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Wahl zum Bundesvorsitzenden : In Hessen liegt Friedrich Merz klar vorne

Friedrich Merz, Kandidat für den CDU-Bundesvorsitz, spricht bei der CDU-Regionalkonferenz zu Parteimitgliedern. Bild: dpa

Vor der Wahl des CDU-Bundesvorsitzenden am 7. Dezember in Hamburg sind viele der 88 Delegierten der Landespartei schon festgelegt. Spielen dabei auch persönliche Beziehungen eine Rolle?

          Als „die beste Entscheidung, die in der CDU Deutschlands seit Jahren getroffen wurde,“ bezeichnete der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier kürzlich die Wahl von Annegret Kramp-Karrenbauer zur Generalsekretärin. Mit einer fulminanten Rede hatte sie die Landespartei in Offenbach auf den Wahlkampf eingestimmt.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Bouffier konnte nicht wissen, dass die Parteifreundin, die im Februar aus der saarländischen Staatskanzlei ins Berliner Konrad-Adenauer-Haus gewechselt war, noch im selben Jahr den nächsten Karriereschritt versuchen würde. Am 7. Dezember bewirbt sie sich um das Amt der Bundesvorsitzenden.

          Doch die meisten hessischen Delegierten scheinen Bouffiers Begeisterung für die Sechsundfünfzigjährige nicht zu teilen. Eine klare Mehrheit werde für Merz stimmen, heißt es in diesen Tagen in unterschiedlichen Kreisen der Union. Die Zeit ist durchaus reif für fundierte Einschätzungen. Denn inzwischen haben sich Kramp-Karrenbauer sowie ihre Konkurrenten Friedrich Merz und Jens Spahn in sechs Regionalkonferenzen präsentiert.

          „Natürlich kann sie Kanzlerin“

          Die hessischen Delegierten ließen sich dort nur vereinzelt sehen, aber viele von ihnen haben mehrere Veranstaltungen im Fernsehen verfolgt. Gelegenheit zum Austausch boten die Sitzungen der Fraktion und der unterschiedlichen Parteigremien. Im Übrigen laufen in diesen Tagen bundesweite Umfragen unter den 1001 Delegierten aus ganz Deutschland an.

          32 von den 88 Hessen, die am 7. Dezember in Hamburg in geheimer Wahl abstimmen, sind Landtagsabgeordnete. Hinzu kommen 14 Parlamentarier aus Berlin und zwei Angehörige des Europäischen Parlaments. 40 Delegierte haben kein wichtiges Parteiamt mehr, darunter befinden sich beispielsweise vier ehemalige Bundesminister. Öffentliche Bekenntnisse zu einem der Kandidaten sind die Ausnahme. Dass der frühere Ministerpräsident Roland Koch ankündigte, Merz zu wählen, wurde hier und da registriert, weil er mit Spahn so gut befreundet ist, dass dieser bei der privaten Feier von Kochs 60. Geburtstag in Eschborn zu den Gästen zählte. Der Achtunddreißigjährige ist chancenlos.

          Bouffier legt sich öffentlich nicht fest. Allerdings ist es kein Geheimnis, dass er zu Kramp-Karrenbauer ein vertrauensvolles Verhältnis pflegt. In einem Buch, das zwei Journalistinnen vor wenigen Monaten zusammen mit der Unionspolitikerin herausbrachten, wird Bouffier mit den Worten zitiert: „Natürlich kann sie Kanzlerin. Ich traue ihre das zu.“ Kramp-Karrenbauer habe schon im Saarland, wo jeder jeden kenne, viel Nähe und Reibung erzeugt. „Sie kann entscheiden, Kabinettsumbildungen gingen zum Teil bis in persönliche Freundschaften.“

          Frauen stellen ein Drittel der Delegierten

          Bouffier wird von seiner Parteifreundin in dem Buch als „die uneingeschränkte Eminenz der CDU-Ministerpräsidenten“ charakterisiert. Umgekehrt bezeichnet er sie für den Fall, dass Merkel abtrete, als „sehr gute Alternative“. Allerdings wusste Bouffier damals noch nicht, wer sich jetzt noch außer Kramp-Karrenbauer um die Nachfolge bewirbt. Sicher kannte er auch nicht den Titel, der auf dem Buchdeckel prangt: „Ich kann, ich will und ich werde“.

          Die hessischen Delegierten treffen sich am Vorabend der Wahl zu einer gemeinsamen Sitzung in ihrem Hotel an der Hamburger Messe. Sie werden über die Personalfrage reden, aber eine Empfehlung der Parteiführung gibt es nicht. Hinweise sind sinnvoll, wenn es etwa bei Wahlen des erweiterten Vorstands um Kandidaten aus anderen Landesverbänden geht, die kaum jemand kennt.

          Im Dreikampf um den Vorsitz aber stellt sich jeder Kandidat ausführlich persönlich vor. Und es gab vorher vielfältige Möglichkeiten, sich ein genaues eigenes Bild zu machen. Die Frauen stellen etwa ein Drittel der hessischen Delegierten. Der Altersdurchschnitt ist hoch. Viele kennen Merz noch aus den CDU-Zeiten, die sie als die guten in Erinnerung haben.

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