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Internationale Schule in Seeheim : Hochmobile Eltern, hochmobile Kinder

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Alles auf Englisch: Muttersprachler unterrichten die Schüler Bild: F.A.Z. - Michael Kretzer

Kinder aus mehr als 20 verschiedenen Nationen lernen gemeinsam an der internationalen Schule in Seeheim. Das Besondere an der State International School: Sie kostet kein Schulgeld.

          Bei den „Perfect Penguins“ , den „Kool Koalas“ und den „Happy Hedgehogs“ handelt es sich nicht um Zootiere, sondern um die Klassen der Internationalen Schule in Seeheim. Die Schüler kommen aus den unterschiedlichsten Ländern, sprechen aber dennoch eine gemeinsame Sprache: Englisch. Das Besondere an ihrer Schule ist, dass sie kein Schulgeld kostet, wie dies an den anderen internationalen Schulen in Deutschland üblich ist. Seit 2005 werden nunmehr Kinder aus mehr als 20 Nationen unterrichtet.

          Während der Planungsphase waren immer wieder Befürchtungen aufgekommen, dass auf dem Gelände des Schuldorfs Bergstraße „eine von Steuergeldern finanzierte Eliteeinrichtung“ entstünde. Klaus-Jürgen Hoffie, der als Vorsitzender des Schuldorf-Fördervereins und als Vorsitzender der FDP-Fraktion im Kreistag entscheidend an der Verwirklichung des Schulprojekts beteiligt war, findet die Elite-Vorwürfe unbegründet: „Jeder kann sich um einen Platz bewerben“, allerdings müssten die Kinder die Aufnahmekriterien erfüllen. Da Englisch die Hauptunterrichtssprache sei, müssten die Schüler die Sprache gut genug können.

          Eltern kommen, um zu sehen, was ihre Kinder gelernt haben

          Um zu entscheiden, ob die Sprachkenntnisse ausreichend sind, werden die Kinder, die in die erste Klasse kommen, genauso wie bei jeder anderen Schule, auf die Schulreife getestet – nur eben auf Englisch, sagt Hildegard Jansohn, die Projektleiterin der internationalen Schule. Wenn Englisch nicht die Muttersprache der Kinder sei, so müssen sie dennoch bilingual erzogen worden sein: beispielsweise, wenn die Familie schon im Ausland gelebt habe oder plane, ins Ausland zu gehen. Jedes Jahr könne die Schule etwa 30 Schüler aufnehmen. Bewerbungen gebe es mehr als doppelt so viele. Die Zulassungsordnung legt außerdem fest, dass höchstens ein Drittel der Bewerber Deutsche sein dürfen, um die Internationalität der Schule zu gewährleisten. Alle Eltern sind „highly mobile people“, wie Jansohn sie nennt, die aus beruflichen Gründen oft den Wohnort wechseln müssen. Etwa 15 bis 20 Prozent der Schüler eines jeden Jahrgangs verließen die Schule schon nach einem Halbjahr wieder, schätzt Jansohn. Die Schüler seien bereits daran gewöhnt, sich schnell auf neue Situationen einzustellen. Ohnehin sei es an internationalen Schulen eher selten, dass ein Klassenlehrer seine Klasse über mehrere Jahre hinweg betreue, sagt Jansohn.

          Für drei Millionen Euro wurde das Gebäude gebaut, in dem heute die Schüler bis zur fünften Klasse unterrichtet werden. Ein weiteres Schulgebäude, das etwa 7,5 Millionen Euro kosten wird, ist bereits in Planung, folglich werde es bis zu seiner Fertigstellung ein Platzproblem geben, äußert Jansohn. Vermutlich müssten übergangsweise Container aufgestellt werden. Schuldezernent Christel Fleischmann (Grüne) ist froh, dass das Geld in eine öffentliche Schule fließt: Seine anfänglichen Befürchtungen seien mittlerweile verflogen. Er sei sehr zufrieden darüber, wie sich die „vorbildhafte Einrichtung“ entwickelt habe.

          An diesem Tag ist „Assembly“ an der Schule. Einmal in der Woche werden alle Eltern eingeladen, um zu sehen, was ihre Kinder gelernt haben. Ein Mädchen aus der Klasse der „Perfect Penguins“ zupft seinen Vater am Arm und deutet auf ein Poster, das die Kinder gemeinsam gestaltet haben: „Schau mal Daddy, what I’ve done!“ Wenn es an der Schule bleibt, wird es 2016 zum ersten Jahrgang gehören, der das internationale Abitur, das sogenannte International Baccalaureate, ablegt. Die Lehrpläne seien so zusammengestellt, dass die Schüler nach der zwölften Klasse mit dem International Baccalaureate gleichzeitig auch die deutsche Hochschulreife erlangten.

          Betreuung außerhalb des Unterrichts kostet 270 Euro im Monat

          Wichtig sei dabei, dass in den Prüfungen die Fächer abgedeckt würden, die das Kultusministerium für das deutsche Abitur vorsehe, erklärt Jansohn. Es bestehe aber auch die Möglichkeit, nach der zehnten Klasse mit dem „General Certificate of Secondary Education“, der internationalen mittleren Reife, die Schule zu verlassen. Insgesamt orientieren sich die Lehrpläne am „International Primary Curriculum“, einem internationalen Lehrplan. Er berücksichtigt die verschiedenen kulturellen Hintergründe innerhalb einer Klasse und entspricht den deutschen Lehrplänen dennoch mehr als das britische System, wie Jansohn sagt. Dennoch würden Mathematik und Englisch nach britischen Lehrplänen unterrichtet.

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