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Im Gespräch: Franz-Peter Tebartz-van Elst : „Lernen, eine risikofreudigere Kirche zu werden“

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Auf Menschen zugehen: Franz-Peter Tebartz-van Elst liegt die „missionarische Seelsorge” am Herzen Bild: picture-alliance/ dpa

Deutschlands jüngster Bischof, Franz-Peter Tebartz-van Elst, tritt im Januar sein Amt in Limburg an. Im Interview spricht er über inhaltliche Schwerpunkte und darüber, was die deutsche Kirche von der amerikanischen lernen kann.

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          Deutschlands jüngster Bischof, Franz-Peter Tebartz-van Elst, tritt im Januar sein Amt in Limburg an. Im Interview spricht er über inhaltliche Schwerpunkte und darüber, was die deutsche Kirche von der amerikanischen lernen kann.

          Was schätzen Sie am Bistum Limburg?

          Zum Beispiel die unterschiedlichen Bedingungen für eine Seelsorge in Städten und in ländlichen Gebieten sowie die reizvolle Verbindung von Tradition und Neuem. Als große, neue Herausforderung empfinde ich, den Glauben missionarisch zu leben.

          Das Domkapitel hat sie gerade deswegen gewählt, weil Sie für eine „missionarische Seelsorge“ stünden, wie es hieß. Was heißt das konkret?

          Das heißt, auf Menschen zuzugehen, deren Fragen erfassen und ihnen, wie es die französische Kirche sagt, den Glauben vorleben. Das heißt aber auch, und das ist eine Priorität für mich, die Identität derer zu stärken, die schon glauben, damit sie auch über ihren Glauben sprechen können.

          Sie waren zu Studienzwecken in Frankreich, aber auch in den Vereinigten Staaten. Was kann die deutsche Kirche, gerade im Bistum Limburg, von diesen Kirchen lernen?

          Unterschiedliches. Die Kirche in Amerika ist risikofreudiger, dort wird auch einmal etwas ausprobiert in der Pastoral, im Zugehen auf ungetaufte Erwachsene etwa. Und im stark säkularisierten Frankreich werden immer mehr Orte geschaffen, an denen der Glaube wirklich gefeiert wird und Christen versammelt werden. Wir in Deutschland brauchen mehr solche Orte.

          In Frankreich gibt es nicht umsonst viele sogenannte neue geistliche Bewegungen. Favorisieren Sie diese auch im Bistum Limburg?

          Diese Gruppen sind wichtig, dürfen aber nicht zu Lasten der Gemeinden gestärkt werden. Das Prinzip territorial verfasster Pfarreien, das wir haben, ist unaufgebbar, weil es niedrigschwellige Angebote macht. Es darf aber auch nicht verabsolutiert werden.

          Sie haben sich intensiv mit der Heranführung Erwachsener an den Glauben und die Taufe befasst. Nimmt die Kirche diese Aufgabe ausreichend ernst?

          Sie wird sie ernster nehmen müssen, allein weil die Zahl erwachsener Taufbewerber steigt, auch im Bistum Limburg. Es ist hier auf einem guten Weg, und ich möchte ihn deutlich akzentuieren.

          Welche Schwerpunkte wollen Sie noch setzen?

          Die inhaltlich-geistliche Vertiefung unseres Glaubens in der Katechese und Liturgie ist mir ein Herzensanliegen. Ich möchte unter anderem den ökumenischen Dialog fortsetzen, dabei aber die Unterschiede zwischen unseren Kirchen genauso betonen wie die Gemeinsamkeiten. Nur so kann es einen echten Dialog geben. Außerdem ist mir, wie meinem Vorgänger Franz Kamphaus, der weltkirchliche Aspekt sehr wichtig.

          Welche Rolle spielen die beiden Großstädte des Bistums, Frankfurt und Limburg, für Sie?

          Sie sind wichtig, weil besonders in ihnen der Dialog der Kirche mit der Kultur verstärkt werden kann, und das muss er auch. Nur eine Kirche, die sich inkulturieren will, kann auch eine missionarische Kirche sein. Außerdem wird vor allen Dingen in den Städten der karitative Auftrag der Kirchen deutlich. Wir müssen wachsam sein und, nach einem Wort von Mutter Teresa, die Armen in der Stadt wahrzunehmen. Schließlich wird gerade in Frankfurt deutlich, wie sehr die katholische Kirche Weltkirche ist.

          Im Bistum Limburg hat die Mitsprache von Laiengremien besonderes Gewicht. Empfinden Sie das als Einschränkung Ihrer Amtsführung?

          Die verschiedenen Ämter, Dienste und Charismen in der Kirche müssen aufeinander bezogen sein – unter Wahrung ihres je eigenen Wesens. Es darf dabei nicht zu einer Gleichmacherei kommen. Mir ist wichtig, viel zu hören und zu sehen und gemeinsam mit allen nach Wegen für die Zukunft des Bistums zu suchen.

          Kam die Wahl für Sie überraschend?

          Allerdings. Ich war zunächst sprachlos, habe aber dann eine innere geistliche Freude gespürt. Ich komme sehr gerne nach Limburg.

          Sie sind mit 48 Jahren der jüngste deutsche Diözesanbischof. Schreckt Sie das?

          Die Kirche braucht beides, die Erfahrung der Älteren und den Elan der Jüngeren. Mit diesem Elan möchte ich tätig sein, gerade mit Blick auf die missionarische Seelsorge.

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