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Rauchverbot : In den letzten Zügen

  • -Aktualisiert am

Am Frankfurter Hauptbahnhof darf nur noch innerhalb gelb-umrandeter Flächen am Gleis geraucht werden Bild: ZB

Knapp fünf Stunden und keine Zigarette. Reisende Raucher, die mit dem ICE aus Berlin nach Frankfurt kommen, haben es künftig schwer. Denn seit diesem Wochenende sind alle Züge der Deutschen Bahn rauchfrei. Taxis ebenso. Und Kneipen folgen bald.

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          Vier Stunden, 56 Minuten – und keine Zigarette. Reisende Raucher, die mit dem ICE aus Berlin nach Frankfurt kommen, haben es künftig schwer. Denn seit diesem Wochenende sind alle Züge der Deutschen Bahn rauchfrei. Und auch am Hauptbahnhof darf nur noch innerhalb gelb-umrandeter Flächen am Gleis geraucht werden. Ausnahmsweise, denn in den meisten der 5700 deutschen Bahnhöfe ist Rauchen künftig komplett verboten. Raucherzonen wie in Frankfurt gibt es nur in den 330 größten deutschen Bahnhöfen. Schuld daran ist das Bundesgesetz, das seit Samstag alle Zigaretten aus öffentlichen Verkehrsmitteln und Bundeseinrichtungen verbannt.

          Auch in Taxis ist das Rauchen künftig verboten. Besonders hart trifft das vor allem die rauchenden Fahrer. Für alle Raucher, die ohnehin nie Zug oder Taxi fahren, wird sich durch das neue Gesetz wenig ändern. Vorerst. Denn auch für sie wird die Luft dünner: Nach dem Vorbild von Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern will der Landtag ein Gesetz verabschieden, das Rauchern den Tabakgenuss in der Öffentlichkeit weiter erschweren wird. Vom 1. Oktober an soll dann nur noch in separaten Räumen geraucht werden dürfen . Im Landtag herrscht über das neue Gesetz weitgehend Konsens. Die einzige Partei, die ein Verbot ablehnt, ist die FDP. Sie setzt auf eine freiwillige Kennzeichnung als Raucher- oder Nichtraucherkneipe. Die Menschen könnten selbst entscheiden, ob sie sich einer Gesundheitsgefahr aussetzen möchten.

          Eckkneipen-Sterben befürchtet

          Der hessische Hotel- und Gaststättenverband teilt diese Meinung und befürchtet, dass durch das Gesetz nicht nur die kleinen Eckkneipen aussterben werden, sondern die gesamte deutsche Kneipenkultur in Gefahr sei. Allein in Frankfurt wären tausende Betriebe von dem neuen Verbot betroffen. Seit öffentlich über das Gesetz diskutiert wird, rufen täglich bis zu 20 besorgte Wirte in der Wiesbadener Zentrale des Verbandes an, die nicht wissen, wie es nach einem Verbot weiter gehen soll. Bevor das Gesetz nicht verabschiedet ist, wissen die Wirte nicht, ob es sich überhaupt lohnt umzubauen. Dafür bräuchten sie eine Baugenehmigung. Danach hätten sie zwei Jahre lang Zeit, um ohne Baugenehmigung einen neuen Raucherraum einzurichten. Doch dafür fehlt ihnen oft das Geld oder der Platz.

          So geht es auch Werner Döpfner vom Hotel Maingau. In dem Familienbetrieb essen Raucher und Nichtraucher seit über 50 Jahren gemeinsam im rund hundert Quadratmeter großen Speisesaal. Den zu trennen sei unmöglich, meint Döpfner. Das neue Gesetz hält er ohnehin für wenig praxisnah: „Wenn zwei Raucher und zwei Nichtraucher an einem Tisch sitzen, kann ich sie ja schlecht in verschiedene Räume schicken“. Für die Nichtraucher hat der Hotelier bereits seit Beginn des Jahres das Rauchen vor 21.30 Uhr verboten. Seitdem kommen weniger Gäste. Durch das neue Gesetz erwartet Döpfner einen weiteren Umsatzrückgang. Diese Meinung teilen laut einer Umfrage der Marktforschung „CHD Expert“ 60 Prozent seiner Kollegen.

          Apfelwein-Wirt befürwortet Raucherschutzgesetz

          Doch längst nicht alle: „Ich befürworte das Gesetz ganz eindeutig“, sagt Emanuel Neumeister, Wirt der traditionellen Apfelweinstube „Kanonensteppel“ in Sachsenhausen. Auch in seiner Gaststätte ist kein Platz für einen separaten Rauchraum. Kein Problem, meint Neumeister: Kommt das Gesetz, wird seine Gaststätte rauchfrei – umbauen will er nicht. Die Einführung des Rauchverbots in Irland im Jahr 2004 hat er vor Ort erlebt und nur gute Erinnerungen. Auch seiner Stammklientel, die im Verdacht steht, eher traditionell zu sein, traut er zu, dass sie sich schnell anpassen. „Die Leute gewöhnen sich ganz schnell an die neue Situation.“ Selbst im traditionellen Raucherland Italien, ist das Verbot inzwischen gesellschaftlich akzeptiert. Deutschland ist eines der wenigen europäischen Ländern, das sich noch nicht auf ein einheitliches Rauchverbot einigen konnte. Und das, obwohl laut einer Umfrage des Bundesgesundheitsministeriums rund 85 Prozent aller deutschen ein Rauchverbot generell befürworten.

          Das Nobelrestaurant „Silk“ im Cocoon Club ist schon seit drei Jahren rauchfrei – und nach eigenen Angaben trotzdem immer ausgebucht. „Wenn man mit einem lässigen Outfit ausgeht und nachher alles stinkt, Klamotten, Haare, dann ist das einfach unangenehm“, findet Mario Lohninger, Küchenchef im „Silk“. Auch er greife zu besonderen Gelegenheiten zur Zigarre, doch süchtig sei er glücklicherweise nicht, beim Essen sei Rauch für ihn ohnehin tabu. Er lobt die rigorose Haltung der Amerikaner. Dort gelten Zigaretten schon längst nicht mehr als cool oder kultiviert. „Die Amis sind uns in diesem Thema zwanzig Jahre voraus“, meint Lohninger, der selbst zehn Jahre in den USA gelebt hat. Wenn es gar nicht mehr auszuhalten sei, könne man schließlich auch vor der Tür rauchen.

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