https://www.faz.net/-gzg-u7cz

Interview : „Die Wahl kann ein eigenartiges Ergebnis haben“

  • Aktualisiert am

Stadtkämmerer und Bürgermeisterkandidat der CDU: Helmut Müller Bild: F.A.Z. - Cornelia Sick

Wiesbadens CDU-Kandidat Helmut Müller verteidigt den Wahlleiter Peter Grella, hat Mitleid mit Ernst-Ewald Roth und von manchen Dingen „keine Ahnung“.

          Wiesbadens CDU-Kandidat Helmut Müller verteidigt den Wahlleiter Peter Grella, hat Mitleid mit Ernst-Ewald Roth und von manchen Dingen „keine Ahnung“.

          Darf man Sie als Oberbürgermeister in spe ansprechen?

          Nein.

          Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie Wiesbadens Oberbürgermeister werden, ist aber deutlich gestiegen.

          Ich bin da sehr zurückhaltend. Ich will niemand verprellen.

          Wann haben Sie davon erfahren, dass die SPD die Frist versäumt hatte?

          Das war so. Peter Grella. . .

          ... der Wahlleiter und Ihr CDU-Freund. . .

          ...Peter Grella rief mich am Donnerstag abend an und wollte mir das Ergebnis mitteilen und deutete an, dass da etwas schiefgelaufen war. Da habe ich gesagt, das will ich nicht wissen, ruf den Oberbürgermeister an. Der zwar Urlaub hat, sich aber in Wiesbaden aufhält.

          Warum wollten Sie das nicht wissen?

          Weil ich ja als Kandidat ein Betroffener bin.

          Was hat Grella genau gesagt?

          Weiß ich nicht mehr genau. Irgendwas wie „komisches Ergebnis“ oder so.

          Sie hatten zuvor keinen Wind davon bekommen, dass Ihr Gegenkandidat Roth praktisch aus dem Rennen war?

          Ich wusste das nicht.

          Wann genau haben Sie davon denn erfahren?

          Definitiv wusste ich es am Freitagmorgen.

          Wodurch?

          Da hat mich Peter Grella informiert. Da war es ja offiziell.

          Wieviele Menschen wussten eigentlich vorab, dass die SPD die Frist verpasst hatte?

          Keine Ahnung.

          Aber im Amt für Wahlen und Statistik müssen doch mehrere Mitarbeiter davon gewusst haben?

          Keine Ahnung.

          Vielleicht tut man da jemandem unrecht, aber man kann sich das ja auch so vorstellen: Da arbeiten vielleicht im Wahlamt Menschen, die der CDU nahestehen und die vielleicht die Luft anhalten, ob die SPD es nicht doch noch merkt, dass sie dabei ist, eine Frist zu versäumen. Halten Sie das für möglich?

          Ich weiß es nicht. Ich hab keine Ahnung, wer dort arbeitet, ich hab keine Ahnung wieviele Leute dort arbeiten. Die Frage lautet doch: Hätte der Wahlleiter die SPD informieren müssen?

          Nein, das ist eben nicht die Frage. Die Frage lautet: Hätte der Wahlleiter die SPD informieren dürfen, gegebenenfalls informell?

          Gut, aber dann hätte die Gefahr bestanden, dass die OB-Wahl anfechtbar wäre.

          Hätte Ihr Parteifreund Grella die CDU in einer ähnlichen Lage informiert?

          Das ist eine hypothetische Frage, weil wir uns rechtzeitig angemeldet hatten.

          Hätte eine solche Panne bei der CDU nicht auch passieren können?

          Ich kann nur sagen, unsere hauptamtlichen Mitarbeiter sind in solchen Fragen wie Fristen oder Kandidatenlisten immer hochgradig nervös, weil die Gefahr ziemlich groß ist, einen Fehler zu machen.

          Wie war Ihre spontane Reaktion auf die Nachricht, dass Ihr Hauptrivale nicht antritt?

          Ich hab es nicht geglaubt.

          Haben Sie es am Ende gar bedauert?

          Ich war auch unter der Voraussetzung, dass Herr Roth antritt, der Überzeugung, gute Chancen zu haben. Vor allem bei den Sachthemen hätte ich die Auseinandersetzung gern gesucht. Ich war hier Kämmerer und Wirtschaftsdezernent, ich glaube, ich habe diese Aufgaben gut erledigt, und jetzt ist die nächste Stufe angesagt.

          Haben Sie Mitleid mit Herrn Roth?

          Schon.

          Haben Sie mit ihm gesprochen?

          Ja, kurz beim Volleyball am Sonntag, aber da konnten wir uns nur die Hand geben, es war zu laut für eine Unterhaltung.

          Der Wahlkampf wird jetzt anders zu führen sein?

          Natürlich. Es ist jetzt durch die Konfrontation mit Frau Thies von den Grünen ein Wahlkampf innerhalb unserer Koalition. Vor allem aber stellt sich die Frage der Wahlbeteiligung.

          Der normale CDU-Wähler wird die Wahl für gelaufen halten und daheim bleiben.

          Genau das ist die Gefahr. Ich kann mir vorstellen, dass jetzt die Klientel der Grünen hoch motiviert ist, und das könnte bei niedriger Wahlbeteiligung ein eigenartiges Ergebnis hervorbringen. Deswegen werde ich den Wahlkampf mit derselben Intensität betreiben, wie ich es auch vorher getan hätte.

          Es bestünde theoretisch die Chance, dass alle Bewerber aus Fairness von ihrer Kandidatur Abstand nähmen und die Oberbürgermeisterwahl zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden könnte.

          Die Frage der Fairness können Sie auch andersherum stellen. Alle anderen haben ihre Maschine in Gang gesetzt, Geld aktiviert, Ehrenamtliche motiviert, Plakate gedruckt - und das soll dann alles gestoppt werden, weil die SPD einen Termin übersehen hat?

          Mit welchen Themen ziehen Sie in den Wahlkampf?

          Mit vier Hauptthemen: Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, vor allem der Langzeitarbeitslosigkeit. Da kommt es mir darauf an, den Betroffenen durch konkrete Hilfe wieder Selbstvertrauen zu geben. Projekte wie „Alltagsengel“ kann es gar nicht genug geben. Zweitens Ausbau der Kinderbetreuung, drittens Integration der Ausländer, vor allem ausländischer Jugendlicher, viertens Sicherheit und Sauberkeit.

          Manche Beobachter sagen, dass Ihnen zum Oberbürgermeister die Jovialität fehlt.

          Ach, es wird viel gesagt.

          Sie lieben den Karneval?

          Ich bin kein geborener Karnevalist, aber ein gelernter.

          Küssen Sie gern Weinköniginnen?

          Ja, ich freue mich darauf.

          20 Jahre Wiesbaden

          Helmut Müller wurde 1952 in Heidelberg geboren. Der promovierte Volkswirt war im Bundeskanzleramt, dem Kernforschungszentrum in Karlsruhe und dem Bundestag tätig. 1987 kam er als Grundsatzreferent des damaligen hessischen Ministerpräsidenten Walter Wallmann nach Wiesbaden. Dort ist der verheiratete Vater von drei Kindern inzwischen persönlich und politisch verwurzelt. 2002 wechselte er aus der Hessischen Staatskanzlei, wo er Büroleiter von Ministerpräsident Roland Koch war, ins Wiesbadener Rathaus - die Koalition aus FDP und CDU hatte ihn zum Kämmerer und Wirtschaftsdezernenten gewählt. Im vergangenen September bestimmte ihn das neue Bündnis aus CDU, FDP und Grünen auch zum Bürgermeister. Zuvor schon hatte die CDU ihn zum Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters gekürt. (lr.)

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Nach Unwettern : Verkehr in Teilen Deutschlands gestört

          Ein starkes Unwetter sorgt in Teilen Deutschlands für Störungen und Ausfälle im Bahnverkehr. Auch auf vielen Autobahnen gibt es massive Behinderungen. Am Frankfurter Flughafen wird die Abfertigung zwischenzeitlich eingestellt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.