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: Investor will Metzler'schen Badetempel in Offenbach als Galerie nutzen

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Bunte Malereien und Sprüche zieren die Außenwände. Trotz versperrter Zugänge haben Graffiti-Künstler ihre Spuren auch auf den Innenwänden hinterlassen. Direkt vor dem halbrunden Balkon floß einst der Main.

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          Bunte Malereien und Sprüche zieren die Außenwände. Trotz versperrter Zugänge haben Graffiti-Künstler ihre Spuren auch auf den Innenwänden hinterlassen. Direkt vor dem halbrunden Balkon floß einst der Main. In der verbliebenen Mulde haben Zeitgenossen mit wenig Sinn für die frühere Schönheit des historischen Gebäudes allerlei Gerümpel und mehrere umgekippte Einkaufswagen hinterlassen. Der Metzler'sche Badetempel im Offenbacher Lili-Park, einst ein beeindruckendes Bauwerk, präsentiert sich heute als heruntergekommene Bauruine, die der Stadt, der das Gebäude seit 1951 gehört, keine Ehre macht.

          Das soll sich in absehbarer Zeit ändern. Der 40 Jahre alte Volker Hohmann, dem die Firma Ikarus Vertriebs GmbH, ein Design-Vertriebs-Unternehmen mit 20 Mitarbeitern, in Linsengericht bei Gelnhausen gehört, will den im klassizistischen Stil errichteten Badetempel zu neuem Leben erwecken. Von einem "Meilenstein in der Entwicklung der denkmalgeschützten Immobilie" sprach Oberbürgermeister Gerhard Grandke (SPD) bei der Vorstellung der Pläne am Donnerstag. Zum sechsten oder siebten Mal versucht die Stadt, das Bauwerk zu reaktivieren: Das Vorhaben, den Badetempel gastronomisch zu nutzen, zerschlug sich ebenso wie die Idee, das Stadtmuseum dorthin zu verlagern. Auch die Absicht, eine ortsansässige Bank in einem neben dem Badetempel errichteten Neubau unterzubringen, war nicht von Erfolg gekrönt, weil das Geldinstitut mehr Mitarbeiter als ursprünglich vorgesehen in Offenbach zusammenführte und der Anbau sich dafür als zu klein erwies.

          Hohmann hat vor 14 Jahren schon den 1806 entstandenen Jussowschen Tempel bei Altenhaßlau gekauft und saniert. Gleiches hat er mit dem Offenbacher Badetempel vor. Den ließ der Frankfurter Bankier Friedrich Metzler 1798 nach den Plänen des französischen Architekten Nicolas Alexandre de Salins de Montfort errichten. Johann Wolfgang von Goethe und Lili Schönemann, Tochter eines Frankfurter Bankiers, hatten sich 1775 in dem Parkgelände, das damals noch Lilis Onkel Nikolaus Bernard gehörte, als Liebende getroffen. Zwar stand der Badetempel damals noch nicht, denoch wird er heute gemeinhin "Lili-Tempel" genannt. Auf 600000 bis 900000 Euro schätzt Hohmann die Kosten für die Renovierung, die auch die beiden nördlichen Ecktürme einschließen soll. Das alte Gebäude will Hohmann als Galerie nutzen. Es soll durch einen sich in westlicher Richtung anschließenden, etwa 13 mal sechs Meter großen und rund 7,5 Meter hohen Neubau ergänzt werden, der als Ausstellungsraum dienen soll. Er wird jenen Platz einnehmen, auf dem einst die 1880 erbaute Orangerie stand, deren Gläser im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden und die später zerfiel. Unmittelbar dahinter ist ein separater zweistöckiger Trakt unter anderem mit Wohnräumen vorgesehen, die Hohmann künftig nutzen will. Die Galerie mit dem Schwerpunkt auf moderner Kunst möchte er möglicherweise selbst betreiben. Die Kosten für den Neubau bezifferte Hohmann auf 200000 bis 250000 Euro.

          Die Stadt wird Hohmann den Metzlerschen Badetempel mit der dazugehörigen 3000 Quadratmeter großen Parkfläche in Erbpacht für 99 Jahre überlassen. Grandke hob hervor, man habe das Vorhaben mit dem Landesamt für Denkmalpflege abgestimmt und könne mit dessen Zustimmung rechnen. An zwei Tagen in der Woche sollen die Galerie und die künftig eingezäunte Fläche um den Badetempel geöffnet sein; darüber hinaus sind weitere fünf Öffnungstage im Jahr einschließlich des "Tags des Denkmals" vereinbart. Grandke sprach von insgesamt 109 Öffnungstagen im Jahr. In dem alten Mainarm unmittelbar vor dem Balkon wird eine etwa 300 Quadratmeter große Wasserfläche entstehen. Die Wegeführung soll etwas verändert und der Park künftig von der Herrnstraße her zugänglich sein. Vorgesehen ist, daß die Investitionen zur Sanierung des Badetempels mit dem Erbbauzins verrechnet werden. Grandke zeigte sich "froh, daß wir wieder einen Schritt weiter sind". Bürgermeister Stephan Wildhirt (SPD) sprach von einer "großen Chance".

          Hohmannrechnet damit, daß die Baugenehmigung noch in diesem Jahr vorliegt. Im Frühjahr 2004 könnte mit Sanierung und Neubau begonnen werden, die eineinhalb bis zwei Jahre in Anspruch nehmen dürften. Bruno Knapp vom 1994 gegründeten Förderkreis "Wiederaufbau Metzler'scher Badetempel" zeigte sich erfreut über das Vorhaben und rief zu Spenden für die Ausstattung des Badetempels oder zur Restaurierung der Ecktürme auf.

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