten Tonnen seien gut angenommen worden, die größeren Container in etwas Abstand zu den Campermobilen dagegen nicht.

          Bei den Campern handelt es sich um eine Minderheit der sogenannten Landfahrer. Sie hatten sich bereits im vergangenen Jahr auf der Maaraue im Wiesbadener Stadtteil Mainz-Kostheim versammelt. Mit dem alljährlich am 15. August begangenen Fest Mariä Himmelfahrt erinnern gläubige Katholiken an die Überlieferung kirchlicher Schriften zur Aufnahme von Jesu Mutter in den Himmel. Ob es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen dem Kirchenfest und dem Camp an der Mainmündung gab, ist fraglich. In Polizeikreisen war zu hören, dass es sich dabei auch um einen bloßen Vorwand der Landfahrer gehandelt haben könnte.

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