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Im Gespräch: Christopher Jahns : „Konkrete Planspiele mit dem Ziel, mich zu stürzen“

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Bessere Tage: EBS-Präsident Christopher Jahns mit Ministerpräsident Roland Koch und Wiesbadens Oberbürgermeister Helmut Müller (beide CDU) bei der Eröffnung der „Law School”. Bild: Frank Röth

Er vermische das Amt des Hochschulprofessors mit seinen geschäftlichen Interessen, lautet der Vorwurf, der gegen Christopher Jahns, Präsident der European Business School, erhoben wird. Für ihn kommt die Debatte zur Unzeit.

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          Herr Jahns, Ihnen wird vorgeworfen, dass Sie Ihre Tätigkeit als Hochschulpräsident mit privaten Geschäftsinteressen vermischten – zum Beispiel durch Auftragsvergabe an die Firma Brain Net, an der Sie beteiligt sind. Melken Sie die EBS?

          Ich bin seit eh und je Unternehmer, und die EBS hat etwa 200 Unternehmen als Partner. Einer davon ist die Beratungsgruppe Brain Net. Dort bin ich auch beteiligt. Viele Hochschullehrer der EBS arbeiten privat als Berater. Wichtig ist: Ich habe bei keiner der Brain-Net-Gesellschaften operative Funktionen, sondern nur Aufsichtsratsmandate. Alle meine Tätigkeiten sind dem Aufsichtsrat der EBS angezeigt, und sie sind vertraglich erlaubt. Außerdem werden jährlich alle Beziehungen zwischen der EBS und den Gesellschaften, an denen ich beteiligt bin, von einem Wirtschaftsprüfer kontrolliert.

          Wie hoch ist Ihre Beteiligung an Brain Net?

          Es ist keine maßgebliche Beteiligung, also keine, die über 25,1 Prozent hinausgeht.

          Was tut Brain Net?

          Brain Net hilft Unternehmen verschiedener Branchen, ihre Einkaufskosten zu senken.

          Welche Leistungen erbringt die EBS für Brain Net?

          Brain Net ist mit mehreren anderen Unternehmen an einem Forschungszentrum der EBS für „Future Studies“ beteiligt und gibt dafür Geld. Brain Net hat auch Forschungsstudien an der EBS in Auftrag gegeben. Es wird keine einzige Leistung an Brain Net vergeben, die mit der öffentlichen Förderung der Hochschule zusammenhängt. Der Vorwurf, ich würde öffentliche Gelder einnehmen und in meine privaten Firmen schleusen, ist absolut unhaltbar.

          Welche Aufträge vergibt die EBS an Ihre Beratungsgesellschaften?

          Das sind Kleinstaufträge in der Größenordnung von ein paar tausend Euro. Wenn ich als EBS-Präsident mit Top-Unternehmern spreche, lasse ich mich von Brain-Net-Experten vorbereiten, um zum Beispiel über neueste Entwicklungen in der Autoindustrie auf dem Laufenden zu sein. Ein Großteil der Leistungen, die meine Unternehmensgruppe zur Verfügung stellt, sind pro bono.

          Verdienen Sie persönlich an Aufträgen, die Brain Net von der EBS bekommt?

          Überhaupt nicht. Die Kleinstaufträge, von denen ich sprach, werden zu Selbstkosten ausgeführt. Die Leistungsbilanz von Brain Net zur EBS ist deutlich negativ. Es fließt etwa ein Drittel mehr Geld in die EBS hinein als hinaus.

          Kritisiert werden Sie auch für den angeblichen Missbrauch Ihres Präsidententitels in privaten Geschäftsbeziehungen. So sollen Sie einen Vertrag mit BMW über eine Stiftungsprofessur in China, den Sie als Präsident des Supply Chain Management Institute (SMI) geschlossen haben, mit „CEO European Business School“ unterschrieben haben.

          Das SMI habe ich 2004 gegründet, und vor ein paar Jahren habe ich begonnen, es auch in China, Indien und Russland zu etablieren. Dazu habe ich in St. Gallen die SMI International AG gegründet. Unternehmen wie BMW wollen, dass das SMI in den besten Business Schools, etwa in China, angesiedelt wird. Dafür schließt die SMI International AG Verträge, zum Beispiel mit BMW, über den Aufbau von Lehrstühlen an diesen Auslands-Unis. Das geht nur auf diese Art, weil keine Uni an einer anderen Uni einen Stiftungslehrstuhl gründen kann. Den Vertrag habe ich dann in meinen verschiedenen Funktionen unterschrieben. Okay, den Zusatz „CEO European Business School“ hätte man weglassen können. Das war ein Fehler. Künftig würde ich unter solche Verträge nur noch den Titel setzen, der dazu passt.

          Es heißt, Sie hätten Briefe in Ihrer Funktion als Brain-Net-Repräsentant geschrieben, diese aber mit den Worten eingeleitet: „Ich schreibe Ihnen als Präsident der EBS.“

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