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Luise Glaser-Lotz (lu.)

Zumutung : Eine Frage des Überlebens

Im Juli hatte es ursprünglich geheißen, man habe sich im Magistrat auf das Gelände unweit des Ikea-Möbelhauses verständigt. (Archivbild) Bild: Wolfgang Eilmes

Die über Achtzigjährigen müssen während der Pandemie besonders geschützt werden. Den Alten im eigenen Heim muss ein unkomplizierter Zugang zur Impfung geboten werden. Ihnen den Weg nach Frankfurt zuzumuten, ist eine Frechheit.

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          Die über Achtzigjährigen gehören der Generation an, die dieses Land nach dem Krieg wiederaufgebaut hat. Sie erlebten Schreckliches in der Kriegszeit, zitterten in Luftschutzkellern in den Bombennächten und erfuhren oftmals Flucht und Vertreibung. Nach Kriegsende sorgte diese Generation mit Optimismus und Energie für den Aufbau einer demokratischen Gesellschaft, zog Kinder groß und legte den Grundstein für den heutigen Wohlstand. Diesen Menschen gebührt in ihrem letzten Lebensabschnitt ganz besonderer Schutz. Dass Personen dieser Altersgruppe in großer Zahl in Pflegeheimen, aber auch zu Hause, angesteckt von geliebten Enkeln, helfenden Verwandten oder wechselnden Mitarbeitern von Pflegediensten, an Covid erkranken, dass sie oft qualvoll daran ersticken, muss ein Ende haben.

          Mit den Impfungen durch mobile Teams in den Pflegeeinrichtungen ist ein wichtiger Anfang gemacht. Doch auch den Alten im eigenen Heim muss so schnell wie möglich ein unkomplizierter Zugang zur rettenden Impfung geboten werden. Es ist nicht nur eine Zumutung, sondern auch eine Frechheit, wenn die Impforganisatoren in Hessen einem Neunzigjährigen oder gar einer Hundertjährigen aufgeben, aus ihrem Dorf im östlichen Main-Kinzig-Kreis zur Impfung nach Frankfurt fahren zu müssen. Für die Hochbetagten aus dem großen Main-Kinzig-Kreis ist es schon schwierig genug, zweimal nach Gelnhausen zu kommen oder nach Hanau, um sich einer Impfung zu unterziehen, der sie womöglich skeptisch gegenüberstehen. Der Weg nach Frankfurt, auch wenn die Reise irgendwie organisiert wird, könnte ein zusätzlicher Grund sein, diese Senioren von der lebensrettenden Spritze abzuhalten.

          Herzlos, gefährlich und schwer nachzuvollziehen

          Sollen wirklich Enkel, Kinder oder Fahrer von „Impf-Taxis“ die Alten, möglicherweise auch Demente, im Auto über eine lange, stauträchtige Strecke bis nach Frankfurt und durch die vollgestopfte Innenstadt bis zur Festhalle fahren, wo doch alle zwischenmenschlichen Kontakte vermieden werden sollen? Das ist herzlos, gefährlich und schwer nachzuvollziehen, wo es doch in Hanau und Gelnhausen seit Wochen komplette, große Impfzentren gibt.

          Von hier aus agieren die mobilen Impfteams, die hoffentlich auch zu den immobilen Pflegebedürftigen nach Hause kommen werden. Das Land sollte den Versicherungen des Landrats und Hanaus Oberbürgermeister Gehör schenken, dass man in den lokalen Zentren auch den noch bestehenden Mangel an Impfstoff verwalten könnte. Bis dahin ist Kreis und Stadt dafür zu danken, dass sie nach Möglichkeiten suchen, hochbetagten Bürgern den Weg zur Impfung so unkompliziert wie möglich zu machen.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

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