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Infarktnetz für Herzpatienten : In 30 Minuten auf dem Behandlungstisch

Es muss schnell gehen: Bei einem Herzinfarkt muss der Patient rasch behandelt werden. Bild: dpa

Seit zehn Jahren gibt es im Hochtaunuskreis ein Infarktnetz für Herzpatienten. Das sichert eine schnellere Versorgung, wenn es um Minuten geht.

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          „Anmeldung“ statt „Anfrage“: Zwischen diesen beiden Wörtern besteht nicht nur ein inhaltlicher Unterschied, zwischen ihnen liegen unter Umständen auch viele Minuten. Und Zeit ist bei den meisten medizinischen Notfällen kostbar, insbesondere nach einem Herzinfarkt. Früher hat die Besatzung eines Rettungswagens oft längere Zeit herumgefragt, bis sie einen Behandlungsplatz für einen Infarktpatienten aus dem Hochtaunuskreis gefunden hatte. Seit zehn Jahren fragt der Notarzt oder Sanitäter nicht mehr, er meldet sich einfach bei den Hochtaunuskliniken in Bad Homburg an und fährt direkt hin. Dort stehen das Herzkatheterlabor mit den entsprechenden Fachärzten und geschultem Assistenzpersonal rund um die Uhr bereit.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Das war nicht immer so: 2006 wurden in den Hochtaunuskliniken nur an zwei Nachmittagen in der Woche länger geplante Untersuchungen vorgenommen. Akute Fälle kamen nach Frankfurt, Bad Soden oder Bad Nauheim. Das änderte sich, als im selben Jahr Hans Hölschermann neuer Chefarzt der Hochtaunuskliniken für Innere Medizin und Kardiologie wurde. Aus Mittelhessen brachte er Erfahrungen beim Aufbau eines Infarktnetzes mit, und vor genau zehn Jahren richtete er ein solches auch für den Hochtaunus ein. Die Kliniken schafften ein modernes Ultraschallgerät an und holten sich einen kundigen Oberarzt. Ein „rotes Telefon“ sollte dafür sorgen, dass Patienten schnellstmöglich die richtige Hilfe bekommen. Der Chefarzt wollte die Zeit zwischen einem Infarkt und dem Erweitern der Arterie mit Hilfe eines Ballons im Katheterlabor auf höchstens 90 Minuten verkürzen.

          Akute Infarktpatienten werden heute in Bad Homburg behandelt

          Die wichtigste Voraussetzung dafür, diese Vorgabe einzuhalten, sind die Patienten und ihre Angehörigen selbst: Sie müssen zuallererst die Symptome richtig deuten und möglichst schnell den Rettungsdienst rufen. Danach kommt nur die Fahrtzeit nach Bad Homburg hinzu, weil das Herumtelefonieren nach einem Krankenhaus entfällt. „Wir haben zwei Behandlungsplätze und müssen niemanden abweisen“, sagt Klinik-Geschäftsführerin Julia Hefty. Auch nicht, wenn eines der beiden Herzkatheterlabore mit einer geplanten Untersuchung belegt sei. Wie schnell der Infarkt bemerkt wird oder wie dicht der Straßenverkehr ist, kann die Klinik nicht beeinflussen. Für den Rest gibt es Messgrößen. „Door to needle“ heißt eine, also die Zeit zwischen der Ankunft des Patienten und dem Moment, wenn die erste Infusion gelegt wird. „Hier liegen wir bei weniger als 30 Minuten“, sagt Hefty über die Spanne von „Tür bis Nadel“.

          Damit sind die Voraussetzungen für eine zügige Behandlung gegeben, wie Hölschermann in einem Rückblick auf zehn Jahre Infarktnetz feststellt. Statt akute Infarktpatienten aus dem Hochtaunus wie früher an andere Häuser zu verteilen, werden sie heute in Bad Homburg behandelt. 766 waren es im vergangenen Jahr. Das Herzkatheterlabor und die internistische Intensivstation arbeiteten hierbei zusammen, erläutert der Chefarzt. Mit modernsten bildgebenden Verfahren wie Computertomographie und Magnetresonanztomographie lasse sich die betroffene Stelle am Herzen genau lokalisieren. Geschäftsführerin Hefty hebt hervor, dass die Hochtaunuskliniken auch Patienten mit anderen Herzerkrankungen entsprechende Behandlungsmöglichkeiten böten. In Zusammenarbeit mit der Gefäßchirurgie würden inzwischen Drei-Kammer-Herzschrittmacher oder Defibrillatoren implantiert.

          Beim „Herztelefon“ gibt es Rat bei unklaren Beschwerden

          Die Versorgungskette des Infarktnetzes reicht bis zur Reha-Klinik. Zur Diagnose unklarer Schmerzen in der Brust, die auf eine Herzerkrankung hindeuten könnten, gibt es außerdem die sogenannte Chest Pain Unit. Diese Brustschmerzambulanz können Patienten auch selbst aufsuchen, sofern sie nicht vom Hausarzt dorthin geschickt werden.

          Der mit dem Infarktnetz eingerichtete Fernruf gibt es in Form des rund um die Uhr erreichbaren „Herztelefons“ immer noch. Unter Telefon 06172/141516 lässt sich bei unklarer Luftnot, Herzschmerzen oder dem Verdacht auf einen Herzinfarkt Rat einholen. Daneben steht natürlich die Notrufnummer 112 zur Verfügung.

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